Wie die französische Tageszeitung 'Libération' am gestrigen Montag berichtete, hat der französische Staat jahrelang seinen Atommüll auf einen Parkplatz in Sibirien abgeladen. Die Container stehen dort unter freiem Himmel und sind laut 'Frankfurter Rundschau' mit Google Earth selbst für Amateure sichtbar.
Knapp 13 Prozent der Abfälle aus französischen Atomkraftwerken lagern der Zeitung 'Libération' zufolge in der sibirischen Stadt Sewersk, früher auch bekannt unter dem Namen Tomsk-7, auf einem Parkplatz unter freiem Himmel. Seit Mitte der 90er Jahre würden pro Jahr rund 100 Tonnen abgereichertes Uran aus den französischen Atomkraftwerken 8000 Kilometer weit, über die Nord- und Ostsee verschifft und danach weiter mit dem Zug, nach Sibirien gebracht werden. Der französische Stromkonzern Electricité de France (EDF), der die 58 Reaktoren des Landes betreibt, bestätigte dies gegenüber der Tageszeitung, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.
Unternehmenssprecher der EDF betonten allerdings, dass "kein Atommüll von Frankreich nach Sibirien transportiert" werde, sondern lediglich wiederverwertbares Uran, das in Sibirien erneut angereichert werde. Abgereichertes Uran, wieder aufbereitetes Uran sowie Plutonium würden nicht als Atommüll, sondern als "radioaktives Material" gelten. Auch ein Sprecher des französischen Umwelt- und Energieministeriums erklärte der 'Libération, dass der nach Sibirien exportierte abgebrannte Nuklearbrennstoff nach seiner Anreicherung für die vierte AKW-Generation, die "ab 2040" den Dienst aufnehmen werde, geeignet sei.
Es handle sich also nicht um "Atommüll". Der Transport nach Russland sei deshalb nicht verboten. Das Uran würde außerdem nicht mehr der EDF gehören, sondern dem russischen Unternehmen Tenex, welches das Uran angeblich wiederaufbereitet. Tenex' Geschäftspartner, der Atomkonzern Areva, zuständig für den gesamten Atomenergie-Kreislauf, wies die Verantwortung zurück. Areva arbeite nur im Auftrag von EDF, "tatsächlicher Eigentümer des Materials" bliebe somit der Stromkonzern EDF.
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Corinne Lepage, Umweltministerin Frankreichs zwischen 1995 und 1997, meinte am gestrigen Montag: "Ich bin ein wenig überrascht. Ich wusste nicht, dass wir radioaktives Material nach Russland schicken." Am heutigen Dienstagabend um 21.00 Uhr sendet der deutsch-französische Fernsehsender Arte eine Reportage mit dem Titel "Alptraum Atommüll" über den sibirischen Parkplatz. (mme)
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