Rheinische Post (Düsseldorf):
"Ist das ein Hineinrutschen in extreme Gefahr? War es denn nicht so, dass die Amis in der 'bösen' Operation Enduring Freedom auf Taliban und Zivilisten schießen und unsere Jungs in dem 'guten' ISAF-Mandat den Wiederaufbau friedlich begleiten? Diese Vorstellung ist so bequem wie falsch. Denn natürlich muss ISAF auch kämpfen, wenn Taliban ins Land einsickern, Städte terrorisieren, Patrouillen und Camps angreifen. Die Norweger haben mit ihrer schnellen Eingreiftruppe letzten Herbst zum Schlag gegen Taliban im Nordwesten des Landes ausgeholt. Schon dieser Einsatz lief unter deutscher Führung. Auch deutsche Sanitäter und Aufklärer waren dabei. Demnächst auch deutsche Kämpfer."
Financial Times Deutschland (Frankfurt):
"Wo geschossen wird, besteht das Risiko, dass es Tote gibt. Auf diesen Fall sollte die Regierung die Bevölkerung vorbereiten. Das ist sie nicht zuletzt den Soldaten schuldig, die sich zu recht über mangelnden Rückhalt der Politik beklagen. Das deutsche Engagement in Afghanistan bleibt auch dann richtig, wenn man offen ausspricht, dass es sich dabei um einen Kampfeinsatz handelt."
Südkurier (Konstanz):
"Tatsache ist: Die Entwicklung am Hindukusch läuft in die falsche Richtung. Die Bundesrepublik verstrickt sich immer tiefer in einen Krieg, dessen Ende niemand voraussagen kann. Dann also lieber die Truppen abziehen, so wie die Linkspartei es vorschlägt? Ganz so einfach macht es der Problemstaat Afghanistan dem Westen nicht. Wer dort Soldaten stationiert, handelt sich zweifellos große Probleme ein. Wer sie abzieht, riskiert jedoch noch größere, denn er überlässt das Feld dem militanten Islam. Der wartet nur auf die Kapitulation des Gegners. Ein Dilemma."
Kölner Stadt-Anzeiger (Köln):
"Die spannende Frage lautet: Wird die Bundeswehr auch Kampftruppen in den Süden des Landes schicken? Die Antwort: vermutlich ja. Im Frühjahr 2009 werden zunächst die Kanadier, 2010 wahrscheinlich auch die Niederländer Südafghanistan verlassen. Die Nato wird das Vakuum füllen müssen. Der Druck auf Deutschland wird wachsen, vor allem der aus den USA. Mit etwas Glück kann sich die Bundesregierung im Umfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen für ein paar Wochen wegducken. Auf Dauer geht das nicht."
Allgemeine Zeitung (Mainz):
"Das ist nichts anderes als ein fließender Übergang zum Kampf gegen den Terror im Rahmen der US-geführten 'Operation Enduring Freedom'. Die Bundeswehr rückt damit voll ins Visier der Taliban und ihrer Selbstmordattentäter. Es werden also noch mehr Bundeswehrsoldaten ihr Leben verlieren."
Handelsblatt (Düsseldorf):
"Die Bundesregierung sollte die Debatte um die Verlegung der schnellen Eingreifreserve deshalb als Warnsignal ansehen. Die Verkleisterung militärischer Risiken und der tatsächlichen Aufgaben der Bundeswehr mag über eine Abstimmung hinweghelfen. Aber sie untergräbt letztlich immer weiter die Akzeptanz für diesen und weitere Auslandseinsätze, weil sich Bürger und Abgeordnete immer wieder getäuscht fühlen."
Der Tagesspiegel (Berlin):
Die Deutschen werden also kämpfen müssen wie es bisher die Norweger dort taten. Sich der Anfrage der Nato zu verweigern, wäre infam, das Signal verheerend. Risiken, Lasten und Gefahren müssen innerhalb des Bündnisses endlich gerecht verteilt werden. Die Zeiten des Ohne-Michels sind vorbei. Wer grundsätzlich Ja zur Nato und zur Afghanistanmission gesagt hat, kann sich, wenn es ernst wird, nicht einfach davonstehlen."