Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in Breaking Dawn
Highlights der Woche (KW 43)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteAttitudesFragrancesWORAN HAPERT'S DANN?

29.10.2008WORAN HAPERT'S DANN?

Junge deutsche Männer wünschen sich zu 93 Prozent Nachwuchs

Eine Studie des Münchner Jugendinstituts hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung 1.800 meist kinderlose Männer zwischen 15 und 42 nach ihren Vaterschaftskonzepten und Vaterschaftserwartungen, Ängsten und Problemen befragt. Dabei ergab sich, dass 93 Prozent der noch kinderlosen Männer später einmal Vater werden wollen.

Thomas Rauschenbach, Direktor des Jugendinstituts sagte: „Für viele Männer ist die Ankündigung, dass sie Vater werden, ein Schock, weil sie noch immer glauben, sie müßten die Funktion des Ernährers übernehmen. Sie haben Angst, diese Rolle nicht ausfüllen zu können."

52,7 Prozent der Befragten waren der Ansicht, das Kind solle erst kommen, wenn die Ausbildung und die Job-Unsicherheit hinter ihnen lägen. Nur 2,1 Prozent sehen Studium oder Ausbildungszeit als idealen Zeitpunkt, um ein Kind in die Welt zu setzen. Je älter die Männer werden, umso weniger wollen sie mit Kindern leben. Von den 35 bis 40-Jährigen können 36 Prozent nichts mehr mit Kindern anfangen. 95,5 Prozent der Männer sehen es dagegen als ihre Aufgabe an, der Familie ein Heim zu bieten. 95 Prozent finden es wichtig, sich Zeit für das Kind zu nehmen.

Die Studie zeige, dass „mentale und strukturelle Barrieren" den Weg vom Kinderwunsch zur tatsächlichen Realisierung den Weg zur Vaterschaft erschweren. „Drei Dinge braucht der Mann, bevor er ein Kind zeugt und Verantwortung für eine Familie übernimmt: Eine feste Partnerschaft, ein ausreichendes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz", nennt Rauschenbach das zentrale Ergebnis der Untersuchung.

Renate Schmidt meinte hierzu, dass heute Ausbildungen länger dauerten und die Abhängigkeit vom Elternhaus oft bis zum dreißigsten Lebensjahr andauere. „Junge Leute brauchen bis zu fünf Anläufe, um nach einem unbezahlten Praktikum und etlichen Minijobs eine feste Anstellung zu bekommen." Die Politikerin schlug vor, Studium und Ausbildung flexibler und kinderfreundlicher zu gestalten, damit eine „frühe Vaterschaft" möglich werde.

Der Berliner Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann hatte seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Partei zurückgezogen, weil er Vater wird und fordert nun als Konsequenz aus der Studie ein Umdenken bei den Arbeitgebern.

„Dieser Umdenkprozeß wird und muß kommen, weil der Arbeitskräftemangel dazu führen wird, dass Arbeitgeber Themen wie Familienfreundlichkeit oder Vereinbarkeit von Kindern und Beruf als Anreiz viel stärker in den Vordergrund stellen müssen als rein monetäre Aspekte. Die Männer bekommen nun das zu spüren, was Frauen seit Jahrzehnten erfahren: dass man Beruf und kinder irgendwie in Einklang bringen muß", sagte Ratzmann dem „Abendblatt".

Rauschenbach sieht „Männer in einer Art Modernisierungsfalle". Die jungen Väter wollen sich nun auch im Bereich der Kinderbetreuung engagieren, doch solle dies nicht zu Lasten ihres Berufes gehen. Männer, die große Karrierechancen erwarteten, sahen sich jedoch selten bereit, den Beruf für das Kind zurückzustellen.

Das Bundesfamilienministerium sieht in der Studie ein wichtiges Signal. „Männer haben Lust auf Familie, und wir kümmern uns mit unserer Politik darum, dass Wahlfreiheit geschaffen und Kindererziehung auf verschiedene Schultern verteilt wird", sagte der Sprecher Andreas Aumann. Das Elterngeld solle die Familien vor finanziellen Einbrüchen bewahren. Bis zum Jahr 2013 soll nach Aumann für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Platz in einer Tagesbetreuung oder einer Kindertagesstätte bereitgestellt werden. Nur drei Prozent der Männer gab an, dass sie am Arbeitsplatz genügend Angebote zur Unterstützung vorfänden.

Im Jahr 2005 war aus der international vergleichenden Untersuchung der „Population and Policy Acceptance Study" noch hervorgegangen, dass 14,6 Prozent der deutschen Frauen und 26,3 Prozent der deutschen Männer sich gar keine Kinder wünschten. Im Jahr 2004 hatte eine Allensbach-Studie ergeben, dass 41 Prozent der Väter sich weniger um ihr Kinder kümmerten als sie es gerne täten, doch ein Rollentausch komme für die überwältigende Mehrheit der Männer nicht in Frage.

Es kommt hinzu, dass Männer beim Scheidungs- und Unterhaltsrecht noch massiv benachteiligt werden. Die Kinder werden meißt den Frauen zugesprochen, die Väter müßten lediglich Unterhaltszahlungen leisten. Laut Statistischem Bundesamt haben die Gerichte 2003 in strittigen Fällen 11.732 mal das Sorgerecht der Mutter, jedoch nur in 997 Fällen dem Vater zugesprochen.

Zu den Benachteiligungen im Scheidungs- und Sorgerecht leiden die Väter auch in den Firmen. Der Psychologe Professor Dirk Zimmer von der Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie ist der Meinung, dass die verbreitete familienfeindliche Unternehmenspolitik das Ja zum Kind zusätzlich erschwere. „Viele müssen sich für die Karreiere im Job selbst ausbeuten."

Pro-Familia-Beraterin Rettig sagte, „Manchen Frauen werden auch absichtlich schwanger und stellen ihre Männer vor vollendete Tatsachen". Jedoch werde einer Studie des Familieninstitutes Bamberg zufolge jede zweite ledige Mutter während der Schwangerschaft von ihrem Partner verlassen. Jedoch auch, wenn das Kind gemeinsam geplant war.

Wenn die Gesellschaft als ganzes an Nachwuchs interessiert ist, dann müssen auch familienfreundlichere Bedingungen geschaffen werden, dass sowohl Männer, als auch Frauen die Möglichkeit haben, sich in Beruf und Familie gleichzeitig zu verwirklichen. Hierzu ist eine Männeremanzipation vonnöten, um althergebrachte Rollenzwänge und das selbstgebautes Rollenverständnis umzubauen und flexibel auf die Wünsche der Arbeitnehmer, werdenden Eltern und Ehepartner anzupassen. Ob der Arbeitsmarkt diesen Anforderungen rechtezeitig gerecht zu werden vermag, wird die Zukunft zeigen.

Im Jahre 2006 hatte die Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Studie, Ingrid Hamm, herausgefunden: „Männer schrecken vor der Familiengründung zurück.

„Insgesamt brauchen wir in Deutschland ein Klima für mehr Kinder. Dazu gehören kommunale Infrastruktur, finanzielle Unterstützung und flexibles Zeitmanagement." Die repräsentativ Befragten meinten, dass nach ihrer Auffassung wenig für Kinder spreche: Lebensfreude, Partnerschaft und Sicherheit im Alter würden durch Kinder nicht gesteigert. Außerdem seien Kinder kein Statusgewinn, sondern schränkten die finanzielle und zeitliche Bewegungsfreiheit ein.

„Heranwachsende Jungen und Männer erleben in ihrer gesamten Biographie, dass Erziehung Frauensache ist. Sie durchlaufen in der Regel eine männerfreie Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsbiographie", sagte Rauschenbach. Es gelte nun, den Männern ein schon in ihrer Jugend ein verändertes Rollenbild näher zu bringen.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (1)
comment (29.10.2008 21:22)

Blendwerk und Wirklichkeit

Dieser Bericht beschreibt das Dilemma der Männer besser als jede bisherige Publikation, zu diesem Thema.
Sie finden sogar passende Worte zu den Benachteiligungen im Familienrecht, dafür mein Kompliment.
Nach dreizig Jahren rechtlose Väter werden die gemachten Erfahrungen an die nächste Generation weiter gegeben und wenn die eigenen hinzu kommen, sieht es halt recht finster aus.
Die aktuellen Ängste der Männer sind gut begründet und stellen die Frauen vor eine wohl übergroße Herausforderung.
Ein Fehler wäre zu glauben, dass allein Elternzeitangebote als Lockmittel hierfür ausreichend wären.