Am gestrigen Mittwoch haben Wissenschaftler der englischen Universität von Oxford eine Meta-Studie veröffentlicht, welche die Wirkung von schmerzstillenden, hautrötenden Salben (sogenannten "Rubefazienzien") bei Muskelleiden neu bewertet. Demnach sind die vielgenutzten Cremes und Gele nicht zu empfehlen.
Die Autoren unterschieden bei ihrer Analyse zwischen chronischen und akuten Fällen von Muskelleiden. Die Unterscheidung lohnte sich, denn die Ergebnisse fielen jeweils unterschiedlich aus: Bei akutem Schmerz in der Muskulatur haben die Salben offenbar keine Wirkung. Nur vier der sechzehn untersuchten Studien bescheinigten ihnen eine bessere Wirkung als Placebos.
Nur um weniges besser ist die Wirkung der Rubefazienzien bei chronischen Schmerzen. Zwar erholen sich Patienten, die mit den Salben behandelt werden, tatsächlich besser als Verletzte, die nur Placebos bekommen. Doch in diesen Fällen sind sogenannte "nichtsteroidale Antiphlogistika" (NSAIDs) eher zu empfehlen als Rubefazienzien. Während erstere einem Drittel der Patienten deutliche Linderung verschafften, gelang letzteren dies nur bei halb so vielen.
Die Wissenschaftler um Paul Matthews analysierte sieben Studien über Mittel gegen akuten sowie neun Studien über Mittel gegen chronischen Muskelschmerz. Es flossen damit Daten von insgesamt etwa 1.300 Probanden in die Analyse mit ein. Das Forscherteam publizierte seine Ergebnisse in der fachlichen Datenbank 'Cochrane Database of Systematic Reviews'.
Rubefazienzien (wörtlich etwa "Rotmacher") sind Arzneimittel, die eine Durchblutung der Haut und wegen des erhöhten Blutflusses auch ihre Errötung und Erwärmung bewirken. Häufig enthalten die rezeptfrei erhältlichen Medikamente Salizylat. Salizylate heißen die Salze der Salizylsäuren, aus der sich Acetylsalizylsäure gewinnen lässt (besser bekannt unter dem Namen Aspirin).
Die Autoren der neuen Studie untersuchten genau diese Art von Salben und stellten ihre Wirksamkeit infrage. Rubefazienzien sind demnach den sogenannten NSAIDs nicht überlegen. Bekannteste Vertreter dieser Arzneimittelgruppe sind Voltaren, Ibuprofen oder Mobilat.