Auf der Internetseite des FC Bayern München hat Uli Hoeneß nun die letzten Zweifel ausgeräumt: Via Netzportal verkündete der Spitzenmanager am Samstag offiziell, dass der Kroate Ivica Olic im Sommer für den Rekordmeister stürmen wird. Das spektakuläre Tauschgeschäft ließ sofort Gerüchte aufkeimen, ob der Hanseat nicht schon ab der Winterpause im Bayern-Dress auflaufen wird und dafür Topstürmer Lukas Podolski an die Elbe wechselt.
Das „Palace"-Hotel in Dubai, in dem die Spieler des Vizeherbstmeisters bis zum 10. Januar residieren, ist nur zehn Fahrminuten von dem ebenso noblen „Marriott" entfernt, in dem der Hamburger SV logiert. Nicht weit von seinem künftigen Arbeitgeber entfernt machte Ivica Olic seiner Freude über den baldigen Wechsel zu den Bayern in einem Interview mit dem ‚Hamburger Abendblatt‘ Luft: „Für Bayern zu spielen war immer ein Traum", gab der 29-Jährige, dessen Vertrag mit dem HSV bald ausläuft, mit strahlenden Augen zu.
Der Stürmerstar bezeichnete den Transfer an die Isar als „eine große Entscheidung", schließlich konnte der kroatische Nationalspieler gleich zwischen zwei Topvereinen wählen. So buhlten nicht nur die Bayern um den Hanseaten, sondern auch der italienische Club Juventus Turin hatte ein Auge auf den Spitzenstar geworfen, wie Olic in dem Interview bestätigte. Nach intensiven Beratungen mit den früheren Bayern-Spielern Paolo Guerrero und David Jarolim sowie mit seinem Nationalmannschaftskollegen Robert Kovac fiel die Wahl dann auf den Champions-League-Teilnehmer an der Säbener Straße. „Alles ist dort ein Niveau höher anzusiedeln als anderswo", machte der Bundesliga-Fußballer des Monats im Oktober 2007 seinem neuen Verein schon jetzt den Hof.
Die Gründe für die Entscheidung zugunsten des bayerischen Topclubs lagen natürlich auch im finanziellen Bereich. Rund vier Millionen Euro pro Jahr kann der sensationelle Neuzugang ab der nächsten Saison in der Allianz-Arena verdienen und nach den Meisterschaften in Kroatien und Russland vielleicht auch in Deutschland einen weiteren Titel holen. Außerdem bezog Olic, der in der laufenden Saison in 25 Pflichtspielen zwölf Tore erzielt hat, auch seine Familie in die Überlegungen mit ein. „Für meine Kinder ist Deutsch, das muss ich leider sagen, die erste Sprache, noch vor Kroatisch. Die Umstellung ist also nicht so groß. Außerdem bin ich zufrieden mit der Bundesliga. Ich habe einige Male in Italien gespielt und erlebt, dass die Atmosphäre in den Stadien dort nicht das Niveau wie in Deutschland hat."
Topmanager Uli Hoeneß freut sich schon jetzt über den geglückten Wechsel und ist sich sicher: „Olic ist ein hungriger Spieler." Und auch Bayerntrainer Jürgen Klinsmann zeigte Gefallen an der neuesten Verpflichtung: „Natürlich freuen wir uns darüber", hieß der Trainer seinen neuen Schützling willkommen. Derzeit hält der 44-Jährige seine Truppe im heißen Emirat mit hartem Konditionstraining am Laufen und amüsierte sich sichtlich an der Tortur seiner Spieler: „Das war ganz amüsant. Da müssen die Spieler durchblasen."
Bis wann der spektakuläre Frischling bei den Bayern spielen wird, steht schon fest. Der Dreijahresvertrag, der von beiden Seiten noch unterschrieben werden muss, läuft bis zum 30. Juni 2012. Doch wann genau Olic zum Rekordmeister wechselt, darüber wird noch heftigst spekuliert. So hielt Hamburgs Trainer Martin Jol die Gerüchteküche am Brodeln. Der 52-jährige Niederländer antwortete auf die Frage nach einem vorzeitigen Wechsel Olics bereits im Winter: „Ausschließen kann man nichts" und erklärte, dass der Olic-Transfer möglicherweise „schon früher über die Bühne geht" als erst im Sommer 2009.
Sollte Olic vorzeitig wechseln und dafür der Dauernörgler Lukas Podolski kommen, würden die Hanseaten die dadurch fällige Transfersumme in das Tauschgeschäft einfließen lassen. Verrechnet mit den zehn Millionen Euro, die der FC Bayern für den 23-jährigen Quälgeist fordert, würde der Deal den HSV nur noch sieben Millionen Euro kosten. Von finanzieller Seite aus würde es sich für den HSV also durchaus lohnen, den in München unglücklichen Stürmerstar an die Elbe zu lotsen. So könnte Poldi seine Bayern bereits am 30. Januar pünktlich zum Rückrundenstart im Hamburger Trikot empfangen.
Gelöst haben möchte auch Bayerntrainer Jürgen Klinsmann das Dauer-Thema Podolski: „Uli Hoeneß versucht, die Gespräche schon im Januar so zu entwickeln, dass alles zur Zufriedenheit von Lukas und dem Verein gemacht wird." Doch der Ball liegt letzten Endes bei Münchens Manager Uli Hoeneß, der sich bislang noch nicht beim HSV-Vorstand gemeldet hat. Der 56-Jährige soll aber Pläne über einen vorzeitigen Wechsel durchaus nicht abgeneigt sein. Zuletzt waren die Verhandlungen mit Poldis Lieblingsverein, dem 1. FC Köln, wieder ins Stocken geraten.
Olic äußerte sich nur zurückhaltend in Bezug auf einen vorzeitigen Transfer: „Für mich war es bis heute kein Thema, schon im Winter den HSV zu verlassen. Ich kann nur abwarten und mich auf das nächste halbe Jahr konzentrieren." Furcht vor einem Konkurrenzkampf mit seinen künftigen Kollegen Luca Toni und Miroslav Klose hat der Bundesligastürmer, der seit der Saison 2006/2007 für den HSV auf Torjagd geht, nicht: „Ich habe mich bisher überall durchgesetzt und werde auch bei Bayern spielen."
Allerdings kündigte Olic in einem Interview mit der ‚Bild am Sonntag‘ loyal an: „Ich werde bis zu meiner letzten Spielminute alles für den HSV geben. Das kann ich schwören". Das kann das begehrte Streitobjekt bereits am morgigen Dienstag unter Beweis stellten. Dann treffen die Hanseaten im Rahmen der Dubai Football Challenge nämlich auf den AC Mailand. Und für den kickt zur Zeit niemand anderer als der prominente Leihspieler David Beckham.