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30.05.2005Junge polnische Kunst

So nah und doch so fremd

Kunst aus dem Osten ist im Kommen. Wohl nie zuvor gab es so zahlreiche Möglichkeiten, die Kunstszene von dort zu erkunden. Ein Blick auf die aktuellen Ausstellungen im Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres zeigt, wie vielseitig die Kunst aus Polen ist.

Es konnte nur eine Frage der Zeit sein, bis der internationale Kunsthandel die bisher wenig erschlossenen Märkte der ehemaligen Ostblockstaaten für sich entdecken würde. Dennoch führen bis jetzt nur wenige der bedeutenden Galerien insbesondere polnische Künstler in ihrem Programm. Doch nun ist eine Trendwende in Sicht: Nicht nur aus Anlass des Deutsch-Polnischen Jahres, sondern auch auf der weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, der Documenta in Kassel, soll ein besonderes Augenmerk auf die Kunst Osteuropas gerichtet werden. Dies verriet kürzlich der Leiter der nächsten Documenta XII (2007), Roger M. Buergel, in einem vielerorts beachteten Interview.  

Alte Hasen wie die Art-déco-Künstlerin Tamara de Lempicka, der „polnische Beuys“ Tadeusz Kantor oder die 75-jährige Bildhauerin Magdalena Abakanowicz haben längst Eingang in den Kanon der Kunstgeschichte und in die Sammlungen namhafter Institutionen gefunden. Doch wer sind die jungen, aufstrebenden Künstler des Landes? Und was macht ihre Kunst aus?

Schwerpunkt Rheinland

Bis vor kurzem war einer der bedeutendsten Newcomer der polnischen Kunst zu Gast in Köln: Der Aktionskünstler Cezary Bodzianowski (Jahrgang 1968) fungierte im Kölnischen Kunstverein „Die Brücke“ als Kuppler. Er inszenierte einen subtilen Flirt zwischen „Herrn Wohnblock“ (gemeint war ein Appartementhaus des Kölner Nachkriegs-Architekten Wilhelm Riphahn) und der „Villa“ (das Ausstellungsgebäude). Ging im Verbindungsgang des Wohnblocks das Licht an, schaltete sich kurz darauf auch das Licht in der gegenüberliegenden Galerie ein. So entstand eine magische Beziehung zwischen den beiden Gebäuden, zwischen öffentlichem und privatem Raum. Es schien, als würde ein geheimer Code ausgetauscht. 

Die Düsseldorfer Schau „Impulse“ im Polnischen Institut widmet sich den mannigfaltigen Erscheinungsweisen des Menschen in der Gesellschaft. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Warschauer Galerie Le Guern und dem Haus der Bildenden Künstler aus Bonn. Neben den fünf jungen Künstlerinnen Dorota Podlaska, Alicja Karska, Aleksandra Went, Marta Deskur und Aleksandra Polisiewicz (Jahrgänge 1962–78) ist mit Miroslaw Luma auch ein männlicher Künstler vertreten.

Renaissance der Malerei?

Die Gemälde Miroslaw Lumas wirken neben Videokunst und Installation als Klassiker. Allein das Medium Malerei sowie die Wahl des Sujets – Porträts in Dreiviertelansicht als traditionelle Brustbilder – tragen zu diesem Eindruck bei. Es scheinen Bilder unterschiedlicher Modelle zu sein, doch der 41-jährige malt nur ein Modell: sich selbst. In jedem dieser Bildnisse erfindet sich der Künstler immer wieder selbst von Neuem. Mit sensibler und zugleich energischer Pinselführung haucht er jedem einzelnen eine eigene Seele ein, belebt und bekleidet sie mit Farbe und dem Einfall des Lichtes. Mirsolaw Luma rückt „das Individuum ins Licht und hebt somit dessen Bedeutung hervor“, so die Kuratorin Halina Szalc. 

Nur wenige Schritte vom Polnischen Institut entfernt kann die Kunst Rafal Bujnowskis entdeckt werden – in der ersten monografisch angelegten Ausstellung in Deutschland. Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen zeigt in Zusammenarbeit mit Bunkier Sztuki (Kunsthalle Krakau) eine Auswahl seiner Arbeiten seit 1999. Auch der 30-jährige Künstler besinnt sich auf die Malerei. Nicht nur diese allein wird zum Thema seiner Arbeiten – wie etwa in seinen Trompe-l’oeil-Stillleben; ihm geht es auch um eng mit der Malerei verknüpfte Fragen wie Perspektive, Kunstwürdigkeit eines Motives und die Rezeption von Bildern.  

Besondere Brisanz beinhaltet sein politischer Coup: Für den Visumsantrag zur Einreise in die Vereinigten Staaten reichte Bujnowski die Reproduktion eines gemalten Selbstporträts ein. Diese wurde von den Pass- und Zollbeamten nicht als „Fälschung“ erkannt. Mit demselben Bild gelang ihm sogar die Anmeldung für Flugstunden: ein Video zeigt Bujnowski als Piloten hoch über New York. Der künstlerische Dialog zwischen Ost und West stößt europaweit auf immer mehr Interesse. Man darf gespannt sein, welche Newcomer noch den Weg zu uns finden werden. 

Ausstellungshinweise: 

Impulse – Zeitgenössische Kunst aus Polen: Noch bis zum 24. Juni 2005 im Polnischen Institut Düsseldorf 

Rafal Bujnowski: Noch bis zum 17. Juli 2005 im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen  

Weiterführende Informationen im Internet: 

http://www.pl-de.info 

http://www.kulturapolska.pl

http://www.polnisches-institut.de

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