Red Bull-Pionier Dietrich Mateschitz, schon bisher massiv im Sport- und Eventbereich tätig, will mit seinem Formel 1- Einstieg die Marke Red Bull noch stärker internationalisieren. Das ist sport- wie marketingmäßig ein riskantes Unterfangen.
Illusionen macht sich Dietrich Mateschitz nicht darüber, was er da vor wenigen Wochen für rund eine Million US-Dollar gekauft hat: eindeutig kein Formel 1-Team, das in absehbarer Zeit im Windschatten von Michael Schumacher auf das Podest fährt und eindeutig kein Team, das auch nur die Power hätte, im Mittelfeld des Benzin – und Gummizirkus mitzufahren: „Wir können im nächsten Jahr nicht Wunder wirken. Wir treten 2005 nicht an, um die WM zu gewinnen“.
Auch in der Saison 2005, da sind sich Formel 1- Experten sicher, wird Jaguar gemeinsam mit dem sympathischen Minardi-Team beinhart um den vorletzten Platz fighten. Denn die lahmen Boliden aus Großbritannien sind anderen Fahrzeugen auch motorisch unterlegen. Der Cosworth-Motor schnurrt erstens nicht immer, wenn er schnurren sollte und sorgte in der Vergangenheit oft genug dafür, dass die Jaguar-Piloten frühzeitig das Rennen verließen.
Spätestens zur Saison 2006 sollen die Motoren dann gerüchteweise von BMW oder einem anderen Premium-Provider des fein komponierten PS-Wahns kommen. Dann, so Mateschitz gegenüber europolitan, könnten die Schumacher-Festspiele auf den Formel 1- Strecken dieser Erde beendet sein: die WM 2005 zu gewinnen scheint aussichtslos, aber „wer weiß, vielleicht ist das in zwei bis drei Jahren schon anders“, so Mateschitz. Könnte durchaus sein, denn der Österreicher Dietrich Mateschitz ist bekannt für seine Langzeit-Strategien.
Vom Verkäufer zum Milliardär
Als der ehemalige Blendax-Verkaufsmanager Mitte der 80er-Jahre begann das thailändische Lastwagenfahrer-Getränk Krating Daeng mit Kohlensäure anzureichern, um es in Österreich und Deutschland als Red Bull unter die Leute zu bringen, investierte Mateschitz angeblich sein gesamtes Privatvermögen. Zum damaligen Zeitpunkt immerhin 700.000 Mark. Das Investment machte sich bezahlt. Heute ist Mateschitz Dollar-Milliardär und die 51-Prozent-Aktionäre, die thailändische Familie Yoovidhya, dürften mit ihren 49-Prozent-Eigner so zufrieden sein, dass sie ihm unternehmerisch völlig freie Hand gewähren.
Denn mit der Marketing- und Vertriebsmaschine Red Bull mit Sitz in Salzburg fand der 60jährige ein Rezept zum Gelddrucken. Satte 70 Prozent Reingewinn erwirtschaftet Red Bull an einer Dose und davon verkauft Mateschitz jährlich 1,8 Milliarden Stück. Die Expansion in Europa und Amerika ist weitgehend abgeschlossen, nur in Asien sind wichtige Märkte noch unerschlossen. Doch genau hier könnte die Übernahme des Jaguar-Rennstalls gute Dienste leisten. „Wir glauben, dass der Einstiegszeitpunkt in die Formel 1 generell, und bei Jaguar insbesondere, jetzt der richtige ist“, sagt Mateschitz.
Klar: um eine Million US-Dollar ein ganzes Team zu kaufen, kann durchaus als Schnäppchen durchgehen, die Folgekosten aber sind immerhin in der Lage, das mit 500 Millionen Euro großzügig alimentierte Marketingbudget von Red Bull zu belasten: rund 50 Millionen Euro jährlich muss Red Bull in das Team tanken, damit der Motor weiter läuft. Der Vorteil daran: die Marke Red Bull wird durch den massiven Ausbau des Formel 1- Zirkus – neue Rennstrecken im Mittleren Osten und Asien etwa – weiter internationalisiert. Der Nachteil: einige der bisherigen Marketing-Aktivitäten von Red Bull werden dem High-Tech-Spektakel wohl zum Opfer fallen müssen.
Milliardär ganz léger
Denn bislang sponserte der Hersteller des Energy-Drinks mit Gummibärgeschmack 300 Sportler aus Extrembereichen. Auch ausgefallene Events fielen bislang ideal unter die Marketing-Strategie des Wachmacher-Saftes. Millionen flossen bislang in Stunt-Awards in Hollywood, Gletscherüberquerungen mit Pistenraupen, DJ- und Musikveranstaltungen, spektakuläre Flugshows und Breakdance-Wettberwerbe. „Für Red Bull gibt es keinen Markt. Wir werden einen schaffen“, soll in den ersten Präsentationsbroschüren des zuckersüßen Saftes gestanden haben. Und Mateschitz schuf diesen Markt. Kein anderes Produkt im Bereich Energy-Drink ist derart erfolgreich wie Red Bull. Bis vor drei Jahren, erzählte Mateschitz kürzlich, will er keinen einzigen Cent Gewinn aus dem Unternehmen entnommen haben. Heute hat er mehr als genug davon. Der unkonventionelle Milliardär und erklärte Ehe-Gegner liebt es léger.
Mateschitz ist fast ausschließlich im sportlichen Outfit, mit Jeans und den Händen in den Hosentaschen anzutreffen und versprüht seinen österreichischen Charme, wo immer er Gelegenheit dazu hat. Aber auch in geschäftlichen Belangen ist Mateschitz oftmals unkonventionell. So schätzt der Red Bull-Chef Handschlagqualität und verzichtet gegenüber ausgewählten Geschäftspartnern kurzerhand auf schriftliche Verträge. Nicht so bei David Coulthard. Der erfahrene Pilot ist für die Formel 1 Saison 2005 Mateschitz Fahrer erste Wahl. Ob der Energy-Drink Red Bull dem Schotten Coulthard auf den Rennstrecken dieser Erde tatsächlich Flügel verleihen wird, ist eher unwahrscheinlich.