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StartseiteKulturBuch & FilmPål H. Christiansen gibt sich skurril: 'Die Ordnung der Worte’

09.08.2007Pål H. Christiansen gibt sich skurril: 'Die Ordnung der Worte’

Aus dem Leben eines Taugenichts

Der geniale Schriftsteller Hobo Highbrow steht kurz vor dem Durchbruch. Doch sein Leben ist schwer: Die Freundin betrügt ihn, ständig verschwinden Dinge aus seiner Wohnung, und sein poetisches Können hat noch niemand entdeckt...

Hobo Highbrow ist ein Genie! Jedenfalls glaubt er das. Für seinen nächsten Roman ist ihm der Nobelpreis sicher. Nur schade, dass ihn die Muse noch nicht so recht geküsst hat. Und dass sein Verlag die unverkäuflichen Restexemplare seines Erstlings „Der Brief“ einstampfen will, wirkt auch nicht gerade motivierend. Doch Highbrow lässt den Mut nicht sinken. Zumindest einen Fan weiß er immer an seiner Seite: sich selbst.

Was der norwegische Autor Pål H. Christiansen da auf höchst unterhaltsame und kurzweilige Weise erzählt, ist so etwas wie die moderne Version von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Genau wie der Held des großen Romantikers durchlebt auch Highbrow eine abenteuerliche Situation nach der anderen, ohne selbst so recht zu wissen wie ihm geschieht. Doch auch Irrwege und rätselhafte Stolpersteine bringen ihn nicht vom Weg ab.

Die fabelhafte Welt des Hobo Highbrow 

Ein Taugenichts ist Hobo Highbrow tatsächlich – auch wenn er das selbst nie zugeben würde. Wie schon sein Name Hobo vermuten lässt, ist er zwar kein Landstreicher, aber doch ein Herumtreiber. Sein Job als Korrekturleser beim norwegischen Boulevardblatt VG ist wohl einer der angenehmsten, den sich ein leidenschaftlicher Sprachkünstler vorstellen kann. Und statt jede Minute seiner Freizeit dem großen Romanprojekt zu widmen, treibt sich Hobo lieber mit seinen Kumpels und seiner Freundin Helle in ihrer Stammkneipe „Vier Hühner“ herum.  

Doch leider hat dieses unbeschwerte Dasein bald ein Ende. Hobo verliert seinen Job und muss sich nun als Lebensmittellieferant beim befreundeten Ladenbesitzer verdingen. Seine Freundin betrügt ihn und versucht auch noch, ihn fälschlicherweise als den Vater ihres ungeborenen Kindes auszugeben. Doch was das schlimmste ist: auf unerklärliche Weise verschwinden Dinge aus seiner Wohnung (seine Schreibjacke, Stifte und Kleidung, der Schreibtisch und schließlich sogar sein Manuskript), so dass er sich seinem Roman nur noch unter größten Entbehrungen widmen kann.  

Hobo Highbrow lebt in einer bizarren Welt, von der weder er noch der Leser weiß, ob sie Schein oder Wirklichkeit ist, ob sie greifbar wird oder sich dem Blick entzieht. Der Mann, der seinen Helden durch diese undurchschaubare Szenerie schickt, heißt Pål H. Christiansen und wurde 1958 in Oslo geboren. In Norwegen hat er bereits fünf Romane veröffentlicht und wurde 2001 für „Humle & Honning“ mit dem Tiden-Preis ausgezeichnet. „Die Ordnung der Worte“ ist das erste Buch, das nun auch in Deutschland erscheint. Zum Glück hat der Rockbuch-Verlag diesen Autor entdeckt, denn sein Schreibstil ist äußerst angenehm, mit augenzwinkernder (Selbst-)Ironie und dem stilsicheren Blick für die wirklich wichtigen Nebensächlichkeiten des Lebens.

Ende gut, alles gut? 

Obwohl Hobo Highbrow ein selbstverliebter Nichtsnutz ist, muss man ihn doch irgendwie lieb gewinnen. Nicht nur wegen seiner irrwitzigen Ansichten und Einfälle. Der arme Mann leidet auch noch an einer arg verzerrten Wahrnehmung: was vorläufig unerreichbar ist - der literarische Ruhm - wird ihm zum Lebensmittelpunkt, dabei schreckt er vor der eigentlichen Durchsetzung zurück. Was ihm jedoch im wirklichen Leben direkt vor der Nase sitzt - eine wunderbare Frau - rückt er in unerreichbare Ferne. 

Greif doch zu! Das ist das wahre Leben! möchte man dem irrenden Helden gerne zurufen. Doch er hört ja nicht und taumelt weiter, ohne etwas von der Realität mitzubekommen. Er ist fiktiv im wahrsten Sinne des Wortes. Grüne Flecken tauchen auf seinem Körper auf und plötzlich prangt ein Verlobungsring an seinem Finger.... manche Sachen entgehen seiner Wahrnehmung, dafür sieht er Dinge, die womöglich gar nicht da sind. Der Gitarrist von a-ha zum Beispiel, Pål Waaktaar, taucht mit seinem Sohn immer wieder in Hobos Welt auf.  

Waaktaar, Hobos großes Idol, verwirklicht das, was auch Highbrows Ziel sein sollte: eine erfolgreiche Karriere und eine glückliche Familie. Doch ändert diese Begegnung leider nichts daran, dass Hobo weiterhin in den Tag hinein träumt. Aber wissen wir nicht von Eichendorffs Taugenichts, dass man mit dieser Lebensweise am Ende die Prinzessin abbekommt und glücklich ist bis ans Lebensende? Wer herausfinden möchte, ob die Herbststürme Hobo Highbrows Verwirrung vertreiben können, muss ihn schon selbst kennen lernen – es lohnt sich. 

Pål H. Christiansen: Die Ordnung der Worte; Rockbuch Verlag

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