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Den Horror als Kuriosität begehen Konferenz der Holocaust-Leugner im Iran: Spiel mit dem Feuer - EUROPOLITAN


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12.12.2006Konferenz der Holocaust-Leugner im Iran: Spiel mit dem Feuer

Den Horror als Kuriosität begehen

Offiziell dient die umstrittene Holocaust-Konferenz in Teheran der Wahrheitsfindung. In Wahrheit aber handelt es sich um politische Propaganda gegen Israel, die zwar ins Lächerliche abdriftet, aber doch auch bedrohlich wirkt.

'Review of the Holocaust: Global Vision' – so der Titel der am gestrigen Montag in Teheran eröffneten Konferenz, die nach iranischen Angaben das wirkliche Ausmaß der Judenermordung während des Nationalsozialismus erkunden soll. Dieser Titel bezichtigt die westliche Geschichtsforschung und -aufarbeitung nicht unbedingt der Lüge, aber doch der Einseitigkeit.

Und tatsächlich gibt die iranische Regierung vor, mit dieser Tagung eine Plattform für einen offenen und freien Austausch zu einem historischen Ereignis zu schaffen - und zwar fernab jeglicher Tabus. Immerhin werden Holocaust-Leugner in Europa gesetzlich verfolgt. Nun bot Teheran ihnen die Möglichkeit, endlich einmal ihre Meinung laut sagen zu können und rühmt sich der „Freiheit in der islamischen Republik“.

Erst wenige Tage zuvor hatten die iranischen Behörden den Zugang zu regimekritischen Internetseiten, zu Film- und Buch-Angeboten und zur freien Enzyklopädie Wikipedia gesperrt. Soviel zum Thema „Freiheit in der islamischen Republik“ - und zur Glaubwürdigkeit dieser Konferenz?

'Wanderzirkus der Holocaust-Leugner'

Als eine wissenschaftliche Tagung hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Veranstaltung angekündigt: bei den rund 60 Teilnehmern aus 30 Staaten sollte es sich um seriöse Wissenschaftler handeln, keinesfalls um Neonazis. Ein Blick auf die Gästeliste verrät anderes: einen „Wanderzirkus von Holocaust-Leugnern“ nennt das die ‚Deutsche Welle’.

Nicht nur international bekannte Holocaust-Leugner wie der frühere französische Literaturprofessor Robert Faurisson, der wegen Leugnung des Massenmordes am jüdischen Volk während der NS-Zeit mehrfach verurteilt worden war, nahmen teil. Aus den USA kam ein Mitglied des Ku-Klux-Klan. Und aus Europa waren eben doch vor allem Neo- und Altnazis angereist.

Zu den deutschen Teilnehmern zählten Benedikt Frings, Kölner Mitglied der rechtsextremen NPD sowie der in Dänemark lebende Christian Lindner. Dem früheren NPD-Vorsitzenden Günther Deckert war vergangene Woche sein Reisepass abgenommen worden, so dass er nicht zur Konferenz reisen konnte.

Der deutschstämmige Australier Frederick Töben brachte ein Modell des Konzentrationslagers Treblinka mit in den Sitzungssaal im Gebäude des ‚Instituts für Politische und Internationale Studien’ (IPIS) in Teheran. Daran könne er „problemlos beweisen“, so Töben, dass „in diesem und anderen Lagern Gaskammern überhaupt nicht existieren konnten“.

Israel oder die ewige Diaspora

Aber weil es laut dem iranischen Außenminister Mottaki dann doch nicht darum ging, den Holocaust zu leugnen oder ihn zu bestätigen, wurden wohl auch solche Gäste zugelassen, die den Völkermord an sechs Millionen Juden nicht so ernsthaft in Frage stellen: "Sechs, vier oder drei Millionen. Gaskammern oder keine Gaskammern das ist doch nicht so wichtig." So jedenfalls denkt der Rabbi Moshe Weiss aus den USA. Er zählt zu einer Handvoll ultra-orthodoxer Teilnehmer der Konferenz, die sich zwar an der Holocaust-Leugnung nicht beteiligen, aber doch das Existenzrecht des Staates Israel bestreiten.

Ihrer Meinung nach ist die Gründung des Staates Israel weder historisch noch religiös zu rechtfertigen, sondern ein Zeugnis des Hochmuts gegen Gott. Schließlich habe Gott die Juden auf ewig zum Leben in der Diaspora bestimmt. Moshe Friedman, der Oberrabbiner der Orthodoxen Jüdischen Kultusgemeinde Wien kündigte deshalb den baldigen Untergang des israelischen Staates an.

Hauptsache gegen Israel

Und genau das passt dem iranischen Präsidenten ins Programm, vielleicht nicht ins „wissenschaftliche“, aber ins politische. Holocaust hin oder her - denn selbst wenn er stattgefunden hätte, so sei das noch lange kein Grund, dass die arabischen Staaten die Verbrechen der Nazis ausbaden müssten, erklärte Außenminister Mottaki in seiner Eröffnungsrede. Wie war das also nochmal?

Die Holocaust-Konferenz sollte die Judenermordung rein wissenschaftlich untersuchen und deren wahre Ausmaße aufdecken; um eine Holocaust-Leugnung oder -Bestätigung ging es aber dann doch nicht, sondern eigentlich nur um ein bisschen freien Meinungsaustausch in ungezwungener Runde. Denn schließlich tut die Holocaust-Frage ja eh nichts zur Sache, da ein israelischer Staat auf arabischem Boden so oder so nichts verloren habe.

Klar wird dabei nur ein Ziel der Konferenz: die iranische Regierung will anti-israelische Ressentiments schüren und verschärfen, und sich damit auch eine Vorreiterrolle unter den arabischen Staaten schaffen. Wie der Islamexperte Udo Steinbach der Zeitung „Zeit“ sagte, habe die Holocaust-Konferenz dem iranischen Präsidenten in der iranischen und arabischen Öffentlichkeit ein „gewaltiges Echo“ verschafft und ihn damit aufgewertet.

Auch innenpolitisch erhofft sich Ahmadinedschad wohl eine Stärkung von dieser im Westen so scharf verurteilte Tagung. Mit dem Aufrollen eines der Hauptthemen der islamischen Revolution beschwichtigt er seine Gegner aus den Reihen der Geistlichkeit. Außerdem schafft er sich durch das Feindbild Israel eine äußere militärische Bedrohung und legitimiert damit seine Politik. Seine Atompolitik zum Beispiel. Der gestrige „nukleare Versprecher“ des israelischen Präsidenten Olmert dürfte das so gut untermauern, als wäre es abgesprochen gewesen.

Kluft zwischen Westen und Islam

Und damit verhärten sie sich wieder ein Stück mehr, die Fronten zwischen Israel und Palästina, vor allem aber auch zwischen der westlichen und der arabisch-islamischen Welt. Wenn Holocaust-Leugnung zur Rechtfertigung von Atompolitik missbraucht wird, scheint die Kluft tiefer denn je. Gleichzeitig werden die Fronten aber auch unterwandert: hier bietet der Iran Nährboden für antisemitisches Gedankengut und schafft somit eine Verbindung zu Neonazis, Altnazis und Antisemiten aus der ganzen Welt. Auf diese Weise entstehen neue Netzwerke zwischen dem Westen und der islamischen Welt.

Auf der anderen Seite findet Irans Präsident Ahmadinedschad unter Landsleuten nicht nur Befürworter. In Regierungskreisen wird seine Holocaust-Konferenz durchaus kritisch gesehen. Vor allem aber kam es am Tag der Eröffnung zu einer bislang beispiellosen Protestaktion gegen Ahmadinedschad. Der Präsident hatte es vorgezogen, statt auf der Eröffnung der Holocaust-Konferenz vor einer Gruppe Studenten an der Teheraner Universität eine Rede zu halten.

Während des Vortrags zündeten um die 60 Studenten Feuerwerkskörper, steckten ein Bild des Präsidenten in Brand und riefen „Tod dem Diktator“. Ahmadinedschad beeindruckte das scheinbar wenig. Für die westliche Wertegemeinschaft ist dieser Vorfall jedoch von großer Bedeutung, da dort aus iranischen Reihen ein Stück jener Freiheit eingefordert wurde, die die iranische Regierung bei der Holocaust-Konferenz nur vorheuchelte.

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