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17.10.2005Zukunft der Solarenergie-Branche

Wunderkind in Not?

Zuerst schien alles fast zu schön, um wahr zu sein. Auf eine Erfolgsstory wie diese hatte die Börse seit langem gewartet. Doch auf den Solarhype folgt nun bereits die Ernüchterung; allmählich beginnen die Kurse wieder zu bröckeln.

Bis vor kurzem herrschte Kaiserwetter an der deutschen Börse. Verantwortlich dafür war der Solarsektor. Mit einem zarten Lichtstreif kündigte sich die Sonne am Ende des Tunnels an. Kürzlich ging mit der Q-Cell AG der dritte deutsche Solarzellenhersteller an die Börse. Das Fürther Unternehmen Sunline, spezialisiert auf den Vertrieb von Solaranlagen, kündigte seinen Börsengang zum 20. Oktober 2005 an. Ihm will noch in diesem Jahr Solarwatt aus Dresden folgen.  

Die Analysten sind – trotz anfänglicher Euphorie – vorsichtiger geworden. Laut Q-Cell war die Erstemission mindestens 40-fach überzeichnet. Sunline erwartet eine 37-fache Überzeichnung. Die Papiere von Solarworld hingegen sind inzwischen zirka 20 Prozent von ihrer Hausse entfernt. Dass sich der kühne Umgang sowohl mit der Sonne (Phaethon! Ikarus!) als auch der mit der Börse (Neuer Markt!) schnell zu einem brandgefährlichen Flop entwickeln kann – diese Lektion wurde bereits gelernt. Wie schätzen Experten die Stärken und Schwächen des Marktes ein?

Spitzenreiter Deutschland

Nach Angaben des Trägers des Alternativen Nobelpreises und SPD-Bundestagsabgeordneten, Hermann Scheer, ist Deutschland im Bereich der Solarenergie technologischer Weltmarktführer: „Wir sind derzeit der profilierteste Standort für die Produktion von Solaranlagen für den weltweiten Bedarf“, so Scheer in einem Interview. Auch die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e. V. (UVS) sieht Deutschland an der Spitze.  

Laut UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig hat die Bundesrepublik im Jahr 2004 bei den neu installierten Anlagen Japan vom ersten Platz verdrängt. Deutschland ist auch Schauplatz der jährlich im sonnenverwöhnten Freiburg stattfindenden Messe „Intersolar“. Die Fachmesse bietet das europaweit größte Forum für Solarenergie und lockte zuletzt mehr als 360 Aussteller aus 22 Ländern an. Solarenergie ist aber auch beim Publikum ein Renner: Mit mehr als 19.000 Besucher konnten die Organisatoren in diesem Jahr einen neuen Besucherrekord verzeichnen. 

Die Rahmenbedingungen für Solarwirtschaft sind in Deutschland besonders günstig. Grund hierfür ist vor allem das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Anfang 2004 in Kraft getreten ist. Das EEG schreibt die Subventionierung von neu errichteten Foltovoltaikanlagen vor, wodurch die Attraktivität von Fotovoltaikanlagen für private Endverbraucher, gewerbliche Nutzer und Großinvestoren deutlich angestiegen ist, Stichwort 100.000-Dächer-Effekt. Wie sieht es in den europäischen Nachbarländern aus?

Von der Sonne verwöhnt 

Großes Wachstumspotenzial verspricht man sich von den mediterranen Staaten. Hier herrschen naturgegebenermaßen ideale klimatische Verhältnisse für die Gewinnung von Solarenergie. Doch viele Sonnenstunden allein reichen nicht aus. Kristina Steenbock, Geschäftsführerin der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) sieht in Spanien, Frankreich und Italien die wichtigsten Märkte innerhalb Europas. In allen drei Ländern wird gegenwärtig daran gearbeitet, geeignete Rahmenbedingungen für ein dynamisches Marktwachstum zu schaffen. Wichtige Faktoren sind neue Förderprogramme, Qualifizierungsoffensiven für das Handwerk sowie breit angelegte Marketingkampagnen.  

In Frankreich hebt sich besonders das Elsass als Musterschüler in Sachen Solarwirtschaft hervor. Im italienischen Empoli und im spanischen Sevilla werden derzeit innovative Solar-Kraftwerke errichtet. Es handelt sich um einen neuen Bautyp: Turmkraftwerke. Von ihnen verspricht man sich eine besonders effektive Stromgewinnung: In Sonnentürmen lassen sich die Sonnenstrahlen effizienter einfangen als in herkömmlichen Systemen, die das Licht in einem Parabolspiegel bündeln. Der Solarthermik-Gigant bei Sevilla soll ab Juni 2006 10.000 Familien mit 10 Megawatt Strom beliefern. 

An der Entwicklung der Turmkraftwerke waren Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus Köln beteiligt. Für deutsche Solarunternehmer wird die internationale Ausrichtung, speziell der Export, immer wichtiger. Körnig schätzt, dass es in den Mittelmeerländern schon in fünf bis sieben Jahren möglich sein wird, Fotovoltaikanlagen ohne Subventionen rentabel zu betreiben. „Dann springen die Exportmärkte an“, hofft der UVS-Geschäftsführer.

Chancen und Risiken 

Noch ist das zarte Pflänzchen Solarwirtschaft auf Subventionen angewiesen. Darauf reagieren zur Zeit die Investoren sensibel. Da man davon ausgeht, dass die günstigen Förderbedingungen ab 2008 in einer Neufassung des EEG abgeschwächt werden, schwächeln aktuell die Kurse. Ein weiterer Grund der Anleger-Skepsis ist der Silizium-Engpass. Die Preise für den Solarzellen-Grundstoff sind rasant in die Höhe gestiegen.  

Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist die Solarenergie eine vergleichsweise teure Technologie. Jedoch führen die steigenden Preise für herkömmliche fossile Energien wie Öl und Gas dazu, dass sich die Kosten für erneuerbare Energien und konventionelle Energien annähern. Auch zeitigt die gezielte Förderung positive Effekte: Durch den Solar-Boom weist diese Technologie den so genannten Kostendegressionseffekt auf, und die Marktreife rückt näher.

Arbeitspolitisch erweist sich die Solarbranche als ein starkes Zugpferd: Über 30.000 Beschäftigte sind im Bereich Solarenergie allein in Deutschland tätig. 2004 kamen mehr als 5000 neue Arbeitsplätze hinzu. Nicht unwesentlich ist natürlich auch der Aspekt Umweltschutz. Hoffnung für die Generation Sun-Boomer?

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