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15.07.2008DRAMATISCHE RETTUNGSAKTION

US-Regierung wirft mit 300 Milliarden nach Fannie Mae und Freddie Mac

Die US-Regierung stützt die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac mit annähernd 300 Milliarden Dollar. Es ist das zweite Mal in nur vier Monaten, dass die US-Regierung eine Rettungsaktion startet, um den Zusammenbruch des Finanzmarktes in letzter Sekunde zu verhindern. Auch die US-Notenbank Federal Reserve kündigte unterdessen milliardenschwere Hilfe für Fannie Mae und Freddie Mac an. Experten werten die Maßnahmen als politisch peinlich aber wirtschaftlich notwendig.

Ziel der Hilfen sei, das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems und der Finanzmärkte inmitten der Kreditkrise zu stärken, erklärte US-Finanzminister Henry Paulson am gestrigen Montag. „Fannie Mae und Freddie Mac spielen eine zentrale Rolle in unserem Immobiliensystem und müssen in der Lage sein, dies auch weiter als börsennotierte Unternehmen zu tun", begründete Paulson die staatliche Hilfsaktion. Das Finanzministerium möchte die Kreditlinie der beiden Hypothekenbanken von derzeit fünf Milliarden auf 300 Milliarden Dollar anheben. Allerdings muss diesem Schritt noch der US-Kongress zustimmen, was jedoch als sicher gilt.

Fannie Mae und Freddie Mac sind die mit Abstand größten Hypothekenfinanzierer der USA. Die beiden staatsnahen, aber privaten Unternehmen sind für die Vergabe von fünf Billionen Dollar an Immobilienkrediten verantwortlich und damit an fast der Hälfte aller Hypotheken beteiligt. Der frühere Chef der Fed, Wiliam Poole, hatte Freddie Mac und Fannie Mae am vergangenen Donnerstag in St. Louis als „faktisch zahlungsunfähig" bezeichnet, woraufhin die Aktien der beiden Banken dramatisch abgestürzt waren.

Analysten zufolge ist die milliardenschwere Hilfe möglicherweise der erste Schritt zur (Wieder)-Verstaatlichung der beiden Hypothekenbanken. Die 1938 als Federal National Mortgage Association (FNMA) gegründete, und dreißig Jahre später privatisierte Fannie Mae und die 1968 als Konkurrenz etablierte Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corporation) nehmen bislang zwar staatliche Aufgaben wahr, sind aber derzeit noch börsennotiert und in Privatbesitz.

Neben der US-Regierung kündigte auch die US-Notenbank Federal Reserve Hilfe für Freddie Mac und Fannie Mae an. Bis zur endgültigen Zustimmung der Kongressabgeordneten sollen sich die beiden Unternehmen aus dem Notfall-Topf der Notenbank bedienen können. Die Fed erklärte, sie wolle mit ihrem Diskontkredit-Angebot die Hilfszusagen der Regierung unterstützen und Fannie Mae und Freddie Mac in die Lage versetzen, ihr Hypothekengeschäft in einer Zeit angespannter Finanzmärkte fortzuführen. Bereits im März war die Fed ähnlich vorgegangen, um die New Yorker Investmentbank Bear Stearns vor dem Bankrott zu bewahren.

Sprecher von Fannie Mae und Freddie Mac begrüßten die Hilfsangebote. „Auch weiterhin verfügen wir über mehr als ausreichende Kapitalreserven und haben nach wie vor Zugang zur Liquidität der Kapitalmärkte. Angesichts der turbulenten Marktsituation wird die Verfügbarkeit vorübergehender Liquiditätsquellen im Bedarfsfall helfen, das Vertrauen in den Markt insgesamt zu stärken", hieß es in einer offiziellen Mitteilung des Präsidenten von Fannie Mae, Daniel H. Mudd.

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Das Eingreifen des Staates in den freien Markt ist in den USA eigentlich verpönt, erscheint aber angesichts der möglichen globalen Auswirkungen eines Kollapses der beiden Banken wirtschaftlich vernünftig, glauben die meisten Finanzexperten. Nach dem Rückzug vieler Banken im Zuge der Subprimekrise hängt der gesamte US-Hypothekenmarkt praktisch nur noch von Fannie Mae und Freddie Mac ab. Ausländische Zentralebanken halten Schuldverschreibungen der beiden Hypothekenfinanzierer im Volumen von fast einer Billion Dollar. Auch die Europäische Zentralbank hat solche Papiere in als Sicherheit im Rahmen ihrer Refinanzierungsgeschäfte mit Banken akzeptiert. Ebenso besitzen weltweit Pensionsfonds und Großkonzerne Anleihen der schwer angeschlagenen Hypothekenbanken. (vd)

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