Im heftig umstrittenen Sanierungsfall der italienischen Fluggesellschaft Alitalia bahnt sich am heutigen Donnerstag der entscheidende Showdown an. Seit 11 Uhr sitzen in Rom unter der Ägide von Ministerpräsident Silvio Berlusconi die neun Alitalia-Gewerkschaften sowie die an einer Übernahme der Airline interessierte Unternehmer-Riege aus Norditalien zum entscheidenden Gipfeltreffen beieinander. Es steht kurz vor knapp – doch die Vorzeichen stehen auf Einigung.
Nachdem in den vergangene Tagen der ehemalige kommunistische Gewerkschaftsverband CGIL und die relevanten Pilotenvereinigungen erstmals Kompromissbereitschaft signalisiert hatten, waren auch aus Paris ermutigende Töne zu hören gewesen. Der französische Branchenprimus hatte sich am gestrigen Mittwoch Medienberichten zufolge bereit erklärt, einen Anteil zwischen 10 und 20 Prozent an der neu zu gründenden Compagnia Aerea Italiana (CAI) zu übernehmen.
Parallel zum heutigen Gipfeltreffen läuft jedoch unverdrossen auch die Sanduhr weiter. Bis zum anstehenden 30. September habe er noch Liquidität verfügbar, kündigte der von der Regierung eingesetzte außerordentliche Verwalter Augusto Fantozzi in einer Stellungnahme an. Zu erwarten ist daher, dass die Luftfahrtbehörde Enac kurz davor steht, Alitalia die Fluglizenz zu entziehen. Für diesen den Fall plant der krisenumwitterte Carrier, die eigenen Flugzeuge aus der ganzen Welt unter einem Vorwand nach Italien zurückzufliegen, um sie nicht in die Hände ausländischer Gläubiger fallen zu lassen.
Im Zentrum des Machtpokers steht vor allem das Ausmaß der Gehaltseinbussen und Stellenstreichungen beim gesellschaftlichen Übergang von Alitalia zu CAI sowie die Frage, ob das künftige Drehkreuz (‚Hub') im für den Tourismus relevanten Rom, oder doch eher im wirtschaftlich dominanten Mailand beheimatet sein wird. Für den ersten Fall bahnt sich eine internationale Partnerschaft mit Air Francean, während sich für den zweiten Fall eine strategische Partnerschaft mit der deutschen Vorzeige-Airline Lufthansa anböte.
Obwohl Lufthansa in der Vergangenheit ein konkretes Interesse an einem Alitalia-Einstieg mehrfach dementiert hat, könnte sich die Lage ändern, wenn, wie erhofft, die Sanierungsarbeiten nun voranschreiten können und die rund 8.000 überschüssigen Beschäftigten bei Alitalia eine Abfindung erhalten. Fällt dann noch die Flughafen-Entscheidung zugunsten von Mailand, so sind die Vorzeichen für ein Interesse seitens der Lufthansa in jedem Fall gegeben.