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17.10.2009HYPE ODER TREND?

eBook Reader auf der Frankfurter Buchmesse: Der Markt kommt in Fahrt

eBook Reader sind das Thema der Frankfurter Buchmesse. Ihr Markt boomt, sie sind cool und die mittlerweile wieder leicht wachsende Buch- und Verlagsbranche kann beides gebrauchen – wenn sie vorher alte Zöpfe abschneidet.

Wenn sich beim Berliner Start-Up txtr ein kleiner Menschenauflauf vor einer 6 m² großen Box drängt, in der ein Game-Boy-ähnliches Elektroding vorgestellt wird, das so brandneu ist, dass es noch viertelstündlich abstürzt, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Der Hype um die neuen Lesegeräte für eBooks, eBook Reader oder eReader genannt, hat die Frankfurter Buchmesse fest im Griff. Seit gut eineinhalb Jahren schießen derlei Geräte wie Pilze aus dem Boden, und wenn sich auch Amazon-Chef Jeff Bezos dem Thema annimmt, will man sich selbst hierzulande nicht zugeknöpft geben.

Dabei hat die Branche ihre Hausaufgaben erst noch zu machen: Widerspenstige Verlage, ein in Zeiten der Digitalisierung heillos veraltetes Urheberrecht und bislang sehr unscharfe Vorstellungen von der angepeilten Zielgruppe wirken wie ein Klotz am Bein des Wachstumsmarkts eBook Reader.

eBook Reader als Arbeitsgeräte...

Bei der holländischen Firma iRex steht man dem freilich gelassen gegenüber: Der kürzlich vorgestellte eBook Reader iRex Digital Reader 800SG, ausgestattet mit einem 8-Zoll großen, papierähnlichen Touchscreen stellt nicht nur Texte im gewöhnlichen Buchformat dar, sondern eignet sich auch zum Lesen von ePapers - die er sich schnell per UMTS aus dem Netz holt. Der eBook Reader müsse seinem Benutzer einen professionellen Umgang mit Texten ermöglichen, so das Credo bei iRex. Um dies zu erreichen, haben die Holländer dem Digital Reader 800SG alles verpasst, was man in einem eBook Reader derzeit finden kann: Von umfangreichen Suchfunktionen bis hin zu handschriftlichen Notizen reicht das Repertoire des eReaders.

...oder zum Entspannen zwischendurch?

Radikal anders sieht man die Bedürfnisse der Benutzer derzeit bei txtr. Lesen ist notwendig, manchmal nützlich, aber nur mit einem txtr eBook Reader ist es auch cool - zumindest, wenn man den Abgesandten der Berliner Firma auf der Buchmesse glaubt. Die sieht sich mit dem gerade erst erschienenen eBook Reader vorn dabei und fokussiert im Unterschied zur holländischen Konkurrenz von iRex ganz das Lesen. Wesentlich mehr, so die Messe-Vertreter, müsse ein eBook Reader auch nicht können. Dafür setzt man bei txtr auf ein hochwertiges Display, gute Bedienbarkeit und natürlich jede Menge Coolness.

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Klotz am Bein: Das Angebot an eBooks

Während man bei den Technikern also noch über die potentielle Zielgruppe orakelt, macht man bei den Online-Buchhändlern bittere Erfahrungen. Bei Libreka.de bricht am zweiten Messetag der Server zusammen, weil zu viele User Interesse am kostenlosen Download des Roman „Atemschaukel" der nobelpreisgekrönten Herta Müller haben. Hier konnte man sich noch durch ein Verlängerung des einmaligen Download-Angebots helfen, bei anderen Themen werden die Sorgenfalten aber schon tiefer: Noch ist keine Lösung in Sicht, wie man den unattraktiven Preisen für eBooks (80 - 90% vom Printpreis) und dem für Käufer eigentlich untragbaren, fast jede Weitergabe von digitalen Buches verhindernden Kopierschutz begegnen will. Das ist um so ärgerlicher, da die Infrastrukturen zum Vertrieb von eBooks schon längst bestehen und auch ausreichend digitale Bücher zur Verfügung stehen. Zumindest in diesem Punkt hat die Branche die Zeichen der Zeit erkannt: Nahezu alle größeren Verlage arbeiten mit Hochdruck an der Digitalisierung ihres Sortiments.

Vom Hype zum Trend

Trotzdem sind die hohen Erwartungen an den Wachstumsmarkt gerechtfertigt. Spätestens seit dem Erfolg des Amazon Kindle in den USA, der gleichzeitig auch das meistverkaufte Elektronikprodukt im hauseigenen Onlineshop war, dürfte der Beweis für die Markttauglichkeit der eBook Reader erbracht sein. Beim französischen Hersteller  Bookeen rechnet man mit einem gegenüber dem Vorjahr verfünffachten Absatz, und als wir am Messestand des Berliner Unternehmens nach der Auftragslage für den neuen txtr eBook Reader fragen, ernten wir nur ein müdes Lächeln: Man könne sich vor Bestellungen kaum retten.

Stefan Müller, Frankfurt

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