Nachdem nun feststeht, dass die italienische Justiz die örtliche Swisscom-Tochter Fastweb nicht unter Zwangsverwaltung stellen wird, hat Verwaltungsratschef Carsten Schloter angekündigt, im Stiefelstaat wieder in die Offensive gehen zu wollen.
Das Ärgste dürfte überstanden sein: Italiens zweitgrößter Internetanbieter Fastweb, eine Tochtergesellschaft des Telekom-Riesen Swisscom, will weiter auf Kosten von Telecom Italia Marktanteile hinzugewinnen.
Letzte Woche hatte die italienische Staatsanwaltschaft vor Gericht ausgeschlossen, einen Antrag auf Zwangsverwaltung stellen zu wollen, wodurch das Unternehmen nach den Turbulenzen der vergangenen Monate wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät. Ende Februar kam heraus, dass sowohl Fastweb, als auch Telecom-Italia-Tochter Sparkle zwischen 2003 und 2007 vermutlich in einem Geldwäsche- und Steuerhinterziehungsskandal verwickelt waren.
Anfang April übernahm Swisscom-Chef Carsten Schloter (46) persönlich und auf kommissarischer Basis die Fastweb-Führung, um das Unternehmen wieder aus der Schräglage herauszumanövrieren. Der bisherige Topmann des Unternehmens, Stefano Parisi, widmet sich indessen vorläufig anderen Aufgaben im Konzern. Am heutigen Dienstag verkündete der deutsche Topmanager nun im Gespräch mit der italienischen Wirtschaftszeitung 'Il Sole 24 Ore', in welche Richtung die Reise unter seiner direkten Führung gehen soll.
In erster Linie lag Schroter einiges daran, festzustellen, dass die heißeste Phase des Skandals nun überwunden sei: "Das Wichtigste ist, dass wir das Schreckensszenario einer Zwangsverwaltung bannen konnten. Ich bin Stefano Parisi dankbar dafür, dass er das Problem gelöst hat, indem er sich zeitweilig selbst seines Amtes enthob."
Jetzt gelte es, den Blick wieder nach vorne zu richten: "Wir können jetzt alle unsere Kräfte auf den Wettbewerb mit unserem größten Konkurrenten, Telecom Italia, konzentrieren. Wenn die Telecom dachte, dass wir aus dieser Sache geschwächt hervorgehen würden, hat sie sich geirrt."
Gerade die nach wie vor dominante Stellung des ehemaligen Staatsmonopolisten biete für Fastweb große Chancen, hob Carsten Schloter hervor: "Fastweb ist in diesem Markt mit großem Wachstumspotenzial sehr gut positioniert, weil Telecom Italia immer noch einen sehr hohen Marktanteil hat. Im Firmenkundengeschäft beispielsweise, auf das ich mich im Augenblick konzentriere, ist unser Anteil an der Neukundengewinnung erheblich größer als unser Marktanteil, wodurch sich unsere Präsenz ständig ausweitet."
Dieses schnellere Wachstum liege vor allem in der eigenen Technologieführerschaft begründet: "Fastweb kann auf ein extrem zuverlässiges Netz neuer Generation zählen und eine Servicequalität ausweisen, wie es sie im Markt kein zweites Mal gibt. " Auch biete Italien generell gute Grundvoraussetzungen: "Ich halte Italien für ein interessantes Land, um dort zu investieren. Die Pro-Kopf-Investitionen in Telekommunikation sind sehr niedrig, weswegen es noch viel Luft nach oben gibt."
Diese Einschätzung scheint offenbar auch die Londoner 'Financial Times' zu teilen. In seiner heutigen Kolumne 'European View' sieht Paul Betts auf Telecom Italia Tage härteren Wettbewerbs zukommen: "Es ist wahrscheinlich, dass Fastweb jetzt die eigenen Anstrengungen verdoppeln wird, um Kunden in die eigenen Netzwerke herüberzulocken. Das Unternehmen will in Italiens größten Städten neue Kapazitäten installieren, um Telecom Italia die wohlhabendsten Kunden abspenstig zu machen."
Die Swisscom-Tochter Fastweb könne in den Augen des FT-Kolumnisten als große Gewinnerin aus dem Justiz-Skandal hervorgehen: "Wenn wahr ist, dass jede Werbung gute Werbung ist, dann könnte der mediale Hexenkessel der vergangenen Monate sich für Fastweb als vorteilhaft herausstellen. Der zeitweilige Unternehmenschef Carsten Schloter macht keinen Hehl daraus, dass er die Kunden von Telecom Italia als sehr wechselbereit einstuft."
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Der Name Carsten Schloter sei eine Garantie dafür, dass Fastweb fortan in Italien Vollgas gebe: "Da er derjenige ist, der Fastweb dem Schweizer Konzern vor drei Jahren einverleibt hat, ist er nun umso motivierter, seine Zeit an der Spitze der italienischen Tochtergesellschaft dazu zu nutzen, dieses Vorhaben umzusetzen." (mso)