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11.01.2008SOCIAL NETWORKING IM GEREDE

StudiVZ spaltet die Gemüter: Legitime Datenverwertung - oder 'StasiVZ'?

Seit vergangenem Mittwoch sperrt die Online-Community StudiVZ die Profile von Nutzern, die den umstrittenen neuen AGBs der Seite nicht zugestimmt haben. Die Reaktionen bei den Nutzern reichen von Desinteresse über Namensänderungen bis zu Protesten und empörten Austritten.

Mitte Dezember schickte die Internetplattform die Neufassung der AGBs per Mail den Nutzern zu. Diese hatten bis zum 9. Januar, also vorgestern, Zeit, zuzustimmen oder abzulehnen. Wer untätig blieb oder die AGBs ablehnte, den sperrte StudiVZ aus der Seite aus. Die Sperre gilt, bis der User zustimmt oder von selbst austritt. Die letzte Frist hierfür ist der 31. März. Danach werden alle Nutzer, die noch keinen Haken unter die neuen AGBs gesetzt haben, hinausgeworfen.

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Die neuen AGBs hatten in den letzten Monaten verstärkt für  Aufregung gesorgt. Nachdem die erste Version, der zufolge die Nutzer mit Werbung über SMS und Instant Messenger zu rechnen hatten, abgeschwächt wurde, sorgen die Passagen um die Weitergabe von Daten an Dritte und personenbezogener Werbung für Wirbel.

Personenbezogene Werbung soll nun dazu dienen, dem Neu-Eigentümer Holtzbrinck, die Millionen, die beim Kauf des Portals geflossen sind, durch Werbeeinnahmen wieder hereinzuholen. Das ist bisher nicht gelungen, das Portal steckt nach wie vor tief in den roten Zahlen. Das soll sich nun ändern: Dennoch beschwichtigt das Portal seine Nutzer mit dem Argument, die personalisierte Werbung solle doch vor allem dazu führen, dass Männer beispielweise keine Lippenstiftwerbung erhielten.

Die Reaktionen auf die Ankündigung waren heftig. Bereits seit Wochen geistern Gruppen, Nachrichten und Pinnwandeinträge durch das Portal, in denen sich Mitglieder, die ab dem 9. Januar „ins Exil" geschickt werden, verabschieden, protestieren und trauern.

Neben massiven Spekulationen, Anschuldigungen und großer Enttäuschung über die Kommerzialisierung von StudiVZ, sowie Aufrufen zum Boykott, finden sich in dem Portal aber auch Gegenstimmen: „Neue AGBs? Alles was im StudiVZ von mir steht weiss Google längst", heißt beispielsweise eine Gruppe.

Die Debatte um die neuen AGBs lässt oftmals allerdings eine Tatsache unbeachtet: Was StudiVZ einführt ist bei anderen Portalen wie beispielsweise Facebook schon lange gang und gäbe. Insofern muten besonders Aufforderungen, wegen der neuen AGBs zu dem amerikanischen Portal zu wechseln, absurd an. Auch Amazon gibt offen zu, die Daten der Seitenbesucher zu speichern und zu analysieren, um besser mit dem Kunden kommunizieren zu können. Der größte Onlinehändler der Welt sperrt allerdings nicht seine Seiten für nicht eingeloggte Kunden, das käme in seinem Fall sicherlich einem kommerziellen Suizid gleich.

Das Prozedere von StudiVZ widerspricht in der Tat dem sogenannten „Kopplungsverbot" im Datenschutz: Die Erbringung eines Dienstes dürfe nämlich nicht davon abhängig gemacht werden, dass ein Nutzer in die Verarbeitung oder Nutzung seiner Daten einwillige, so der Bundesbeauftragte für Datenschutz Peter Schaar. Welche Folgen dies jedoch künftig noch für das Netzwerk zeitigen wird, bleibt vorerst offen.

Die Weiterverarbeitung von Nutzerdaten im Internet ist grundsätzlich natürlich kritisch zu beurteilen und zu kontrollieren. Die neuen AGBs von StudiVZ ermöglichen den Verantwortlichen aber nicht mehr, als auf anderen Social Networking Plattformen normaler Standard ist. Der Unterschied besteht darin, dass dem User auf einmal bewusst geworden ist, dass er allmählich zum komplett gläsernen Surfer wird.

Eine Sensibilisierung der Portalnutzer bezüglich der Freigabe von persönlichen Informationen und Datenschutz war überfällig. Viele Nutzer gehen viel zu freizügig mit sehr persönlichen Informationen und teils brisantem Bildmaterial um. Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass nicht nur die Freunde und StudiVZ mitlesen, sondern auch potentielle Arbeitgeber oder Professoren. Das war auch bereits vor den neuen AGBs so, hinzu kommt nun die Gefahr, mit unerwünschten Werbemails dauerbeschallt zu werden.

Die kann man jedoch abschalten: StudiVZ hat den Nutzern die Möglichkeit gelassen, nach dem pauschalen Akzeptieren der neuen Regelungen die nutzerbezogene Werbung manuell zu deaktivieren. Detaillierte Angaben dazu lassen sich momentan nicht nur auf vielen Pinnwänden und Gruppenseiten des Portals selbst finden, sondern auch in der Presse. Das Thema StudiVZ bewegt offenbar die ganze Nation.

Die so viel beschworene Rebellion bei StudiVZ ging zudem bislang offenbar nur von einer Minderheit aus, teilweise beschränkte sie sich wohl auch nur auf heiße Luft. Zwar haben zahlreiche Nutzer ihre Daten verfremdet, Namen gekürzt, viele sind aus Protest ausgetreten. Angaben von StudiVZ zufolge kam es bislang immerhin zu 45.000 Austritten. Bei einer angegebenen Mitgliederzahl von 4,5 Millionen machen die Austritte somit nur ein Prozent aus. Demgegenüber haben den Firmenstatistiken zufolge bereits drei Viertel der StudiVZler den neuen AGBs zugestimmt. Sollten sich diese Zahlen erhärten, muss sich StudiVZ keine Sorgen machen, auch nicht, wenn einige der Abtrünnigen zur Konkurrenz überlaufen.

Portale wie StudiVZ gibt es im Internet neuerdings zuhauf. Direkt in Konkurrenz zu dem Studentennetzwerk stehen beispielsweise das gemeinnützige Portal kaioo sowie das Hamburger Studentenportal Campux.

Ob das Saubermannimage, mit dem die beiden Konkurrenten dieser Tage werben, lange hält, darf  getrost bezweifelt werden: Das als „Underdog" vermarktete Kaioo-Netzwerk wird momentan interessanterweise aus dem Privatvermögen von Bertelsmann-Manager und SonyBMG-Vorstandschef Rolf Schmidt-Holtz finanziert. Und Bertelsmann ist schließlich nicht zuletzt über die Tochter Arvato als einer der größten Adresshändler auf dem deutschen Markt bekannt.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (2)
Gebinsel (14.01.2008 12:22)

etwas komplexer..

Tja. Bei der Sache mit der Werbung gucken schon viele recht dumm. Genauso wie viele recht dumm bei einem Zaubertrick ins Dekolleté der Assistentin gucken. Ablenkung nennt man so etwas. Die PR-Abteilung des Studi-VZ hat vorbildliche Arbeit geleistet. Was nur viele in dem ganzen Trara um person..
mehr unter:
http://blog.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendID=107863518&blogID=346290741