Sony hat vor der Veröffentlichung des ebook-Readers PRS-505 eine wahre Revolution angekündigt. Das gute alte Buch soll bald abgelöst werden, statt liebevoll beschriebenes Papier will die e.ink-Tinte auf dem elektronischen Display den Leser in seinen Bann ziehen. Doch wie gut ist das neueste Produkt aus dem Hause Sony wirklich?
Seit 2007 ist das erste vollelektronische Buchlesegerät auf dem Markt. Amazons Kindle stahl allen Elektro-Guru-Firmen die Show und wollte den Markt schnell erobert haben. Doch zwei Jahre später ist das ebook-Reader-Debüt schon lange vergessen, Sony schickt sich an, Amazon abzulösen und das elektronische Buch endgültig salonfähig zu machen.
Der Kurz-Test beginnt mit Nachteilen
Seit Ende Februar ist der Sony ebook-Reader PRS-505 auf dem Markt, nun liegt er der Europolitan-Redaktion endlich vor. Auf den ersten Blick wirkt das elektronische Wunderwerk wie ein eingestaubter Terminplaner von gestern. Erst nach dem Öffnen des Kunstleder-Schutzumschlages kommen alle Elektronik-Freunde voll auf ihre Kosten.
Doch beginnen wir bei den augenscheinlichen Nachteilen: Sony liefert, wie man es schon von Apple gewohnt ist, kein Netzgerät zum Aufladen des Akkus mit, sondern nur ein USB-Kabel zum connecten mit dem PC. Ist man allerdings auf tour - die versprochene Mobilität ist der größte Vorteil eines ebook-Readers gegenüber dem herkömmlichen Buch - und kein PC weit und breit in Sicht, sitzt man schnell auf dem Trockenen.
Kein Netz weit und breit
Der zweite Nachteil folgt auf den Fuß: Arbeiten ist mit dem Sony-Gerät nahezu unmöglich, denn weder gibt es die Möglichkeit per Touch-Screen etwas zu Markieren, noch die Möglichkeit in Zeiten des weltumfassenden und kabellosen www mit dem PRS-505 ins Internet zu gehen. Auch eine Tastatur, wie es der Nachfolger des Kindle von Amazon verspricht, gibt es aus dem Hause Sony nicht.
Dafür punktet der ebook-Reader von Sony mit einem stechend klaren Bild. Das ursprüngliche Versprechen, auf dem elektronischen Lesegerät die Schrift wie auf Papier geschrieben zu sehen, war zwar reichlich übertrieben, dennoch flimmert der Bildschirm Dank der elektronischen Tintentechnik in keinem Moment. Nur beim Umblättern bleiben wenige Momente der Unklarheit, weil der Reader die neue Seite erst laden muss.
Hat das gute alte Buch bald ausgedient?
Das oftmals so mühsame Suchen der letzten Seite, die man gerade doch noch gelesen hatte und auch die Unart der Eselsohren in eigenen und geliehenen Büchern gehört dank dem ebook-Reader nun endlich der Vergangenheit an. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass das gute alte Buch wirklich bald ausgedient hat, wie es die Sony-Werbung und viele Marketing-Fachleute schon prophezeien. Vielmehr kann ein ebook-Reader momentan nur eine Ergänzung zum herkömmlichen Buch sein.
Dafür den stolzen Preis von 299 Euro zu verlangen und gleichzeitig die meisten ebooks nur zehn Prozent billiger anzubieten als sie in gedruckter Form in unzähligen Buchhandlungen zu haben sind, ist wohl zu wenig Ersparnis für den Kunden. Die Zielgruppe ist damit klar definiert: Wer ständig unterwegs ist und wenig Gepäck bei sich tragen, aber ständig unterhalten sein will und sich von seinem Geld gerne mal was gönnt, sollte bald auf das elektronische Lesegerät umsteigen.
Wer hingegen professionell mit Büchern arbeiten muss oder wer es liebt, an einem sonnigen Tag das schon leicht vergilbte Papier umzublättern und dem ihm ganz eigenen Geruch einzuatmen, kann die neueste Entwicklung aus dem Hause Sony getrost links liegen lassen.
Lesen sie einen aktuellen und ausführlichen Test zu dem Sony ebook-Reader PRS-505 auf dem Qualitäts-Blog www.ebook-on-tour.de