In Anlehnung an den US-amerikanischen Sarbanes-Oxley-Act (SOX), bekommt bald Europa sein eigenes Euro-SOX: das deutsches Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie (2006/43/EG) muss bis zum 29. Juni 2008 in Kraft treten. Der genaue Wortlaut ist zwar noch nicht bekannt, aber Panik wie bei der US-Version scheint unbegründet. So streng sollen die Regeln zur Transparenz und Bilanzvorschrift nicht werden.
Das versprach zumindest im vergangenen Jahr Jürgen Tiedje, der die Unit Auditing der europäischen Kommission in Brüssel leitete, und die 8. EU-Richtlinie verfasst hat.
Im Wesentlich soll Euro-SOX dafür sorgen, dass „Unternehmen von öffentlichem Interesse", also beispielsweise börsennotierte Firmen, Bankhäuser, Versicherer und Versorger, ihre Dokumentation erweitern - zwecks der Transparenz. Ein Prüfungsausschuss hat dann den Rechnungslegungsprozess zu überwachen, sowie die Wirksamkeit eines Internen Kontrollsystems (IKS), des Revisionssystems und des Riskomanagement.
„Da werden sich vor alle die Wirtschaftsprüfer sicherlich über den Auftragszugang freuen", bemängelt ein Kritiker in einem Internet-Forum. „Sicher dürften sich Wirtschaftsprüfer und Berater um das damit verbundene Geschäft freuen, doch das mehr an Transparenz kommt auch dem Anlegerschutz zu gute", sagt Sebastian Erdmann, Geschäftsführer der Corporate Integrity Solutions GmbH, eine Managementberatung, die sich auf die Aufklärung, Bekämpfung und Prävention von Wirtschaftskriminalität spezialisiert hat.
„Wenn die Regelungen zu mehr Transparenz führen, so ist das sicherlich zu begrüßen", meint DSW-Hauptgeschäftsführer Hocker, „doch darf vor lauter Dokumentieren nicht der eigentliche Geschäftsbetrieb drunter leiden". Außerdem gibt der Anlegerschützer zu bedenken, dass dadurch den Unternehmen erhebliche Kosten entstehen dürften - was sich sicherlich auch in der Dividende niederschlagen, und auf den Aktienkurs auswirken dürfte.