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15.05.2009TALSOHLE DURCHSCHRITTEN?

Europas Wirtschaft mit Minusrekord: Deutsches BIP bricht um 3,8 Prozent ein

Sowohl das deutsche BIP als auch die Wirtschaft im Euroraum sind im ersten Quartal 2009 so stark geschrumpft wie noch nie. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Vergleich zum Vorquartal um 2,5 Prozent gesunken. In der größten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsraumes, in Deutschland, sogar um 3,8 Prozent. Zum Vergleich: Die britische Wirtschaft schrumpfte im aktuellen Quartal um 1,6 Prozent, die USA verzeichneten ein Minus von 1,9 Prozent.

Die schwerste Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg hat auch Europa fest im Griff. Aufgrund seiner Exportabhängigkeit ist Deutschland schwer getroffen. Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat am heutigen Freitag in Luxemburg die genannten Zahlen veröffentlicht und damit die Vorhersage der EU-Kommission, die Wirtschaft im Euroraum werde um über zwei Prozent im ersten Quartal schrumpfen, nicht nur untermauert, sondern sogar noch unterboten.

BIP schrumpft im Jahresvergleich in Europa und Deutschland dramatisch

Für das Gesamtjahr gehen die EU-Währungshüter von einem Rückgang des BIP um 4 Prozent sowohl für den Euroraum als auch für die EU an. Im Vorjahr schrumpfte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone Eurostat zufolge um 4,6 Prozent, in der EU um 4,4 Prozent. Im ersten Quartal 2008 ergab sich für beide Wirtschaftszonen ein Minus von 1,4 Prozent. Negativ-Rekordhalter sind die Slowakei und Lettland mit je minus 11,2 Prozent.

Der deutsche BIP-Rückgang ist erneut der höchste in der Nachkrieggeschichte. Das statistische Bundesamt erklärte, ein größeres Minus als die momentanen 3,8 Prozent habe es seit Einführung der Quartalsvergleiche 1970 nicht mehr. Außerdem fiel es deutlich höher aus als erwartet. Eine Umfrage von Reuters unter 45 führenden Ökonomen hatte einen Rückgang um drei Prozent vorausgesagt.

Vor allem der Exportrückgang trifft Deutschland den Zahlen zufolge hart. Die privaten Konsumausgaben und die staatlichen Investitionen haben demgegenüber leicht zugelegt. Details nennt das Statistische Bundesamt am 26. Mai.  Insgesamt ist die Wirtschaftsleistung nun schon zum vierten Mal in Folge gesunken. Im 3. und 4. Quartal sank die Wirtschaftskraft um 2,2 Prozent, im Frühjahr und Sommer um jeweils 0,5 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute und die Bundesregierung um eine weitere Verschlimmerung: um sechs Prozent soll die Wirtschaft im laufenden Jahr schrumpfen.

Bundesregierung geht von baldiger Erholung aus

Im Jahresvergleich mit dem ersten Quartal 2008 ist die deutsche Wirtschaft sogar um 6,7  Prozent gesunken. Dennoch sind sowohl Analysten als auch die Bundesregierung der festen Überzeugung, dass die Talsohle bald durchschritten sei. Der Sprecher der Bundesregierung Thomas Steg betonte in der Bundespressekonferenz, es gebe "erfreuliche Hinweise, dass es irgendwann in diesem Jahr zu einer Stabilisierung kommt." 

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Demnach gibt es deutliche Hinweise darauf, "dass das erste Quartal das schwierigste Quartal und sicherlich von der Bilanz auch das schlechteste Quartal in diesem Jahr gewesen sein wird." Deswegen wolle man die Zahlen jetzt nicht überinterpretieren. Dasa die Bilanz im kommenden Quartal besser werde, sei "von Entwicklungen in Deutschland, aber auch Europa und auf den Weltmärkten abhängig", betonte Steg die Vernetzung der Weltwirtschaft.

Ist die Talsohle schon erreicht? Finanzexperten uneinig

Jörg Lüschow von der West LB erklärte FAZ .net zufolge, "dass wir bald wieder positive BIP-Zahlen sehen." Zumindest ein kleiner Aufschwung zeichne sich bereits ab: "Möglichweise haben wir schon im zweiten Quartal wieder ein leichtes Plus, schlechtestenfalls einen leichten Rückgang." Doch es gibt auch andere Stimmen. Citi-Experte Jürgen Michels kommentierte die Zahlen: "Das ist ein dramatischer Absturz und ein denkbar schlechter Start in diese Jahr." Allzu optimistisch ist er dabei nicht: "Es kann nur weniger schlimm, aber nicht wirklich besser werden."

Auch Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil ist nicht wirklich euphorisch, aber auch kein Schwarmaler. Die Wachstums-Vorhersage seiner Bank müsse zwar nun noch einmal nach unten gesenkt werden. Aber nicht auf sechs Prozent, sondern auf 4,5 Prozent. Aber eigentlich müsse das Schlimmste seiner Einschätzung zufolge "hinter uns liegen", weil sich die Stimmungsindikatoren verbessert hätten. (cai)


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