Torwart-Titan Oliver Kahn wird möglicherweise neuer Manager beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 und damit Nachfolger des kürzlich beurlaubten Andreas Müller. Nach einem mehrstündigen Gespräch in einem Hotel in Rheda-Wiedenbrück erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende des Clubs, Clemens Tönnies, gegenüber der 'Bild', dass die "Wahrscheinlichkeit sehr hoch" sei, dass Kahn den vakanten Posten übernehmen werde.
Schon seit der Demission Müllers in der vergangenen Woche war der Name Oliver Kahn in Zusammenhang mit Schalke 04 heiß diskutiert worden, nun verdichten sich die Anzeichen, dass ein Engagement des 86-fachen Nationaltorhüters bevorsteht. Kahn, der seine aktive Laufbahn im vergangenen Sommer beendet hatte, sprach nach dem Treffen mit Tönnies in dessen Heimatstadt von einem "interessanten Informationsaustausch." Es gebe aber "nichts Definitives zu vermelden." Ein nächstes Treffen ist in zwei bis drei Wochen geplant, bis dahin wollen die Gelsenkirchener den Markt weiter sondieren und auch mit anderen Kandidaten Gespräche führen.
Der ehemals beste Torwart der Welt soll Tönnies mit einem 30-seitigen Konzept überzeugt haben. "Ich war überrascht, wie klar er seine Vorstellungen auf den Punkt gebracht hat", so der Fleischfabrikant im Anschluss an das Treffen mit Kahn, bei dem die Gesprächspartner "total d'accord" gewesen sein sollen. Vor etwas mehr als einer Woche hatte Kahn übrigens noch behauptet, sich mit dem Thema Schalke 04 überhaupt nicht zu beschäftigen. Der 39-Jährige war auch immer wieder als Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern München genannt worden.
Franz Beckenbauer jedenfalls rät dem langjährigen Bayern-Torwart von einem Engagement auf dem Berger Feld ab. "Er ist noch in der Findungsphase. Ich glaube nicht, dass er jetzt schon bereit wäre", so Beckenbauer. Hoeneß hatte schon seit längerem angekündigt, Ende dieses Jahres ins Präsidentenamt wechseln zu wollen. Zuletzt hatte er erklärt, einen Nachfolger "um die 40" zu suchen - Kahn würde dieses Kriterium also erfüllen. Gedankenspiele, dass Kahn Nachfolger von Hoeneß werden könnte, hatte es schon in der Endphase der aktiven Zeit des gebürtigen Karlsruhers gegeben.
Der Posten auf Schalke hat für den ehrgeizigen Kahn aber mit Sicherheit auch seinen Reiz. Ein großer Traditionsverein, der momentan in einer Krise steckt und wieder nach oben geführt werden möchte, ist in jedem Fall eine Herausforderung. Zuletzt war Andreas Müller an der Aufgabe als Nachfolger von Rudi Assauer gescheitert. Von Clemens Tönnies ist bekannt, dass er unterwürfiges Verhalten verabscheut. Dies hatte er dem eher blassen Müller immer wieder vorgeworfen. Sollte Kahn dessen Nachfolger werden, muss sich Tönnies zumindest in diesem Punkt wohl keine Sorgen mehr machen.
Zuletzt war Kahn in China unterwegs gewesen, um dort Talente zu testen. Sein möglicher neuer Arbeitgeber dagegen hat in der Rückrunde nahtlos an die enttäuschende Hinserie angeknüpft. Den 'Knappen' liegen momentan sechs Punkte hinter Tabellenplatz fünf, der zur Teilnahme an der neu geschaffenen Europa League berechtigt. Die Europa League tritt ab der folgenden Saison an die Stelle des bisherigen UEFA-Pokals.
Verwandte Artikel
Der Traum von der ersten deutschen Meisterschaft seit 1958 wird sich also aller Wahrscheinlichkeit nach für Schalke 04 in diesem Jahr nicht mehr erfüllen. Die Diskrepanz zwischen Anspruch - endlich den Titel zu holen - und Wirklichkeit war lange nicht so groß wie in der aktuellen Spielzeit. Vielleicht gelingt es ja unter Kahn endlich, die Meisterschale wieder nach Gelsenkirchen zu holen. Mit etwas Glück gelingt das sogar, bevor in Dortmund die hundertjährige Titelabstinenz des ewigen Ruhrpott-Rivalen gefeiert wird. (stk)