Im Gegensatz zum Lokalrivalen AC Milan, bei dem sich die zeitweise Verpflichtung von Star-Ikone David Beckham als veritabler Glücksgriff erwiesen hat, plagen mittlerweile den italienischen Meister Inter Mailand Personalprobleme. Viele Fans identifizieren den Schuldigen im ehemaligen Chelsea-Coach und jetzigen Inter-Trainer Josè Mourinho. Ölmillionär und Vereinspräsident Massimo Moratti hat sich jetzt jedoch dezidiert hinter den Portugiesen gestellt.
Mourinhos größte Schuld ist in den Augen seiner Kritiker, dass er mit seinem Team die Serie A zwar anführt, sie aber nicht mehr so dominiert wie sein Vorgänger Roberto Mancini noch im vergangenen Jahr. Ansonsten gibt es an der spielerischen Klasse seiner Elf wenig auszusetzen: Gäbe es da nicht diesen einen Namen, Ricardo Quaresma.
Kolportierte 30 Millionen Euro kostete der 25-jährige Außenstürmer seinen neuen Verein, als er im vergangenen Sommer vom FC Porto in die lombardische Metropole wechselte. Von seiner legendären 'Trivela'-Flanke erwartete man schon fast Übernatürliches. Sogar das Jungtalent Pelé musste man an die Atlantikküste ziehen lassen, um dem Herzenswunsch des neu erworbenen Promi-Trainers zu entsprechen.
Schade nur, dass sich keine der Erwartungen, die man in den angeblichen Wunderboy legte, erfüllte. Zwar traf Quaresma gleich beim ersten Einsatz gegen Catania - das blieb aber bis heute sein einziges Tor im schwarzblauen Trikot. Anfang der Woche hat sich die Vereinsspitze von Inter nun eine Notlösung überlegt, wie man die letzten in dem Mourinho-Liebling verbliebenen Milliönchen noch aus ihm herausquetschen könnte.
Glücklicherweise reicht die Portugal-Connection nämlich noch bis in die englische Haupstadt, wo Luiz Felipe Scolari beim FC Chelsea die Nachfolge Mourinhos angetreten ist. Ganze sechs Spieler aus dem iberischen Küstenstaat stehen beim Abramowitsch-Club unter Vertrag - kein Wunder also, dass portugiesische Sprachkenntnisse eine Schlüsselqualifikation sind, um den Verein rund um die Superstars Michael Ballack und Didier Drogba zu führen.
Bis zum Saisonende wird Quaresma nun an der Stamford Bridge versuchen, wieder in Form zu kommen. Sollte er dort in dem von Mourinho nach wie vor stark geprägten Star-Ensemble wieder zu Glanz und Gloria aufsteigen, haben die Inter-Oberen gleich den nächsten Deal vor Augen - könnte doch Didier Drogba die Lösung der Sturmprobleme sein, die beim Tabellenprimus der Serie A derzeit herrschen. Jungstar Mario Balotelli hat sich nämlich mit seinen 19 Jahren noch als zu jung erwiesen, um die nervlichen Strapazen einer der strapaziösesten Ligen der Welt nebst Champions League ohne leistungsmindernde Stimmungsschwankungen zu überstehen.
Wie dem auch sei - ob von den investiertem 30 Millionen letztlich noch etwas in die Vereinkasse zurücksickert, oder der Betrag restlos abgeschrieben werden muss: Clubpatriarch Massimo Moratti, für seine heftigen Trainerschelten berüchtigt, läßt auf seinen Coach vorerst nichts kommen. Gegenüber der 'Gazzetta dello Sport' beteuerte er am gestrigen Mittwoch: "Von der Wahl Mourinhos bin ich immer überzeugter. Es ist mir schwergefallen, mich von Mancini zu trennen, und es stimmt nicht, dass ich ihn für die Pleite gegen Liverpool zur Rechenschaft gezogen habe, wo er einfach nur Pech hatte. Ein Wechsel war allerdings notwendig, und Mourinho hat die Begeisterung der Spieler neu entfacht, Trainingsmethoden und Motivation aufgefrischt. Seine Ladung ist ansteckend, und ich bin mir sicher, dass die Mannschaft in Topform sein wird, sobald sie es ein muss."
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Bleibt sich nur abzufragen, wie lange der Burgfrieden in dem latent streitsüchtigen Verein hält. Spätestens das Champions-League-Achtelfinale am 24. Februar gegen den Mitfavoriten Manchester United wird Klarheit schaffen. Auch wenn es keine Schande wäre, gegen die starken Engländer zu unterliegen - Mourinhos Ruf als ewiger Siegesgarant erführe dann seine erste richtige Delle.