Die Vorgabe für den FC Bayern München vor der Partie gegen Schalke 04 war klar: Jedes Spiel wie ein Endspiel gewinnen und kämpfen, wie noch nie zuvor gekämpft wurde. Doch mehr als Frust kam am Ende nicht heraus. Das Ende der Münchner Träume von der Meisterschaft und damit der Ära Klinsmann scheint besiegelt zu sein.
Nach einer guten Anfangsviertelstunde erwischte die Münchner Bayern das Schalker Gegentor eiskalt. Nach einer Ecke stand Halil Altintop mutterseelen allein im Münchner Strafraum und köpfte zur Führung der Knappen. Anschließend waren die Münchner bis zum Seitenwechsel wie gelähmt. Nur eine magere Chance sprang heraus: Kurz vor dem Halbzeitpfiff klatschte ein Sosa-Freistoß an die Schalker Querlatte.
Bayern treffen vorne einfach nicht
In Halbzeit begannen die Münchner wieder mit viel Schwung, Schalke mauerte und lauerte auf Konter. In der 55. Minute verteidigten 10 Schalker den eigenen Strafraum, vier Schüsse der Münchner wurden kurz vor der Linie abgewehrt. Knappe zehn Minuten später umdribbelte Lahm die zahlreichen königsblauen Stützen, doch der Querpass vom linken Fünf-Meter-Raumeck fiel Manuel Neuer im Schalke-Tor in die Hände.
Zwei Minuten vor Schluss hatten die Münchner eine weitere Chance. Engelaar, der nach dem Platzverweis von Jones nach gut einer Stunde eingewechselt worden war, fälschte eine scharfe Münchner Hereingabe ab, der Ball kullerte nur Zentimeter am eigenen Tor vorbei. Seit diesem Moment war klar, dass die Münchner wohl noch Stunden hätten spielen können, der Ball wollte nicht in das Gehäuse des hoch motivierten und reaktionsschnellen Schalker Torwarts Manuel Neuer.
Ohne Ribèry läuft wenig
Nach dem Platzverweis wegen wiederholten Foulspiels von Jones sah es kurzzeitig so aus als könnten die Bayern noch einen Zahn zulegen, doch auch mit Ribèry gingen die Gäule durch, nach einem bereits verloren gegangenen Zweikampf hakte der Franzose im Sturm alleingelassen und frustriert nach. Gelb-Rot und Zehn gegen Zehn war die Folge.
Verwandte Artikel
In der Halbzeit hatte Klinsmann mit Lukas Podolski einen zweiten Stürmer für Ottl gebracht, Ribèry rutschte in seine Lieblingsposition ins linke Mittelfeld. Trotz 0:1-Rückstand wechselte Klinsmann positionstreu Altintop für Sosa ein, ehe zehn Minuten vor dem Ende der wieder einmal vor allem offensiv recht farblose Lell für Borowski das Feld räumen musste. Von dem frischen Blut bei den Münchnern war auch nach dem Platzverweis von Ribèry wenig zu sehen.
Vom Klinsmann-Stil bleibt nichts außer lange Bälle auf Luca Toni
Egal, wer eingewechselt wird, eine Verstärkung und neue Impulse bedeutet das im Moment für die Münchner nicht. Uli Hoeneß ärgerte sich ab der 70. Minute regelmäßig über unnötige Abspielfehler und verzogene Flanken von zuvor eingewechselten Spielern. Ohnehin sieht man am Ende der ersten Saison der viel gelobten Klinsmann-Ära wenig Neues: Viele lange Bälle auf die einzige Spitze Toni, immer noch viel Standfußball und eindeutig zu viele Gegentore. So ist es wenig verwunderlich, dass einige Fans nach dem neuerlichen Rückschlag im Stadion zum wiederholten Mal ‘Klinsmann Raus‘-Rufe angestimmt haben.
Nach der dritten Heimniederlage in dieser Saison scheint der angestrebte Meistertitel als selbstgesetztes Ziel endgültig unerreichbar. Auch ein Champions League Platz für die kommende Saison ist noch lange nicht sicher. Momentan steht der FC Bayern mit 54 Zählern punktgleich mit dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart auf Rang drei. An der Spitze steht der VfLWolfsburg mit drei Zählern mehr und einem Spiel weniger auf dem Konto (morgen gegen Energie Cottbus) vor Hertha BSC Berlin mit 55 Punkten. Schalke kann sich nach dem vierten Sieg in Folge ohne Gegentor weiter nach oben orientieren und liegt punktgleich mit Dortmund mit je 49 Zählern auf dem sechsten Platz. (cai)