Der FC Bayern München ist nach dem gestrigen 2:2 gegen Hoffenheim aus dem Titelrennen raus. Das glaubt zumindest der Manager des FC Bayern, Uli Hoeneß. Im aktuellen Sportstudio hatten die Zuschauer die Möglichkeit, ihren Meisterschaftsfavoriten per Farbtafel zu wählen, die überwiegende Mehrzahl, eben auch der starke Mann bei Bayern München, Hoeneß, hielten die grüne Tafel nach oben. Nach dem grandiosen 5:0-Sieg gegen Hannover 96 steht Wolfsburg aber auch ohne Münchner Gratulationen auf dem Kopf.
Zwei Punkte Vorsprung und das mit Abstand beste Torverhältnis. Mit Bremen wartet am letzten Spieltag zudem eine Mannschaft auf die Niedersachsen, für die es in der Liga um nichts mehr geht. Beste Vorraussetzungen also für den ersten Meistertitel in der Geschichte des VfL Wolfsburg. Nach dem eigenen 2:2 gegen Hoffenheim glauben selbst die Bayern nicht mehr an eine Wende. Hoeneß bedankte sich zwar artig bei den vereinzelten Zuschauern, die die Münchner immer noch im Titelrennen sehen, doch allein der rechte Glaube fehlt.
Bayern in diesem Jahr ohne Titel, dafür mit leeren Händen
"Wir wollen die direkte Champions League Qualifikation erreichen. Dazu haben wir nächste Woche gegen den VfB Stuttgart alles selbst in der Hand", sprach auch Phillip Lahm nach der heißen Partie gegen den Überraschungsaufsteiger nicht mehr vom Titel. Die Bayern haben mit dem Titelkampf abgeschlossen, rechnen damit, in dieser Saison mit leeren Händen dazustehen. Nach den vollmundigen Erklärungen am Anfang der Saison und der Ära Klinsmann eine herbe Enttäuschung.
Das sieht auch Hoeneß so. Doch über begangene Fehler will er nicht mehr reden. Nur soviel: "Natürlich ist das alles nicht die alleinige Schuld von Jürgen Klinsmann. Als Leiter eines Unternehmens oder eines Vereines kann man sich nie aus der Verantwortung ziehen", erklärte der Manager die Mitschuld der Verantwortlichen an der Misere. Schmutzige Wäsche wolle man nach der Trennung keinesfallst waschen, schließlich hacken genug Andere auf Jürgen Klinsmann herum, murmelte Hoeneß im aktuellen Sportstudio vor sich hin.
Hoeneß: ‘Wolfsburg holt die Meisterschaft, weil sie besser waren'
Alles in allem wirkte der Manager gefasst, obwohl er nicht gerne verliert. Als Jens Lehmann eingespielt worden war und erklärte, er halte die Meisterschaft noch nicht für entschieden, vor allem, weil die Wolfsburger selten negative Entscheidungen der Schiedsrichter zu beklagen hätten, sprang Hoeneß für seinen ehemaligen Trainer Felix Magath in die Presche: "Um eines mal klarzustellen: Wenn Wolfsburg Meister wird, werden sie es nicht wegen der Schiedsrichter, sondern weil sie über die Saison die beste Mannschaft waren."
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Das traf auch am gestrigen Samstag gegen Hannover 96 zu: Schnell führten die Wölfe 1:0, in etwa zeitgleich wie die Bayern in Hoffenheim. Doch anders als die Münchner ließen sich die Niedersachsen die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, auch wenn Hannover 96 reichlich gute Chancen auf einen Treffer hatte. Während der FC Bayern München plötzlich mit 1:2 in Rückstand lag, führte Wolfsburg schon zur Halbzeit 3:0, während die Münchner nach der Pause nichts mehr zulegen konnten, traf der Tabellenführer noch zwei Mal. Am Ende hieß es 5:0, Wolfsburg führt die Tabelle einen Spieltag vor Toresschluss mit zwei Zählern und einer um sieben Tore besseren Tordifferenz an.
Dank Grafite und Dzeko kann das Meister-Eis schon einmal vorsorglich produziert werden
Am kommenden Wochenende reicht der Truppe von Felix Magath ein Unentschieden, dann steht Wolfsburg endgültig auf dem Kopf: "Jetzt können wir uns nur noch selbst aufhalten. Wir werden Meister", erklärte der Trainer nach dem Schlusspfiff stolz und selbstbewusst. Die Garanten des Sieges waren gestern wieder einmal Grafite und Dzeko. Gestern trafen der Bosnier gleich dreimal und hat mittlerweile 25 Treffer erzielt. Grafite ist mit 25 Toren noch ein bisschen besser. Gemeinsam haben sie damit 51erzielt - mehr als Hertha BSC Berlin (48), der Hamburger SV (46) oder Schalke 04 (45).
Dem Traumsturm fehlen nur zwei Tore um die Bestmarke des bisher besten Sturmduos aller Zeiten, Gerd Müller und Uli Hoeneß, aus den Jahren 1971/2 und 1972/73 zu egalisieren. Bei der aktuellen Trefferquote ein Leichtes: Grafite traf in 24 Einsätzen 26 Mal, Dzeko allein in der Rückrunde in 16 Spielen 20 Mal. Unwahrscheinlich, dass die Serie ausgerechnet am kommenden Wochenende reißt. So darf in Wolfsburg bereits jetzt an der Produktion des Meister-Eis gearbeitet werden - grün versteht sich, wie die Farbtafel, die Hoeneß bei seinem persönlichen Meisterschaftstipp im aktuellen Sportstudio hochhielt.
Trotz des eindeutigen Meisterschaftstipp aus München bietet der letzte Spieltag für die Zuschauer Spannung pur. Beim Duell der punktgleichen Teams FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart geht es um die direkte Champions League Qualifikation. Nur einen Punkt dahinter lauert Hertha BSC Berlin, die mit einem Sieg gegen den Karlsruher SC bei einem gleichzeitigen Unentschieden im Süd-Derby zwischen München und Stuttgart selbst noch auf den zweiten Platz springen können.