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09.04.2009KATALENEN MACHEN KURZEN PROZESS

FC Bayern München chancenlos in Barcelona: "Katastrophe" oder "Demütigung"?

Der FC Bayern München steht vor dem Aus in der Champions League. Die völlig überforderte Mannschaft von Jürgen Klinsmann verlor am gestrigen Mittwochabend nicht nur in der Höhe verdient, sondern in der Höhe eher noch glücklich mit 0:4 beim FC Barcelona - und der Trainer gerät immer mehr unter Druck.

Franz Beckenbauer nannte es eine "Katastrophe", "das Fürchterlichste, was er beim FC Bayern jemals gesehen" habe, und machte sich über neue Methoden im Umgang mit unfähigem Personal Gedanken. "Wollen wir die Todesstrafe einführen? Ich weiß es nicht", so der "Kaiser" bei 'premiere'. Auch die anderen Bayern-Verantwortlichen zeigten sich schockiert. Von einer "Riesenblamage" sprach Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß wollte erst einmal eine Nacht über die Ereignisse schlafen, eher er eine weitergehende Analyse vornimmt.

Aber egal, wie man die gestrige Partie auch bezeichnet, oder ob man gleich gar nichts sagt: Das, was die Bayern in Barcelona abgeliefert haben, war definitiv nicht Champions-League-tauglich, mit einer solchen Leistung wird es selbst in der Bundesliga schwer werden, einen Uefa-Cup-Platz zu erreichen. Dabei darf man zwar nicht vergessen, dass die Münchner verletzungsgeschwächt antraten - kurzfristig fiel auch noch Philipp Lahm aus - aber das kann keine Entschuldigung für eine derartige "Leistung" sein. Auch nicht, wenn der Gegner das Starensemble vom FC Barcelona war, von vielen derzeit als beste Vereinsmannschaft der Welt angesehen.

Immerhin, die Bayern versuchten erst gar nicht, irgend etwas zu entschuldigen. Auch Trainer Klinsmann zeigte sich nach der Partie fassungslos: "Das war eine Demontage, da wurden uns in jedem Bereich die Grenzen aufgezeigt. Das muss man erstmal schlucken. Ich weiß, dass wir in der Kritik stehen. Jetzt heißt es: Helm auf und durch!" Ob der Schwabe beim Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Samstag noch auf der Bank sitzt, scheint ungewiss.

Karl-Heinz Rummenigge, der seinem Coach vor dem Spiel noch eine Jobgarantie bis in die nächste Saison hinein gab, erklärte gegenüber 'premiere': "Wir werden heute Abend keine Entscheidungen fällen. Wir werden eine Nacht drüber schlafen - auch wenn ich nicht sicher bin, ob wir überhaupt schlafen können. Dann werden wir die Dinge bewerten - und rational entscheiden, nicht irrational." Damit war nicht explizit die Trainerdiskussion gemeint, aber ganz sicher, was Klinsmanns Zukunft betrifft, gab sich der Clubchef auch nicht.

"Geh ich von aus." So antwortete Rummenigge auf die Frage, ob Klinsmann denn auch noch gegen Frankfurt Trainer sein werde. Wie eine Jobgarantie klang das nicht. Nicht bis Samstag, erst recht nicht bis in die nächste Saison hinein. Dass nach der zweiten Klatsche mit vier Toren Unterschied innerhalb von fünf Tagen an der Säbener Straße nicht über den Trainer diskutiert wird, ist sowieso nahezu ausgeschlossen. Das sieht dieser übrigens genauso: "Jetzt geht es natürlich auf den Trainer los."

Zu allem Überfluss hat Klinsmann in Barcelona auch noch der in letzter Zeit mehr und mehr verstummten, unseligen Torwartdiskussion neues Leben eingehaucht. Völlig überraschend ersetzte der in Keeperdingen erfahrene ehemalige Bundestrainer am Mittwoch Stammtorwart Michael Rensing durch Ersatzmann Hans-Jörg Butt und erklärte dies mit der Routine des ehemaligen Champions-League-Finalisten (2002 mit Leverkusen): "Es ist jetzt einfach der Moment da, wo die Abwehr mehr Gelassenheit braucht. Jörg hat diesen Schuss mehr Ruhe und Ausstrahlung - und das ist vor 96.000 Zuschauern gefragt."

Es sei keine Entscheidung gegen Rensing, sondern für Butt gewesen, erklärte Klinsmann. Die bisherige Nummer 1 war aber dennoch "sehr enttäuscht" darüber, in diesem wichtigen Spiel nicht auflaufen zu dürfen. Gegen Frankfurt wird Rensing laut Klinsmann wieder im Tor stehen - ob das denn der Abwehr zusätzliche Stabilität gibt, wenn selbst der Trainer nicht hinter seinem letzten Mann steht, ist zumindest fragwürdig. Allerdings kann Rensing im nachhinein froh darüber sein, in Barcelona nicht auf dem Platz gewesen zu sein. Dennoch, seine Zukunft an der Säbener Straße ist nach der gestrigen Degradierung durch Klinsmann ungewisser denn je. Es würde nicht überraschen, sollte beispielsweise der wechselwillige Nationaltorwart Robert Enke, zur Zeit noch bei Hannover 96, in der nächsten Saison das Tor des Rekordmeisters hüten.

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Das Rückspiel gegen den FC Barcelona findet am kommenden Dienstag um 20.45 Uhr in München statt, und wird wohl nicht mehr als ein besseres Testspiel werden. Denn dass die Bayern es doch noch ins Halbfinale schaffen, daran glauben nicht einmal mehr sie selbst. Und auch die Statistik gibt keine Hoffnung: Ein 0:4 aus dem Hinspiel hat noch nie eine Mannschaft in der Champions League aufgeholt. Das einzig positive, das der FC Bayern aus Spanien mitnehmen kann: Barca hat nach der 4:0-Pausenführung darauf verzichtet, die Bayern richtig abzuschießen und mehr auf Zauber-, als auf Ergebnisfußball gesetzt. Ansonsten hätten die Bayern eine ähnliche Niederlage einstecken können, wie sie sie mit 7:1 selbst im Achtelfinale Sporting Lissabon verpasst haben. Nur das mit dem Tor für die Münchner - das scheint dann doch etwas arg weit hergeholt zu sein.

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