Die Würfel sind gefallen im Stragiespiel des Generals: Louis van Gaal hält an seinem holländischen Landsmann Mark van Bommel als Kapitän des FC Bayern München fest. Für den teuren Neueinkauf Anatoli Timoschtschuk bedeutet das die Ersatzbank.
"Er kann ruhig kommen, dann sitzt er schön auf der Bank": Bereits im Januar sandte Mark van Bommel Liebesgrüße nach Russland. Damals bahnte sich der Transfer von Anatoli Timoschtschuk von Zenit St. Petersburg zum FC Bayern München an, und die gesamte Fußball-Fachwelt war sich einig: Van Bommel werde sich in der Spielzeit 2009/2010 seinen angestammten Platz im defensiven Mittelfeld mit dem kampfstarken Ukrainer zumindest teilen müssen, wenn er nicht sogar komplett verdrängt wird. Zu gut waren noch die beiden überragenden Spiele Timoschtschuks im UEFA-Cup Halbfinale 2008 in Erinnerung, als der 30-Jährige maßgeblichen Anteil an der Demütigung der Bayern durch Zenit St. Petersburg hatte.
Sechs Monate nach dem Transfer ist das eingetreten, was viele Experten nicht für möglich gehalten hätten: Van Bommel ist Kapitän und spielt, Timoschtschuk hingegen sitzt auf der Bank. Mit viel Brimborium war der elf Millionen Euro teure Neuzugang Anfang Juli aus St. Petersburg angereist, eigenen Pressesprecher, Masseur und Koch brachte er gleich mit an die Isar. Eine Kampfansage an seinen Konkurrenten hatte Timoschtschuk ebenfalls im Gepäck: "Ich soll hier ein Leader sein, und dazu bin ich bereit. Meine beste Rolle ist die Sechs", diktierte er den Reportern in den Block.
Trainer Louis van Gaal lässt sich von solchen Sperenzchen freilich wenig beeindrucken. Das einzige, was den 'General' noch weniger interessiert, ist die öffentliche Meinung, die den mittlerweile 32-jährigen van Bommel schon auf dem Abstellgleis sah. Van Gaal schätzt seinen holländischen Landsmann, weil dieser ein vorbildlicher Kapitän ist, der seine Mitspieler aus der Zentrale heraus lautstark führen kann (noch dazu auf Deutsch) und sich auch abseits des Platzes Gedanken macht. Der Cheftrainer hat van Bommel nicht nur als Kapitän, sondern auch als seinen verlängerten Arm installiert - und als solcher hat der Mittelfeldmotor einen Stammplatz sicher. Gewohnt wortreich erklärte van Gaal den Reportern seine Entscheidung: "In unserem System kann Timoschtschuk nicht auf seiner Lieblingsposition spielen. Dort spielt van Bommel."
Kein Wunder, dass der Ukrainer nach seiner Ankunft in München auch ein ganzes Stück wortkarger geworden ist. Mittlerweile lässt Timoschtschuk vermelden, den Kampf "auf jeder Position" aufnehmen zu wollen. Doch auf der rechten Seite, die Timoschtschuk auch spielen kann, erhält mittlerweile Hamit Altintop den Vorzug, der eine überzeugende Vorbereitung absolviert hat.
Namen sind für van Gaal Schall und Rauch. Timoschtschuk ist nicht der erste Bayern-Profi, der das zu spüren bekommt. Der brasilianische Nationalmannschafts-Kapitän Lucio wechselte beleidigt zu Inter Mailand, weil van Gaal sich weigerte, ihm eine Stammplatz-Garantie auszusprechen. An seiner Statt stieg dafür das bislang nur Insidern bekannte Talent Holger Badstuber in der Innenverteidiger-Hierarchie auf. Und auch Luca Toni machte schon Bekanntschaft mit dem kompromisslosen Stil seines Übungsleiters.
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Als der Italiener nach seiner Rückkehr vom Confederations Cup in Südafrika verlauten ließ, er denke nicht einmal an die Ersatzbank, antwortete van Gaal in ganzen vier Worten auf die indirekte Stammplatz-Forderung seines Stürmers: "Das kann er vergessen." Momentan muss sich Toni mit Neuzugang Ivica Olic sogar um den Platz des Stürmers Nummer Drei streiten, weil Miroslav Klose und Mario Gomez gesetzt scheinen. Es wird sich zeigen für Anatoli Timoschtschuk, ob seine Zeit beim FC Bayern ebenfalls eine zum Vergessen wird.