Der FC Bayern München hat seine Chancen im Kampf um die deutsche Meisterschaft gewahrt und seinem zuletzt stark kritisierten Trainer Jürgen Klinsmann vorerst ein wenig Luft verschafft. Der Rekordmeister gewann am Samstag durch ein Tor von Luca Toni beim Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld mit 1:0 (0:0) und bleibt weiterhin mit drei Punkten Rückstand hinter Spitzenreiter VfL Wolfsburg (2:1 gegen Leverkusen) auf Platz 2.
Als der Ball endlich im Tor der Arminia gelandet war, kannten sie auf der Bayern-Bank kein Halten mehr: Jürgen Klinsmann und Manager Uli Hoeneß lagen sich in den Armen, drückten sich immer wieder, strahlten um die Wette. Wer diese Szene am vergangenen Samstag auf der Bielefelder Alm gesehen hat, der kann kaum glauben, dass der FC Bayern mitten in einer schweren Trainerdiskussion steckt. Aber es war die Anspannung, die besonders vom Trainer, aber auch von seinem Vorgesetzten plötzlich abgefallen war.
So erklärte Manager Hoeneß die Szene dann auch nach dem Spiel: "Wir wissen ja auch, dass es nicht gerade einfach ist, wenn wir hier nicht gewinnen und deshalb war die Anspannung natürlich groß. Wenn du dann das Tor machst, ist es doch klar, dass man sich sehr freut." Viel stand für den Rekordmeister am Samstag auf dem Spiel, eine Niederlage in Bielefeld hätte den Vorsprung von Spitzenreiter VfL Wolfsburg auf sechs, ein Unentschieden immerhin auf fünf Punkte anwachsen lassen. Und lange Zeit sah es nicht zwingend danach aus, als würden die drei Punkte aus Ostwestfalen in die bayerische Landeshauptstadt wandern.
Zwar waren die Münchner die überlegene Mannschaft, wirklich Zwingendes brachten sie vor dem Tor des Abstiegskandidaten allerdings nur selten zustande. Doch vielleicht ist auch das ein Zeichen, dass der Rekordmeister auf dem Weg ist, in die alte Erfolgsspur zurückzukehren. Bisher war es in der seit Sommer vergangenen Jahres laufenden Ära Klinsmann häufig so, dass die Bayern zwischen den Extremen wandelten: Überzeugenden Siegen folgten deftige Niederlagen und zwischendurch wurden vermeintlich sichere Punkte liegen gelassen. Erinnert sei nur an das 3:3 gegen den VfL Bochum, bei dem selbst eine 3:1 Führung kurz vor dem Ende nicht reichte, um drei Punkte in der heimischen Arena einzufahren.
Gegen Bielefeld war alles ein wenig anders. Die Bayern spielten ordentlich, aber nicht überragend. Und sie siegten daher am Ende auch nicht mit 4:0 oder 7:1 - sondern ganz schnöde mit 1:0. Eine Flanke von Franck Ribery, ein Kopfball von Luca Toni und schon war die Sache gelaufen Auf ähnliche Weise wurden in der Vergangenheit schon viele Titel an die Säbener Straße geholt. Und es ist weiterhin nicht ausgeschlossen, dass in dieser Saison ein weiterer folgen wird.
Einer ist sich da jedenfalls ganz sicher: Trainer Jürgen Klinsmann. Gebetsmühlenartig wiederholt er schon seit Monaten, dass die jeweils aktuelle Tabelle nicht von Bedeutung ist. Von der momentan fast schon beängstigenden Serie des VfL Wolfsburg (10 Siege in Folge) zeigte sich der Schwabe am Samstag jedenfalls unbeeindruckt. "Die phänomenale Serie von denen ist irgendwann zu Ende. Wir warten drauf und werden vorbeiziehen und wenn es am 34. Spieltag ist." Am Rande sei bemerkt, dass es lediglich in der Saison 1985/86 eine Mannschaft geschafft hat, am letzten Spieltag zum ersten Mal innerhalb einer Spielzeit Spitzenreiter zu werden. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass es sich herbei um den FC Bayern handelt.
Nicht vergessen sollten die Bayern allerdings, dass sie es selber nicht mehr in der Hand haben, den Titel zu holen. Diese Möglichkeit haben sie beim 1:5-Debakel in Wolfsburg verspielt. Nun können sie lediglich noch ihre eigenen Rest-Spiele gewinnen und müssen auf Patzer der Konkurrenz warten. Die Punkte muss der FCB allerdings nicht nur holen, wenn er noch Meister werden will. Was an der Säbener Straße häufig ausgeblendet zu werden scheint ist die Tatsache, dass der Hamburger SV punktgleich auf Platz 3, sowie Hertha BSC (2 Punkte) und der VfB Stuttgart (3 Punkte) mit nur geringem Rückstand auf den folgenden Plätzen lauern.
Diese Plätze berechtigen nichtmal zur Teilnahme an der Champions League. Für den FC Bayern zumindest nach außen hin kein Thema, möglich aber allemal. In München wird der Blick aber wie immer nur nach vorne gerichtet: "Unsere Chancen auf den Titel sind etwas gestiegen, da wir noch vier Heimspiele haben, Wolfsburg nur drei.", erklärte Uli Hoeneß nach dem Sieg in Bielefeld. Und in Richtung Wolfsburg: "Wir haben gehört, dass die wahnsinniges Glück hatten."
So scheint derzeit ein wenig Normalität in das Leben der Bayern einzukehren. Spiele werden ohne die ganz große Leistung gewonnen, wie auch Kapitän Mark van Bommel nach dem Spiel zugab: "Wir haben nicht gut gespielt. Der Sieg war verdient, aber wir haben Glück gehabt" und der Manager sorgt für die Kampfansagen an die Konkurrenz. Und der Trainer? Der steht natürlich keineswegs zur Disposition. Denn eigentlich ist doch alles in Ordnung und die Saison läuft bisher gar nicht so schlecht, wie man immer meinen könnte.
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"Man könnte denken, dass wir im Chaos stecken, wenn man sich so umhört. Aber wir sind in der Champions League ins Viertelfinale gekommen. Wir sind in der Meisterschaft dabei und hatten wirtschaftlich ein gutes Jahr. Viele Vereine wären über diese Ergebnisse glücklich", äußerte sich Hoeneß in Bielefeld über den bisherigen Saisonverlauf. Es ist also doch noch nicht alles normal in München: Denn dass sich die Bayern mit "vielen Vereinen" vergleichen, das ist eher ein wenig ungewöhnlich. Steht am Ende der Saison der Meistertitel, dann wird das alles niemanden mehr interessieren - geht alles schief, dann kann Uli Hoeneß sich ja hinstellen und erklären, dass Vereine wie Bielefeld über einen fünften Platz und die Teilnahme an der Uefa Europa-League sicher sehr froh wären. Es muss ja nicht immer die Champions League sein.