Nach der 0:1-Niederlage am vergangenen Samstag gegen Schalke 04 geht die Diskussion um den Trainer des FC Bayern München, Jürgen Klinsmann, weiter. Als Nachfolger ist nun Mehmet Scholl im Gespräch - im Gespann mit Amateure-Trainer Hermann Gerland.
"Klinsmann raus" - so hallte es am Samstagnachmittag aus der Südkurve heraus durch die Allianz Arena. Der FC Bayern hatte soeben erneut verloren, 0:1 gegen Schalke 04. Die Enttäuschung bei den Anhängern ist riesig - ebenso wie die bei den Verantwortlichen. Während Manager Uli Hoeneß und der Vorstandvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sich in Schweigen hüllen, gibt sich der Trainer kämpferisch: "Wir ziehen das durch mit aller Energie. Ich bin ein Kämpfer", so Klinsmann im Interview mit der Nachrichtenagentur 'sid'.
Angesprochen auf die Reaktion der Fans äußerte der Schwabe zwar Verständnis, andererseits aber auch, dass es ihn schmerze, wenn sein Kopf gefordert wird. "Das muss man schlucken. Ich kann das aber verstehen, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Bei Bayern ist die Messlatte immer die höchste. Die Ansprüche sind eben, dass man Meister werden will und muss." Die Chancen, den Titel noch zu holen, sah Klinsmann zwar nach dem Spiel gegen Schalke gesunken - die überraschende Niederlage von Spitzenreiter VfL Wolfsburg am gestrigen Sonntagabend bei Energie Cottbus dürfte ihn jedoch wieder ein wenig optimistischer gestimmt haben.
Vereinspräsident Franz Beckenbauer fordert nun einen Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. "Sonst wird es für Jürgen eng", so der 'Kaiser'. Beim Fernsehsender 'premiere' griff Beckenbauer seinen ehemaligen Stürmer, mit dem er 1990 gemeinsam Weltmeister wurde, implizit durch Kritik an der Spielweise des Rekordmeister an: "Ich weiß nicht, warum: Sie gehen raus und wollen gleich in den ersten zehn, 20 Minuten das Spiel entscheiden. Das Spiel dauert 90 Minuten. Und dann, wie wir gesehen haben, haben sie am Ende nichts mehr zum Zusetzen. Es fehlt mir das Nüchterne: Immer sofort raus und drauf und was weiß ich alles. Fußball hat auch etwas mit Hirn zu tun."
Eine klare Anspielung auf den Hurra-Stil des derzeitigen Trainers - und vielleicht auch ein wehmütiger Blick zurück in die Vergangenheit, als Ottmar Hitzfeld noch auf der Bayern-Bank saß. Hitzfeld, der "General" der so viele Titel geholt hat, und der als kühler, rational denkender Taktiker gilt. Karl-Heinz Rummenigge kritisierte den derzeitigen Schweizer Nationaltrainer aber auch einmal öffentlich dafür, dass der Mathematiklehrer Hitzfeld den Fußball zu mathematisch angehe. Ein bisschen mehr mathematische Rationalität würde seinem Nachfolger nach Meinung Franz Beckenbauers nun offensichtlich gut zu Gesicht stehen.
Hitzfeld hat es übrigens abgelehnt, für den Rest der Saison als Trainer an die Säbener Straße zurückzukehren. Heiß diskutiert wird in den Münchner Medien dagegen eine andere Lösung: Mehmet Scholl soll Interims-Trainer werden, Hermann Gerland sein Assistent. Letzterer trainiert derzeit noch die zweite Mannschaft des FC Bayern, die den Klassenerhalt in der Dritten Liga allerdings schon frühzeitig sichergestellt hat.
Während es Mehmet Scholl vorzog, zu derartigen Überlegungen vorerst keine Stellungnahme abzugeben, hat Gerland gegenüber der 'tz' prinzipiell sein Interesse bekundet: "„Ich werde auf keinen Fall Cheftrainer, aber über einen Job als Co-Trainer von Mehmet Scholl kann man sich unterhalten, wenn es der Verein wünscht. Zuerst sollte aber die Personalie Klinsmann geklärt werden." Ganz weit hergeholt scheint das Thema also wirklich nicht zu sein.
Eine solche Variante hätte für den Rekordmeister sicherlich einen gewissen Charme. Ottmar Hitzfelds Vertrag wurde nach Ablauf der vergangenen Saison nicht verlängert. Für ihn haben die Bayern Klinsmann geholt. Sollte dieser nun entlassen werden und Hitzfeld würde an die Säbener Straße zurückkehren - es wäre nichts weiter als ein komplettes Schuldeingeständnis der Bayern-Verantwortlichen. Einen Fehler müssten die Herren Hoeneß, Rummenigge und Co. auch zugeben, wenn sie Klinsmann entlassen würden und nicht auf Hitzfeld zurückgreifen. Die Qualität wäre dennoch eine andere, als wenn der Vorgänger zum (Kurzzeit-)Nachfolger würde.
Scholl dagegen, derzeit Trainer der U13-Mannschaft, ist unverbraucht und genießt als ehemaliger Spieler, der mit dem Verein alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, höchste Beliebtheit bei den Fans. Sein möglicher Assistent Gerland dagegen blickt auf eine langjährige Erfahrung als Trainer zurück und ist als Disziplinfanatiker bekannt, der notfalls auch hart durchgreifen kann. Gerland ist seit 2001 Trainer der Amateure und war dies auch schon zuvor zwischen 1990 und 1995. Scholl wechselte 1992 als Spieler vom Karlsruher SC an die Isar. Beide kennen den Verein also bestens.
Diese Lösung hätte außerdem den Vorteil, dass sich die Bayern dann in Ruhe nach einem neuen Trainer für die nächste Saison umsehen können. In den letzten Spielen wird es sowieso nicht möglich sein, der Mannschaft ein komplett neues Konzept überzustülpen. Es geht nicht mehr um den langfristigen Aufbau, sondern um kurzfristigen Erfolg. Um den zu erreichen ist auch die Unterstützung der Fans wichtig. Wenn diese sich darauf konzentrieren, den Kopf des Trainers zu fordern, dann verunsichern sie die Mannschaft eher, als dass sie den Spielern ein Rückhalt sind.
In dieser Situation wäre Scholl der ideale Mann, die aufgebrachten Massen zu beruhigen. Kaum ein anderer Spieler hat sich in den letzten Jahren einer derart großen Beliebtheit beim Publikum erfreut wie der Mittelfeldtechniker. Und mit dem erfahrenen Gerland hätte der Trainer-Neuling Scholl einen Mann an seiner Seite, der die notwendige Autorität ausstrahlt, um den Blick der Spieler voll und ganz auf den sportlichen Erfolg in den noch verbleibenden Spielen zu fokussieren. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung: Von Scholl und Gerland kann erwartet werden, dass sie sich am Ende der Saison kommentarlos wieder in das zweite Glied zurückziehen werden.
Bei aller Spekulation darf aber auch eines nicht vergessen werden: Noch ist Jürgen Klinsmann nicht entlassen worden und noch hat seine Mannschaft die Möglichkeit, die Meisterschaft zu gewinnen. Aber selbst wenn dies nicht gelänge ist es nicht ausgeschlossen, dass Kinsmann weiterhin Trainer bleibt. Sollte man ihm in der Führungsetage die Aufgabe auch in der nächsten Saison wirklich zutrauen, dann wird man ihm die Möglichkeit geben, den Kader nach seinen Wünschen zu gestalten und ihm dabei (innerhalb eines gewissen finanziellen Rahmens) freie Hand lassen. Die Torwart-Frage inklusive.
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In der jüngeren Vergangenheit haben schon andere Trainer gezeigt, dass sich der Erfolg auch nach einer gewissen Anlaufzeit noch einstellen kann: Felix Magath wurde in seinem ersten Jahr als Trainer beim VfL Wolfsburg nach schwachem Saisonstart zwar immerhin noch Fünfter, Lucien Favre landete mit Hertha BSC gar nur auf Rang zehn. Beide sind momentan im zweiten Jahr bei ihrem jeweiligen Verein, nachdem sie im ersten Jahr teilweise heftiger Kritik ausgesetzt waren. Der VfL Wolfsburg ist derzeit Spitzenreiter in der Bundesliga. Gefolgt von Hertha BSC auf Rang zwei.
Micha (28.04.2009 17:36)Entlassung war gerecht .
Bayerns Gegner finden diese Maßnahme natürlich nicht in Ordnung ,
durch eine geschwächte Bayern - Manschaft können andere auch mal Meister werden , sogar Schalke . Scholl,Kahn Gerland und Lothar
wäre nicht schlecht ,auch Effe würde zu diese Namen dazu passen .
Bayern braucht keine Ausländer holen.Die aufgezählten sind grosse persönlichkeiten und fanatische fachliche Fussballexperten .
Der kaiser hat vor fast 20 Jahre vorgemacht .