Harte Zeiten für Luca Toni: Der italienische Angreifer ist bei FC Bayern-Trainer Louis van Gaal nicht mehr erste Wahl. Logisch, dass der sensible Sturmtank da ins Grübeln gerät. Nun hat angeblich der englische Klub West Ham United Interesse an Toni bekundet - mit einem Trainer, der ein großer Fan des schlaksigen Torjägers sein soll.
Es gibt kaum einen Bundesliga-Spieler, der eine so schöne Leidensmiene beherrscht wie Luca Toni. Bei jedem Foul an dem 32-Jährigen fühlt sich der Fernsehzuschauer an den 'Sterbenden Schwan' erinnert: Zuerst ein schmerzverzerrtes Gesicht, dann ein trauriger Hundeblick zum Schiedsrichter, schließlich eine vorwurfsvolle Miene in Richtung Gegenspieler. Abseits des Platzes hatte Toni jedoch wenig Grund zur Trauer, schließlich fühlte sich der Stürmer in München pudelwohl - bis zum Amtsantritt von Louis van Gaal.
Der erste Akt des Dramas begann im Juli. Kurz bevor Luca Toni nach seinem Sonderurlaub vom Confederations Cup zurückkehrte, gab er in seiner Heimat ein selbstbewusstes Interview, in dem der Ex-Fiorentiner erklärte, er denke gar nicht an die Ersatzbank. Van Gaals einziger Kommentar zu dieser kecken, indirekten Stammplatz-Forderung: "Das kann er vergessen".
Die Irritationen zwischen dem italienischen Lebemann und dem gestrengen General fanden ihre Fortsetzung im Trainingslager des FC Bayern in Donaueschingen. Toni war der konditionelle Rückstand aufgrund seines Sonderurlaubs noch deutlich anzumerken, und so verbannte der gnadenlose van Gaal den Weltmeister von 2006 bei manchen Trainingsspielen sogar ins C-Team. Viele Bilder eines traurig gen Boden blickenden Luca Toni sind in diesen Tagen entstanden.
Zu allem Überfluß bekam der Stürmer dann auch noch Probleme mit seiner Achillessehne, was die Distanz auf seine Konkurrenten im Angriff noch vergrößerte. An Miroslav Klose und Mario Gomez scheint momentan ohnehin kein Vorbeikommen, doch Toni dürfte es schon schwer haben, sich gegen Ivica Olic und Jungspund Thomas Müller als Stürmer Nummer Drei durchzusetzen - zumal van Gaal nicht gerade dafür bekannt ist, Wert auf Namen oder Befindlichkeiten zu legen.
Zwar hat der Italiener angekündigt, sich beim FC Bayern durchbeißen zu wollen, doch im Hinterkopf spielt der Stürmer sicherlich das Szenario eines Wechsels durch, genauso wie die Bayern-Verantwortlichen. Ob der deutsche Rekordmeister sich wirklich einen Reservisten mit zehn Millionen Euro Brutto-Jahresgehalt leisten will, darf bezweifelt werden. Ganz abgesehen davon, dass der sensible Angreifer seine Degradierung zum Bankdrücker vermutlich nicht ganz klaglos hinnehmen wird und mit seinen 32 Jahren mit jeder neuen Saison empfindlich an Marktwert verliert.
Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hat seinen ehemaligen Chefs daher zum Verkauf des Stürmers geraten. Toni sei "ein Weltmeister der Unzufriedenheit", sagte der 60-Jährige bei einer Veranstaltung des Pay-TV-Senders Sky in Wien. Ohnehin bräuchten die Bayern nicht vier Klassestürmer. "Die Bayern wären gut beraten, Toni zu verkaufen", wird die Trainerlegende zitiert. Nachfolger Louis van Gaal ist der momentane Bayern-Kader sowieso zu groß.
Die Gerüchteküche brodelt. Bereits letzte Saison wurde über eine Rückkehr des Sturmtanks zu seinem Ex-Verein AC Florenz spekuliert. Toni kündigte vor zwei Jahren bei seinem Wechsel nach München an, sich irgendwann noch einmal das violette Trikot der Fiorentina überstreifen zu wollen. Tottenham Hotspur sowie der VfL Wolfsburg sollen ebenfalls Interesse am italienischen Nationalspieler bekundet haben, doch mit den Verpflichtungen von Peter Crouch bzw. Obafemi Martins haben beide Vereine ihre Planstellen im Angriff geschlossen.
Ein weiterer Verein reiht sich nun laut Berichten des britischen 'Daily Star' in die Schlange der Interessenten ein: West Ham United. Der Klub aus London wird seit letzter Saison von Gianfranco Zola trainiert. Der ehemalige italienische Nationalstürmer ist angeblich ein glühender Verehrer von Luca Toni. Die 'Hammers' benötigen auch dringend einen Torjäger, denn mit Carlton Cole verfügt West Ham momentan nur über einen einsatzfähigen Angreifer.
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Das Problem: West Ham spielt lediglich im Mittelfeld der englischen Premier League und hat keinen finanzstarken Investor im Rücken. Die Londoner dürften also Tonis Gehaltsvorstellungen kaum erfüllen können. Daher favorisiert West Ham laut dem 'Daily Star' auch ein Leihgeschäft. Doch Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger sagte dazu auf Anfrage des 'Münchner Merkur': 'Es liegt keine Anfrage für Luca vor'. Bis Ende August, wenn das Transferfenster schließt, wird sich das sicher noch ändern.