In der englischen Premier League ging es am Wochenende heiß her. Im Manchester-Duell schoß Manchester United den Lokalrivalen Manchester City mit 1:0 ab. Doch der englische Fußballklub war nicht das einzige, was vom Platz gefegt wurde: Auch Stürmerstar Cristiano Ronaldo flog vom Spielfeld. Er sah in der 68. Minute Gelb-Rot. Ausgerechnet am heutigen Montag soll Ronaldo nun als 'Europas Fußballer des Jahres 2008' ausgezeichnet werden.
Sogar in Unterzahl schaffte es der englische Club Manchester United (ManU), dem Lokalrivalen und Schalkes Uefa-Cup-Gegner Manchester City zu zeigen, wer der bessere Fußballverein im näheren Umfeld ist. Dabei schien es gar nicht mal so sicher, ob ManU den wackeligen Vorsprung von nur einem Tor halten würde, den Wayne Rooney in der 43. Minute herausgeschossen hatte. ManU-Stürmerstar Cristiano Ronaldo flog nämlich spektakulär in der zweiten Halbzeit vom Platz und überließ die restlichen zehn Mannschaftskollegen alleine ihrem Schicksal.
Der Flügelstürmer auf der rechten Seite, der mit vollem Namen Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro heißt, brachte seine Mannschaft knapp zwanzig Minuten vor Spielende in die Bredouille. Nach einer Ecke boxte der 23-Jährige, der wohl zu viel Oliver Kahn Spiele gesehen hatte, aus völlig ungeklärten Gründen den Ball mit beiden Fäusten weg. Auch der Protest einiger Mitspieler, Ronaldo sei doch zuvor geschubst worden, half da nichts mehr.
Schiedsrichter Howard Webb ließ nicht lange mit sich diskutieren und zeigte in der 68. Minute dem bereits zuvor verwarnten Portugiesen die Gelb-Rote Karte. Vor tausenden schreienden und kreischenden Fans verließ der Stürmerstar und Nationalspieler der portugiesischen Mannschaft betröppelt das Spielfeld.
Nach dem Spiel nahm Ronaldo Stellung zu dem mysteriösen Vorfall. Er habe nach Rooneys Eckball für kurze Zeit ein Pfeifen in seinen Ohren wahrgenommen und gedacht, der Schiedsrichter hätte gepfiffen, so der 23-Jährige. Kurz nach dem Boxvorfall schien der ManU-Stürmer auf dem Feld seinen Irrtum allerdings schnell bemerkt zu haben und setzte eine Unschuldsmiene ohnegleichen auf. Schulterzuckend beteuerte Ronaldo, es habe keine Absicht hinter seinem Handspiel gestanden.
Auch sein Trainer, Sir Alex Ferguson, sieht den Platzverweis halb so schlimm: „Er hatte einen Pfiff gehört. Und er wurde leicht gestossen. Wäre dies ausserhalb des Strafraums passiert, dann hätte es Freistoss gegeben." Der Coach der „Red Devils" zeigte sogar Verständnis für das Handspiel des Stürmers: „Er wollte nur sein Gesicht schützen", so Ferguson.
Ganz anders sieht dies City-Trainer Mark Hughes, der den Erklärungsversuchen von Ronaldo und Ferguson keinerlei Bedeutung beimisst. „Der Schiedsrichter hatte gar keine Wahl", so der Coach von Manchester City. Hughes rätselt zudem darüber, warum Cristiano nicht gleich den Ball per Kopf angenommen habe. „Wenn Cristiano sagt, er habe sein Gesicht schützen wollen, dann frage ich, warum er nicht geköpft hat", so Hughes.
Trotz seines Aussetzers wird der Stürmerstar Ronaldo am heutigen Montag aller Vorraussicht nach als „Europas Fußballer des Jahres 2008" geehrt werden und den „Ballon d'Or", die Auszeichnung des Besten europäischen Fußballers der französischen Fachzeitschrift „France Football", entgegennehmen dürfen. Laut der englischen Tageszeitung ‚The Sun‘ ist Cristiano Ronaldo schon länger klarer Topanwärter auf diese Trophäe. Damit folgt er dem Brasilianer und Milan-Star Kaka nach, der 2007 den Preis in seinen Händen halten durfte. Als Grund für die Auszeichnung wird die überragende Saison Ronaldos bei Manchester United angeführt. Der Portugiese gewann mit den Engländern die Champions League und den Premier League Titel.
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Als letzter Portugiese hatte Eusebio im Jahr 1966 die Auszeichnung gewinnen können. Nach 42 Jahren wird diese Ehre nun allem Anschein nach dem Jungstar Ronaldo zu Teil. Letzter deutscher Gewinner war Matthias Sammer vor zwölf Jahren. Michael Ballack vom FC Chelsea, der als einziger Deutscher in diesem Jahr nominiert war, geht offensichtlich leer aus. Auch der Franzose Ribéry, der sich als einziger aus der deutschen Bundesliga Hoffnungen auf den Preis machen konnte, muss nun Ronaldo den Vortritt lassen. Man kann nur hoffen, dass Ronaldo bei der Preisverleihung nicht derselbe Foupain wie auf dem Spielfeld unterläuft und er in einem unerklärlichen Wutausbruch den Preis mit zwei Händen wegboxt. (sk)