Die Nation hat einen neues Supertalent. Michael Hirte bezauberte die Jury um Dieter Bohlen am vergangenen Samstagabend in der RTL-Entertainment-Show 'Das Supertalent' mit Liedern auf seiner Mundharmonika, und strich für den Sieg am Ende satte 100.000 Euro ein. Eine Woche vor der Veröffentlichung seines Albums laufen bei Amazon die Server bereits heiß. 'Focus' zufolge hat Hirte sein britisches Pendant, das Gesangstalent Paul Potts, bereits überholt.
Es hört sich an wie ein Märchen aus Tausend-und-Einer-Nacht - und wenn man es nicht live miterlebt hat, dann könnte man leicht in Versuchung geraten, den Berichten keinen allzu großen Glauben zu schenken: Der ehemalige LKW-Fahrer und Hartz IV-Empfänger Michael Hirte ist das neue Supertalent der Nation. Bis zu 7,6 Millionen TV-Zuschauer fieberten nach Angaben des Senders am Samstag bis halb ein Uhr in der Früh mit, wie der 44-Jährige aus Kartzow in der Nähe von Potsdam das Saalpublikum mitsamt den drei Juroren in der Finalrunde der RTL-Castingshow „Das Supertalent" verzauberte. Sein Zauberstab: eine Mundharmonika.
Dabei scheint sein Sieg für den ein oder anderen gar keine so große Überraschung zu sein. Für das Teenieidol Dieter Bohlen stand natürlich schon vor der Sendung fest, wer am Ende ganz oben auf dem Siegespodest stehen wird: „Wenn Michael es nicht wird, fresse ich die Jacke auf", so drohte Bohlen am Sonnabend kurz vor Ende der Zuschauer-Abstimmung.
In einem Interview mit der ‚Welt‘ vom Montag gab sich der neugekürte Sieger überglücklich. Zu seinem Auftritt im Glitterregen, als er Bohlens Wunschtitel „Stille Nacht, Heilige Nacht" spielte, meinte Hirte: „Ich bin glücklich, dass ich das geschafft habe, und dass ich gewonnen habe." Lampenfieber hätte er aber trotzdem nach wie vor gehabt.
Hirte übte zunächst den Beruf eines Lkw-Fahrers aus. Als er 1991 verunglückte, wachte er erst zwei Monate später wieder im Krankenhaus auf. Der Unfall hinterließ Spuren: Neben einem lädierten Bein und einem blinden Auge verließ ihn seine Frau und Hirte verlor seine Arbeitsstelle. Die anschließende Jobsuche gestaltete sich äußerst schwierig. „Ich habe es mit Gelegenheitsjobs versucht, es ging aber nicht mehr", so Hirte. Mithilfe seines treuen Freundes, der Mundharmonika, besserte Hirte sein Hartz-IVGehalt etwas auf. Als Straßenmusiker spielte er in der Altstadt von Spandau und in der Fußgängerzone in Potsdam. Das erste Mal im Sommer 2004. Frei von Lampenfieber sei er schon damals nicht gewesen, aber er habe sich damals einfach gedacht: „Augen zu und durch."
Ein Motto, das ihm offensichtlich auch für die RTL-Show „Das Supertalent" Glück gebracht hat. Nachdem ihm mehrere Passanten auf der Straße ermutigt hatten, sein Glück auf der Bühne zu versuchen, meldete sich Hirte für die RTL-Castingshow an. Gegen 10.000 Bewerber setzte sich der Hartz-IV-Empfänger durch und auch die zehn Finalisten am Ende der Staffel mussten sich ihm geschlagen geben, darunter die junge Sängerin Vanessa Krasniqi mit ihren zarten 14 Jahren, die bei Bohlen phasenweise unbekannte Vatergefühle geweckt hatte, oder der 40-jährige Glaskugeljongleur Kelvin Kalvus.
Hirte bestach aber nicht etwa mit einem herausragenden Gesangstalent oder beeindruckenden Hip-Hop-Moves, sondern betrat die Bühne mit einem kleinen Musikinstrument aus Metall: einer Mundharmonika. Im Alter von acht Jahren hat er seinen Bühnenpartner geschenkt bekommen, als er zu Besuch bei Verwandten in Stralsund war. „Nach einer halben Stunde konnte ich das erste Lied. Sie waren so erstaunt, dass sie mir die Mundharmonika geschenkt haben", so Hirte. Noten lesen kann das neue Supertalent allerdings nach eigenen Angaben nicht. Seine Lieder lerne er durch bloßes Zuhören. „Ich probiere so lange, bis ich die richtige Tonart gefunden habe. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie man das macht, Noten lesen und das dann auf die Mundharmonika übertragen."
Das Album des neuen Superstars wird nach Angaben von ‚Focus‘ passend den Titel „Der Mann mit der Mundharmonika" lauten. Unter anderem wird darin das Kirchenlied „Ave Maria" und das Weihnachtslied „Stille Nacht" zu hören sein. Natürlich alles mit der Mundharmonika gespielt. Obwohl die CD erst am 5. Dezember in den Handel kommen soll, ist eine Vorbestellung bereits möglich. Beim Onlinehändler Amazon hat das Album nach Angaben von ‚Focus‘ bereits den Verkaufsrang sechs eingenommen. Damit hat die neue Musikplatte die aktuellen Alben von Metallica oder Paul Potts, der die britische Ausgabe der Castingshow gewann, bereits überholt.
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Was der ehemalige Hartz-IV-Empfänger nun mit seinem Geld wohl machen wird? Das neue Supertalent gibt sich im Interview mit der ‚Welt‘ betont bodenständig. „Ich werde sparen, das Geld gut anlegen. Warum soll ich Kaviar essen, wenn mir Bockwurst besser schmeckt", so Hirte. Außerdem schätzt das neue Supertalent, nicht mehr von Hartz IV abhängig sein zu müssen. Während andere das Geld für Reisen ausgeben würden, könne er sich das - noch - nicht leisten. „Ich muss erst einmal wieder Fuß fassen und ein paar kleine Summen zurückzahlen." Am Ende ist dem neuen Talent noch eines wichtiges: „Ich möchte allen, die für mich gestimmt haben, Danke sagen. Und ich wünsche allen ein ganz schönes Weihnachtsfest." Na dann. (sk)