Endlich ist es wieder soweit: RTL hat zehn abgehalfterte Ex-Promis zusammengekehrt und sie für ein paar Kröten in die Tiefen des australischen Dschungels verbannt. Mit dabei sind unter anderem Ex-Pornostar Michaela Schaffrath (‚Gina Wild’), der in die Jahre gekommene Schlagersänger Bata Illic und Musikproduzent DJ Tomekk. Die erste Folge konnte bereits trefflich in die Lektion einführen, die dem TV-Publikum erteilt wird: Fremdschämen für Anfänger.
Für alle Fernsehzuschauer, die sich mittlerweile nicht mehr daran erinnern können, woher sie die zehn Gesichter der potentiellen Dschungel-Könige noch gleich kennen, bot RTL eine das Gedächtnis auffrischende Vorstellungsrunde an. Das klingt eigentlich nach einem Job für das abgeklärteste Mitglied der Dschungel-Truppe, Björn-Hergen Schimpf, der immerhin die Neuauflage der Sendung „Was bin ich?" moderiert hat. Diese unbezahlbare Berufserfahrung übergehend, räumte RTL jedoch jedem mutigen Ex-Star selbst die Gelegenheit ein, sich der Kamera vorzustellen und seine Erwartungen und Befürchtungen mitzuteilen.
TV-SKURRILITÄTEN
Der Karriere-Sumpf
Da ist zum Beispiel die ehemalige Halbfinalistin von „Deutschland sucht den Superstar" Lisa Bund. Ein wenig aufgewühlt und mit der Wortgewandtheit einer Grundschülerin ließ Bund verlauten, dass die Zeit im Dschungel eine große Herausforderung für sie bedeute. Endlich könne sie beweisen, dass sie eben nicht die Zicke sei, für die sie in Dieter Bohlens Gesangstalent-Schmiede gehalten wurde.
Und als wäre diese einmalige Chance auf öffentliche Rehabilitierung nicht genug, verspricht sich die 19-jährige Lisa von der Show einen beruflichen Aufstieg in die Glitzerwelt der TV-Kameras. Denn eines sollte doch wohl jedem klar sein: „Das Dschungel-Camp ist ein Karriere-Sprungbrett". Darauf hofft wohl auch Lisas „Fanbase", deren Foto ihr als Kissenaufdruck Beistand im Camp leisten soll.
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Nichts für „Frischheitsverrückte"
Nicht ganz so optimistisch gab sich Profi-Tänzerin Isabel Edvardsson. Von den Kameraleuten bestens ausgeleuchtet, verlor sie ein paar bittere Tränen in Gedenken an ihren daheim gebliebenen Freund Markus. Und das, obwohl sich die furchtlose Dschungel-Truppe noch lange nicht im Dschungel befand, sondern im luxuriösen Hotel zum Stelldichein mit Sektfrühstück zusammentrat.
Schnell fängt sich Edvardsson wieder und gerät ins Plaudern über das wirklich Wichtige im Leben: „Ich bin Frischheitsverrückt". Deswegen nehme sie auch eine Schminkpalette und Pflegecreme mit in das Camp. Zum Pinkeln muss sie dann aber doch wie alle anderen auch auf das hygienisch eher bedenklich anmutende Plumpsklo.
Mutterglück und Schlägerei
Nachdem sich Barbara Herzsprung medienwirksam von ihrem Mann getrennt hatte, sucht auch sie nun eine neue Herausforderung. Diese will sie als selbsternannte Herbergsmutter gern annehmen. Das erste Opfer ihrer überschäumenden Mutterliebe dürfte dann wohl Lisa Bund sein, denn die habe im Gegensatz zur erfahrenen Designerin von Dirndl-Mode noch kaum Lebenserfahrung.
Probleme könnte Mama Herzsprung allerdings mit ihrem Leih-Sprössling DJ-Tomekk bekommen. Der selbstherrliche Hip-Hop-DJ charakterisierte sich selbst als besonders impulsiv und habe vor nichts im Dschungel Angst; nur davor, „jemandem auf die Fresse zu hauen". Ein Problemkind in Herzsprungs Familienidylle? Vielleicht sollte RTL gleich noch die hauseigene „Super Nanny" Katharina Saalfrank in den australischen Sumpf einfliegen lassen.
Paramilitärische Tuchfühlung
Nach einer vorerst letzten Nacht im luxuriösen Ambiente wurde die tapfere Mannschaft dann von zwei uniformierten Schreihälsen unsanft aus den Hotelzimmern abgeholt und zum Hubschrauberlandeplatz begleitet. Die Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow bezeichneten diese Serviceleistung bedeutungsschwanger als paramilitärischen Weckdienst.
Den RTL-Soldaten kam kurz vor dem Überflug in den Dschungel noch die Rolle zu, die zukünftigen Camp-Bewohner auf Schmuggelware hin zu filzen. Es muss nicht erwähnt werden, dass auch die Brüste von Michaela Schaffrath einer paramilitärischen Untersuchung bedurften. Entgegen ihren Gewohnheiten war es der als Gina Wild bekannt gewordene Ex-Pornodarstellerin jedoch erlaubt, ihre Bluse zugeknöpft zu lassen.
Alle Rollen verteilt
4,6 Millionen Menschen haben am Freitag zugesehen, wie Sonja Zietlow und Dirk Bach ihr Feuerwerk der Peinlichkeiten zündeten. 22,6 Prozent Markanteil sprechen dafür, dass RTL doch irgendetwas richtig gemacht haben musste. Und damit die Sendung im Laufe der nächsten zwei Wochen nicht an Zuneigung der TV-Gemeinde verliert, wählte RTL die Teilnehmer des Dschungel-Camps so geschickt aus, dass jeder auf seine Kosten kommen dürfte.
Das Theater-Ensemble ist komplett: Lisa Bund und das ehemalige „Bro´Sis"-Mitglied Ross Antony fechten miteinander aus, wer die größte Angst vor Ameisen hat und lauter schreien kann, wenn es brenzlich wird. Schlagersänger Bata Illic und Ex-Nationaltorhüter Eike Immel sind für die Mitleid-Schiene verantwortlich. Illic bricht bereits auf dem Weg zum Camp zusammen und muss ärztlich versorgt werden; Immel hat einen Hüftschaden und benötigt die Gage von RTL für eine Operation.
Michaela Schaffrath und Isabel Edvardsson spornen mit schmutziger Vergangenheit und langen Beinen das Durchhaltevermögen der Zuschauer an, und Barbara Herzsprung hängt das ganze Schauspiel gemeinsam mit Julia Biedermann in ein moralisch fundiertes Gerüst. Wer dann noch Lust auf ein bisschen Selbstüberschätzung eines vermeintlichen Nonkonformisten hat, freut sich auf weitere Höhepunkte der Männlichkeit mit DJ Tomekk.
Und wenn die beiden Camp-Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow mit Weisheiten wie „im Urwald gibt es keine Uhren, aber im Regenwald gibt es Regen" weiterhin so stilsicher und kompetent durch die Sendung führen, sollte der sinnbefreite Fernsehabend doch für weitere zwei Wochen gerettet sein.