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DSDS 2010: Menowin Fröhlich in aller Munde - und im TV top-begehrt

30.12.2010

Menowin Fröhlich war das größte Medienopfer 2010

DSDS-Finalist Menowin Fröhlich war der im Jahr 2010 von den alten Medien am meisten gegängelte Deutsche. Erst vom Springer-Flaggschiff und RTL gehyped, stießen ihn 'Bild' & Co schließlich publikumswirksam vom Medienthron, und brachten ihn um den sicher erscheinenden Castingshowsieg. Es bleibt ein fader Beigeschmack.

Wer mit 'Bild' im Fahrstuhl nach oben fährt, fährt mit dem Blatt auch wieder hinab: An niemandem hat Chefredakteur Kai Diekmann im Jahr 2010 bezüglich dieses geflügelten Wortes ein härteres Exempel statuiert als an Soul-Sänger Menowin Fröhlich.

Zu Anfang der diesjährigen Staffel der Castingshow 'Deutschland sucht den Superstar' berichtete die Boulevardzeitung regelmäßig über den talentierten Solo-Interpreten, und half ihm so, einen hohen Bekanntheitsgrad aufzubauen. Als der Ingolstädter jedoch begann, eine Mottoshow nach der anderen zu gewinnen, und das, wie sich später herausstellte, mit enormem Vorsprung, wendete sich das Blatt urplötzlich und radikal.

Unisono begannen 'Bild' und RTL, die abgesessene Gefängnisstrafe des Musikers in den Vordergrund zu kehren, und das Klischee des latent kriminellen "Ex-Knackis" zu schüren. Immer neue, schillernde Details aus dem vermeintlichen Leben des Bühnenstars schlachtete Deutschlands mächtigstes Medien-Gespann aus, um Menowin Fröhlich die Gunst des TV-Publikums zu nehmen.

In Zeiten des reinen Print- und TV-Journalismus hätte dies wohl das rasche Aus für den Live-Performer bedeutet, doch im Umfeld der neuen Mediengesellschaft, in der das Internet eine immer größere Bedeutung einnimmt, war dies nicht mehr so ohne Weiteres möglich. In den sozialen Netzwerkes des World Wide Web sowie bei unabhängig tickenden Blogs und Portalen regte sich offener Widerstand gegen die latent menschenverachtende, eklatant manipulative Berichterstattung von 'Bild' und RTL, die zu allem Überdruß bald auch noch eine Menge Imitatoren fand.

Allen voran bildete sich bei Facebook die 'Größte Menowin Fröhlich Fanseite' rasch zum Sprachrohr heraus, die Community zählt bis zum heutigen Tage über 140.000 Mitglieder. Hier und an vielen anderen Stellen im Netz bestärkten sich die Fans von Menowin Fröhlich in der Meinung, ihrem Benjamin werde Unrecht getan, und dokumentierten fortan alle Vorfälle rund um den Sänger minutiös.

Ihren verheerenden Höhepunkt sollte die mediale Schlammschlacht gegen den Musiker jedoch noch im Vorfeld des DSDS-Finales erreichen. Weniger als 48 Stunden vor dem TV-Happening veröffentlichte 'Bild' mit maximaler Wirkung eine Geschichte über angebliche Kokain-Vorwürfe, die mit Hinblick auf das anstehende Televoting auf Unentschlossene gemünzt war. Der Tiefschlag verfehlte seine Wirkung nicht: Zum ersten Mal im Rahmen der diesjährigen Staffel verfehlte Menowin Fröhlich knapp den Abendsieg - und somit auch den Gesamtsieg.

Im Nachhinein hagelte es noch weitere negative Schlagzeilen gegen den Fast-Superstar, eine nicht optimal verlaufene Partnerschaft mit dem österreichischen Baulöwen Richard 'Mörtel' Lugner tat das ihrige. Dennoch ließen sich viele empörte Fans nicht davon abbringen, beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen die 'Bild'-Zeitung einzureichen - wegen Verstoß gegen den Pressekodex.

Menowin Fröhlich - Fotos vom Auftritt in St. Gallen zur Gegendarstellung

Diese Beschwerde wies der Presserat allerdings zurück, wie ein Sprecher kürzlich gegenüber 'Europolitan.de' bestätigte. 'Bild' habe zwar klar Stellung bezogen, und gegen Menowin Fröhlich Stimmung gemacht. Dieses Prozedere sei jedoch vom deutschen Presserecht her gedeckt und entspreche der Pressefreiheit, weswegen das Gremium auch von einer Rüge absah.

Nichtsdestotrotz bleibt unterm Strich zu vermerken, dass die 'Bild'-Zeitung, und in ihrem Fahrwasser viele andere, einem jungen Künstler den Weg zum Erfolg mit dem steten und ständigen Verweis auf eine bereits abgegoltene Haftstrafe verbarrikadiert hat. Nicht musikalische Begeisterung für Kontrahent Mehrzad Marashi, sondern allein verbissene Negativberichte gegen Menowin Fröhlich gaben bei DSDS dieses Jahr den Ausschlag. Insgesamt ein Trauerspiel, währenddessen 'Bild' jedoch offen Einblick in die eigenen Methoden gewährt hat.

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Vor allem Zig-Tausende Jugendliche werden das Blatt dank dieses Vorfalls wohl nicht mehr lesen, sogar nicht mehr anrühren wollen. Auch das kann man, in den Augen der Redaktion von 'Europolitan.de', als Sieg der Pressefreiheit verstehen. Und zwar als Sieg der Freiheit, sich im Internet neue Medien zu suchen oder im Zweifel zu erschaffen. Als Sieg des freien und mündigen Bürgers, der zweimal nachfragt, bevor er die vorgefertigte Meinung der vermeintlichen 'Massenmedien' glaubt.

 

Foto-Copyright: (c) RTL / Stefan Gregorowius

Pflichthinweis: Alle Infos zu "Deutschland sucht den Superstar" im Special bei RTL.de: www.rtl.de/cms/unterhaltung/superstar.html

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (34)
Milla (01.01.2011 22:53)

@Elfi
Auch wenn die Rassimus-Leier zum zigsten Mal wiederholt wird, wird sie dadurch nicht wahrer.
Es ist beschämend und für die tatsächlichen Opfer von Rassismus und Verfolgung ein Schlag ins Gesicht, wenn sie mit MF in einen Topf geworfen werden.
Als Altersruhesitz lege ich Ihnen die Arktis rsp. die Antarktis wärmstens ans Herz.