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Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki bekommt Fernseh-Auszeichnung

17.10.2008KRITKERPAPST IN SEINEM ELEMENT

Marcel Reich-Ranicki erneut in Rage: TV-Programm ist "Dreck“

Am vergangenen Mittwochabend hat Marcel Reich-Ranicki offenbar erneut eine Wut-Rede gegen das „miserable TV-Programm in Deutschland“ gehalten. Nachdem er den Fernsehpreis öffentlich abgelehnt und Kritik an der Qualität des deutschen Fernsehens geübt hatte, hielt der Literatur-Papst vor den Mitarbeitern der ‚BHF’-Bank in Baden-Baden eine Rede.

„Es wurden bei der Verleihung Ausschnitte geboten mit irgendwelchen Clowns, irgendwelchem Unsinn, Blödsinn, Dreck, kompletter Dreck! So was wird gesendet jeden Tag. Ich dachte mir, was mach ich hier. Schließlich kam ich dran, weil ich gesagt habe, ich geh jetzt weg. Nein, nein, sagte der Intendant, um Gottes Willen, machen Sie uns keinen Skandal."

Deutschlands berühmtester Literaturkritiker ärgerte sich sehr über den Umstand, dass das Programm so schlecht ist. „Als wäre das Publikum eine Ansammlung von Idioten." Selbst wenn das Programm besser sei, sei es noch immer nicht gut. Die ernsten Stoffe würden von den Regisseuren „versaut".

In einem persönlichen Gespräch mit Thomas Gottschalk sprach sich der Literaturbegeisterte dafür aus, mehr Klassiker wie etwa die von Shakespeare zu verfilmen.

Selbst den Umstand, dass er im Anschluss an seine Fernsehkritik von einigen gelobt wurde, dass er Mut gezeigt habe, betrachtete Reich-Ranicki kritisch. „Was heißt denn „Mut gezeigt"? Man hat den Eindruck, heute regiert in Deutschland die Gestapo. Gehört Mut dazu, zu sagen, dass man das deutsche Fernsehen für schlecht hält? Ich habe Beifall bekommen für Banalitäten."

Im Gegensatz zu Elke Heidenreich war Marcel Reich-Ranicki der Ansicht, dass er seine Worte ernst gemeint habe und sich für nichts was er gesagt habe, entschuldigen werde. Die Moderatorin von „Lesen" hatte peinlicherweise anlässlich der Verleihung des „Hans-Bausch-Mediapreises", den sie am Dienstagabend lächelnd empfangen hatte, ihre vorhergehende Kritik: „Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten" entkräftet.  Seitdem liege sie manchmal abends im Bett und sage zu sich selbst: „Hättest Du bloß die Klappe gehalten".

Dass Marcel Reich-Ranicki nicht die Klappe halten wird und seinem Einsatz und der Kritik am deutschen Fernsehen nicht müde wird, bleibt zu hoffen. Wichtig wäre es, dass sich die Fernsehzuschauer, die seine Ansicht teilen, hinter ihn stellen. So bewegt man sich vom Status der alles schluckenden Couch Potatoe zum mündigen, kritischen Bürger. (lkl)

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