Am Donnerstag fiel bei Pro Sieben der Startschuss zur vierten Staffel von 'Germany’s Next Top Model', Überraschungen gab es bislang keine: Silikon-Brüste, spitze Bemerkungen aus den Reihen der pingeligen Juroren sowie der erste Schlagabtausch unter den Kandidatinnen machten die erste Folge der Castingshow aus. Neu dagegen ist, dass auch Supermama Heidi Klum nicht ungeschoren davonkam - der deutsche Modemacher Wolfgang Joop schoss sich mit allen verfügbaren Giftpfeilen auf die 34-Jährige ein.
Jetzt muss Deutschlands Vorzeigemodel Heidi Klum am eigenen Leib erfahren, wie es ist, von anderen Leuten ständig begutachtet und kritisch beäugt zu werden. Neben Modemacher Karl Lagerfeld hat der deutsche Designer Wolfgang Joop mit den kleinen, aber feinen Sticheleien auf höchster Ebene begonnen und via ‚Bild‘ zum Zickenkrieg in der Modewelt aufgerufen. Klum sei wie ein weißer Elefant oder der Mount Everest: „Einfach zu groß - und für einen normalen Mann schwer zu besteigen", stichelte Joop. Obendrein grinse die 34-Jährige „geradezu dümmlich", ließ der Mode-Zar verlauten. Das vernichtende Fazit des 63-Jährigen: Klum habe von allem zu viel und wirke zu grell, um als Vorzeigemodel auf dem Laufsteg gelten zu können. Unter dem Strich erinnere ihn die Freundin von Sänger Seal an einen „aufgepimpten Cadillac."
Heidi Klum
Harte Worte also, die der Modestar dem deutschen - und nach Meinung von Joop offensichtlich etwas zu gut ausgestattetem - Supermodel an den Kopf wirft. Doch letztere hat wahrlich keinen Grund, traurig zu sein. Gerade eben ist ihre erfolgreiche Castingshow auf ProSieben gestartet, in der sich Heidi Klum zusammen mit den Juroren Peyman Amin und Rolf Schneider auf die Suche nach dem schönsten Körper in ganz Deutschland macht. Und das Glück scheint der Gescholtenen hold zu sein: Mit durchschnittlich 3,92 Millionen Zuschauer erreichte die Auftaktsendung so viele Zuschauer wie noch nie zuvor, im vergangenen Jahr hatten nur 3,71 Millionen Menschen eingeschaltet. Nach Angaben des Senders entsprach die Donnerstagsquote damit einem Marktanteil von phänomenalen 13 Prozent.
Doch eigentlich ereignete sich im ersten Vorcasting in Düsseldorf nichts Ungewöhnliches: Aus den ersten 1104 Bewerberinnen wurden ganz schnell 45, nach einem Auftritt in knappen Bikinis waren es nur noch 25 Kandidatinnen und nach einem letzten Fotoshooting standen sie dann fest: Die 15 Girlies, die in der Messehalle in Düsseldorf ihrem Traum eines Supermodels einen Schritt näher gekommen sind und es in die nächste Runde geschafft haben. Insgesamt zwei Stunden und 15 Minuten dauerte das gesamte Prozedere. ProSieben zeigte wieder einmal mehr, warum der private Sender mit dem Spruch „We love to entertain you" werben darf.
Unterhaltung war nämlich durchaus vorprogrammiert. Während des „Pickings", also dem Auswahlprozess der Laufstegmodels in spe, erklärte Mama Klum, was die Kriterien für ein Weiterkommen ausmachen würden. Ein makellos gestählter Körper sei dabei nur das eine, Persönlichkeit, Aura und Präsenz würde jedoch die zweite Seite der Medaille ausmachen - oder kurz: „Das Gesamtpaket muss stimmen", wie Klum hilfreich als Messlatte vorgab.
Wie ernst es die Jury mit der Bewertung der inneren Werte meinte, zeigte sich dann kurz darauf, als Topmodel-Anwärterin Marina den Raum betrat. Die 24-Jährige konnte den bohrenden Fragen der Jury („Ist alles echt an dir? Was hast du machen lassen? Wie lange ist das her?") nicht standhalten, gab letzten Endes die Falschheit ihrer Brüste zu - und kam dennoch eine Runde weiter. Ein möglicher Erklärungsgrund: „Peyman ist richtig fixiert auf falsche Brüste", wie Rolf Scheider dem wissbegierigen Zuschauer erklärte. Ah ja, da kann Peyman zumindest bis zur nächsten Folge mal schön weiter starren.
Weiter wird es sicherlich auch mit dem Zickenkrieg zwischen Tessa und Ira gehen. Die beiden 21-Jährigen haben nämlich noch ein schwerwiegendes Problem aus der Welt zu schaffen: Sie sehen sich einfach zu ähnlich. Hinter diesem mysteriösen Umstand vermutet Tessa, dass Isa sich absichtlich eine neue Frisur zugelegt hat, um ihre unangefochtene Schönheit zu kopieren. Kratzbürstig schleuderte Tessa ihrer augenscheinlichen Konkurrentin entgegen, dass die ganze Situation sie „tierisch ankotze". Und weiter ging es mit dem hysterischen, aber sehr unterhaltsamen Anfall: „Ich hätte sie am liebsten in Stücke gerissen." Die Zeitung ‚Bild‘ nahm den emotionalen Auftritt dankbar auf und titelte tagsdarauf: „Hat Tessa einen Psycho-Knacks? Diskutieren Sie mit!"
Mitdiskutieren wollten aber auch die Juroren. Und so rätselte Casting-Direktor Rolf Scheider über die paranoiden Äußerungen in vorderster Front mit: „Ich würde sagen, sie hat ein bisschen Verfolgungswahn." Model-Agent Peyman Amin wollte das ganze nicht auf sich sitzen lassen und eruierte das sonderbare Verhalten noch einmal genauer: „Wenn du an ihr vorbei läufst, dann denkst du, da steht ein Spiegel?" - „Ja! Genau!", erschallte es erleichtert aus Tessas Mund. Vielleicht hätte jemand dem Mädchen erklären sollen, was der Unterschied zwischen dem eigenen Spiegelbild und einem lebenden Menschen mit einer ähnlichen Friseur ist. Aber auch trotz der Konkurrenz trumpfte Tessa schon einmal siegessicher auf. Im Casting habe sie sowieso noch niemanden gefunden, „der sich annäherungsweise mit mir messen könnte - ist leider so." Schon klar.
Nicht nur die Kandidatinnen, auch die Juroren konnten in der Auftaktfolge loswettern und sich verbal in höchstem Maße austoben. „Da musst du wohl noch ein paar Kaffee trinken", provozierte der Hobby-Psychologe Amin beispielsweise eine Kandidatin, die lustlos über den Laufsteg flaniert war. Für einen zusätzlichen Adrenalinstoß im nächsten Casting in München könnte der unumstrittene Hauptstar der Sendung selbst, nämlich Heidi Klum, sorgen, die am Donnerstag eher mit lästigen Wortversprechern als mit intelligenten Sätzen aufgefallen war.
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Wie wäre es mit einem heißen Striptease, den Heidis US-amerikanische Kollegin Tyra Banks in der amerikanischen Ausgabe von 'America's Next Top Model' letztens vorgelegt hat. Das nach ihren üppigen Formen und runden Hüften benannte 'Top-Moddel' entblößte dabei vor laufender Kamera ihre Brüste und streckte dem Kameramann genüßlich ihren Allerwertesten entgegen: "Jetzt könnt ihr meinen fetten Arsch küssen!" Mensch Heidi, das wäre doch einmal eine originelle Retourkutsche für den bösen, bösen Wolfgang.