Bei DSDS geht es immer weniger um die Musik und verstärkt um Zickenkrieg, ob vor oder hinter der Kamera, und Image. Denn trotz Buhrufen, Beleidigungen und Pfeifkonzert darf das „blonde Gift“, Annemarie Eilfeld, bleiben. Umso überraschender war, wer am Ende aus der ereignisreichen RTL-Show gewählt wurde.
Das Motto der dritten Show, die „größten Partyhits aller Zeiten" bringen zu wollen, brachte am vergangenen Samstagabend das RTL-Publikum zum Kochen. Dennoch kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es die privaten Stories der acht Kandidaten sind, die die Gemüter dauerhaft in Wallung versetzen. Dabei schält sich verstärkt eine gewisse Teilnehmerin als Show-Mittelpunkt heraus und kommt dadurch zu zweifelhaftem Ruhm. Die diesjährige Staffel der Casting-Show verwandelt sich nämlich gerade in eine öffentliche Treibjagd gegen die 18-jährige Annemarie.
Die Blondine spaltet die Nation. Ausschlaggebend war Konkurrentin Vanessa Civiello (17), die wegen ihr die Sendung verließ, nachdem ihre einstige Freundin ihren Bühnenauftritt kopiert hatte. Als nächstes auf der Opferliste folgte Kontrahent Holger Göpfert, der aus allen Wolken fiel, als das Biest in einem Einspieler verkündete, dass er nicht in die Show passe. Ihre schlichte Begründung: „Der Druck ist zu groß für ihn." Sprüche wie: „Die Bühne ist mein Schlachtfeld. Wenn es sein muss, kämpfe ich mit harten Bandagen", runden das Image ab. Die daraus resultierende Kritik an ihrer Person kommentiert sie so: „Jeder spielt die Rolle, die er bekommt. Ich bin halt die sexy Zicke." Und das Voting-Ergebniss gibt ihr Recht. Trotz nationaler Antipathie ist die Dessauerin weiter.
Es trifft Marc Jenzten, der am Sonntag beim Auszug aus der „Superstar"-Villa die Koffer packen musste. Bei seiner Darbietung von 'Celebration' (Cool & The Gang) stellte die Jury zwar im Vergleich zu vorangegangenen Performances eine Leistungssteigerung fest, trotzdem wird er wegen seinem Outfit von Nina Eichinger abgemahnt. Er solle bloß nicht wieder, „so ein schreckliches Hemd" anziehen. Gewohnt ironisch fügte Dieter Bohlen seiner Wertung hinzu, dass Marc sich mit seinem energiegeladenen Auftritt wohl eine satte Auszahlung der Pendlerpauschale sichern könne.
Souverän hingegen sang Sarah Kreuz Gloria Gaynors 'I will survive' und sicherte sich dank fester Stimme und glamourösem Gold-Kleid das Weiterkommen - auch wenn die Textsicherheit nicht zu 100 Prozent gegeben war. Ebenso überzeugend war Daniel Schuhmachers 'Sweet Dreams'-Version. Die Eurythmics-Nummer ist ihm, laut Chefjuror Bohlen, „täuschend echt" gelungen. Schlagerfan und Stimmungskanone Vanessa Neigert brachte mit 'Ich will nen Cowboy als Mann' von Gitte nicht nur die Menge zum tanzen. Auch ihr Vater, den sie seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatte, und der nun im Publikum das Geschehen mitverfolgte, war sichtlich stolz auf seine Tochter. Teenie-Idol Dominic Büchele blieb der ihm angestammten Rolle treu und gab mit 'Reality' von Richard Sanderson den Schnulzenbarden. Als 'langweilige Hasenmusik' hakte ein unerbittlicher Bohlen die Performance jedoch ab. Ungewohnt positiv dagegen die Bewertung für den schwulen Ex-Friseurazubi Benny Kiekhäben. Dieser habe bei Haddaways 'What is love' alle Töne getroffen. Das entschädigte ihn wahrscheinlich auch für den Verlust seiner Dritten. Die seien ihm nämlich bei der Betrachtung der bedingt erotischen Photos von Benny und dessen bestem Freund für die Bild-Zeitung ins Müsli gefallen.
Mit Spannung war Annemaries Auftritt erwartet worden. Bei ihrer Anmoderation erklang dann ein Meer aus Buhrufen und Pfiffen. Dennoch oder gerade deswegen zog sie unbeirrt ihren Nena-Song '99 Luftballons' durch, um dafür dann danach ein niederschmetterndes Urteil seitens des Hit-Produzenten zu ernten. Dieser stellte sich auf die Seite des Publikums und prophezeite, wer solch eine negative Reaktion beim Publikum hervorrufe, habe nicht das Zeug zum Superstar.
Und so kommt es, dass in der Entscheidungsshow neben der Blondine und Marc auch Vanessa und Benny vorne stehen. Als es um den Einzug in die nächste Sendung ging und nur noch das Bandmitglied von Part Six und die Riesenzicke übrig blieben, bangten letztlich die beiden schärfsten Konkurrenten um den verbliebenen Platz. "Du kommst weiter. Die hassen mich viel zu doll", hört man die Blondine wispern. Doch an diesem Abend kommt es zu einer Überraschung. Annemarie bleibt.
Das Rahmenprogramm von RTL bot darüber hinaus einen stolzierenden Runway-Auftritt von Bruce Darnell. Der Mode-Kenner wurde von Bohlen persönlich dazu abgestellt, aus Sarah die "Diva von Deutschland" zu machen und hat für "Bewegung, Englisch, alles" nun eine Woche Zeit. Auch mit dabei war Jürgen Drews, der in der Zuschauermenge saß. Der 'König von Mallorca' unterstützte Vanessa und kündigte an, mit ihrer Hilfe Deutschlands Jugend in Schlagerfans verwandeln zu wollen.
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Alles in Allem ein bunter Show-Abend mit Wortneuschöpfungen à la Nebenjuror Volker Göpfert. dem zu Sarah Auftritt „Megahammerriesenleistung" einfiel, sachlichen Bewertungen von Bohlen, der Annemarie als „everybody's Arschloch" einordnete, und tanzähnlichen Einlagen von Holger Göpfert, der trotz unkoordiniertem Bewegungsablauf „Queen lebt". Meinte zumindest Nina Eichinger nach seiner 'We are the Champions-Darbietung. Das Konzept der Massenunterhaltung geht dank schillernder Charaktere und angestachelter Fans auf. Schließlich muss das Format in aller Munde und der Sender im Quoten-Himmel bleiben.