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'Bauer sucht Frau' auf RTL: Aber erntet er auch die dickste Kartoffel?

15.12.2008TABUBRUCH SOLL QUOTE STEIGERN

Bauer sucht Frau - oder Mann: Erster schwuler Bewerber für Kuppelshow

Nachdem RTL mit der landwirtschaftlich angehauchten Kuppelshow 'Bauer sucht Frau' mit Hilfe der gerade zu Ende gegangenen Staffel spektakuläre Quotenerfolge erzielen konnte, wollen die Organisatoren im kommenden Jahr noch einen drauflegen, und es auch homosexuellen Männern ermöglichen, via TV nach dem Partner fürs Leben zu fahnden. Obwohl es bereits einen ersten Bewerber gibt, herrscht in der Schwulenszene über den Einfall nicht nur Begeisterung.

Wie auf dem Präsentierteller brachte die 'Bild'-Zeitung am vergangenen Freitag den ersten homosexuellen Landwirt, der sich für die nächste Staffel bei 'Bauer sucht Frau' bewirbt: Der 34-jährige Marco aus dem Münsterland ("lebenslustig, blond und schlank") erklärte sich von der neuen Möglichkeit ganz angetan. Für ihn käme die Gelegenheit wie gerufen, schließlich sei er bereits seit acht Jahren Single: "Ich bin es leid, dauernd allein zu sein", verkündet der Tierwirt und Geflügelzüchter den interessierten Leser des Boulevards.

Bei der Angabe von Gründen wird es zuerst persönlich: "Ich vermisse die Nähe, die Zweisamkeit, das Gefühl, von einem Mann geliebt zu werden", do er Bewerber. Doch auch die weiterhin auf dem Lande anhaltenden Vorurteile gegenüber Marco motivieren den Bauer zu dem Gang in die Öffentlichkeit: "Hier gibt es immer noch Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Deshalb haben auf dem Land viele Männer Angst, sich zu outen."

Die Fernsehshow also als Möglichkeit, der dörflichen Enge zu entfliehen? RTL-Sprechern Maren Mossig bestätigte im Gespräch mit dem medienmagazin dwdl.de jedenfalls, dass es homosexuellen Männern ab der kommenden Staffel gestattet sein wird, sich als Teilnehmer zu bewerben. Eine erste Reaktion als Leserkommentar auf dem Online-Auftritt des 'Münchener Merkur' gibt sich begeistert: "Ich finde es ganz toll. Würde gerne einen schwulen Bauern kennen lernen. Wäre schön, wenn es zu einer TV Sendung kommt. Evtl. sehe ich ja den Bauern sprich Mann des Lebens."

Auf dem Szene-Forum Boypoint.de gehen die Meinungen zu dem Thema auseinander. Zum einen wird zwar das geringe Niveau der Sendung angeprangert ("man son Dreck"), zum anderen gibt es aber durchaus Stimmen, die in der Maßnahme eine Möglichkeit sehen, für mehr menschliche Akzeptanz zu werben: "Mir ist zwar auch bekannt, dass das alles nur zur Bereicherung des senders gedacht ist. Aber ich find es auch gut, dass die Homosexualität nicht ganz aus dem deutschen Fernsehern bleibt."

Dem pflichtet ein weiterer User zu: "Die Sendung an sich stelle ich persönlich mir total schrottig vor, aber wir sollten froh sein, über jedes bisschen Anteil Homosexualität in den großen Fernsehsendern abseits von CSD-Berichten und dieser Tuntenfamilie aus Berlin. Einfach Deutschland mal zeigen, dass Schwule weder grundlegend rosa sind, noch pädophil sind, noch generell nicht existieren."

Andererseits besteht jedoch auch die Angst, Klischees könnten verstärkt werden und die schwule Community vielleicht sogar der Lächerlichkeit preisgegeben werden: "Wird daraus allerdings wieder eine Sendung, die Klischees bedient, brauchen wir die definitiv nicht." Und: "Wenn es eine Sendung ist, die total überfüllt mit Klischees ist, und nur Schwulsein ins absurd Lächerliche zieht, wäre das eine ganz schöne Gemeinheit von RTL, die ich mir mit Sicherheit dann nicht anschauen würde."

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Bauer Marco teilt diese Bedenken allerdings nicht: Ich hoffe, dass ich mithilfe von RTL schon bald einen Mann finde, dem ich die schönen Seiten des Landlebens zeigen kann." Allerdings ist auch Marco in der 'Bild'-Zeitung so präsentiert worden, als sei man bei der Fleischbeschauung: "1,70 Meter, 58 Kilo", ergänzt ein gewissenhafter Redakteur bei der Beschreibung des Möchtegern-Bewerbers. (mso)

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