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26.02.2008PREMIÉRE DAME IM WARTESTAND

Carla Bruni kann noch nicht rüpeln - Sarkozy macht's ihr vor

Die medialen Ohrfeigen saßen: Sichtlich angespannt absolvierte Carla Bruni an der Seite von Nicolas Sarkozy am vergangenen Samstag ihren ersten öffentlichen Termin in der Rolle der Première Dame. Geladen waren die sechs Kinder der entführten Ingrid Betancourt. Ihre Mutter befindet sich seit genau sechs Jahren in der Gewalt der kolumbianischen FARC-Guerilleros. Anstelle von mitfühlenden Blicken gab es von Seiten des Ex-Models allerdings nur ein verkrampftes Lächeln und verschränkte Arme.

Kein Wunder, dass ihr Präsidentengatte später am Tag direkt ausflippte - und einen Rentner am Rande einer Landwirtschaftsmesse grob beleidigte.

Wie ein Fremdkörper wirkte Carla Bruni-Sarkozy neben Nicolas Sarkozy auf dem gelben Belle-Epoque-Sofa. In eisernes Schweigen gehüllt, schienen sich die Peinlichkeiten der jüngsten Titelbilder und Schlagzeilen fast bildhaft vor ihr aufzutürmen. So leger und verführerisch Bruni auf den Ägypten-Fotos noch neben ihrem damaligen Verlobten wirkte, so unbeholfen und hilflos tritt sie jetzt auf. Die Kamera aus dem Augenwinkel fast beschämt beäugend wirkt Carla Bruni-Sarkozy wie eine Praktikantin bei ihrem ersten Arbeitstag - und nicht wie eine Frau, die um die Geschicke einer Nation besorgt, und zugleich elegant genug ist, diese Bürde mit Fassung zu tragen.

Das gewählte Outfit straft die gewollt lässige Intention Lügen - ganz in Schwarz hat sich Carla Bruni gehüllt, allerdings nicht in Abendgarderobe, wie man es von Politikergattinnen landauf landab gewöhnt ist, sondern in einer existenzialistisch anmutenden Hosen-Blusen-Kombination, die verdächtig nach Streetwear aussieht. Wie bei der Beerdigung eines engen Angehörigen anwesend wirkt die Bruni - und nicht wie die Hoffnung einflößende Gastgeberin von Gesprächspartnern, die eben die Beerdigung ihrer eigenen Mutter nach Kräften zu vermeiden trachten.

Wie gewohnt nichts peinlich ist hingegen Nicolas Sarkozy, der sich ganz offensichtlich über die merkwürdige Deplatziertheit seiner Lebensabschnittsgefährtin einfach hinwegsetzt, indem er sie ignoriert, und lässig-larmoyant mit den Leidtragenden einer furchtbaren Entführungstortur parliert. Ein Gentleman sieht anders aus - ein talentierter Berufspolitiker wohl allerdings exakt so.

Carla Bruni-Sarkozy
15 Bilder

Ganz wohl muss dem Präsidenten in seiner Haut letztlich aber doch nicht gewesen sein. Dünnhäutig reagierte er später am Tage auf die Provokation eines Rentners ("Rühr mich nicht an!") stilecht mit dem Ausbruch "Dann hau doch ab!". Auf die Erwiderung "Du beschmutzt mich" wusste Sarkozy noch "Dann verschwinde doch, armer Depp!" hintanzufügen. Das ganze von Fernsehkameras festgehalten, und seitdem bei Youtube heiß begehrt. Bezeichnenderweise stieß Sarkozy die Beleidigungen zwischen den Zähnen hervor, während ihn sein Dauerlächeln nie verließ.

Wie wohl die 1,5 Millionen Zuschauer bei Youtube darüber denken? Egal - in jedem Fall ein weiterer erfolgreicher Tag im Leben des Nicolas S. Denkt er zumindest. (mso)

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