Der übliche Hollywood-Kitsch hat am gestrigen Sonntagabend ganz schön alt ausgesehen: Bei der Oscar-Gala hieß der große Gewinner des Abends mit acht Goldstatuen 'Slumdog Millionär'. Der mit Hilfe nur geringer finanzieller Mittel gedrehte Film erzählt die Geschichte eines armen indischen Jungen, der bei der örtlichen Quizshow 'Wer wird Millionär?' zunächst gewinnt und später des Betrugs bezichtigt wird. Der Film obsiegte unter anderem in den Kategorien Bester Film und Bestes Adaptiertes Drehbuch.
Der britische Filmemacher Danny Boyle nahm darüber hinaus für sein Wirken die Auszeichnung als Bester Regisseur entgegen. In seiner Dankesrede überschlug sich der Engländer förmlich mit Lobeshymnen auf seine Mitarbeiter, seine Familie und die Menschen aus der indischen Stadt Mumbai, in der 'Slumdog Millionär' spielt. Sogar die Organisatoren der im Los Angeler Kodak Theatre stattfindenden Veranstaltung lobte Boyle mit den Worten: "Ich weiß ja nicht, wie es im Fernsehen aussieht, aber hier im Saal ist es wunderschön."
Star-Aktrice Kate Winslet kam ebenfalls zum Zug, nachdem sie in der Vergangenheit schon fünf Mal um den Titel der Besten Schauspielerin angetreten war, und bis jetzt jedes Mal leer ausging. Ihre Rolle in 'Der Vorleser' brachte ihr nun den lang ersehnten Oscar in der Königinnenkategorie Beste Schauspielerin ein. Während die 33-Jährige oben auf der Bühne stand und ihren Goldmann fest umklammert hielt, teilte sie der Welt mit, dass sie bereits seit 25 Jahren für diesen Augenblick probt: Als 8-Jährige habe sie vor dem Badezimmerspiegel gestanden und das perfekte Lächeln geübt.
"Ich habe eine Shampooflasche als Preis genommen", erinnerte sich Winslet an ihren Kinderoscar, und lacht: "Nun, jetzt ist es kein Shampoo mehr! Ich fühle mich überglücklich, es bis hierher geschafft zu haben." Vor der Show hatte die Aktrice erzählt, dass sie ihre kleine Tochter Mia (8) um Rat in Sachen Rede gebeten habe. "Ich habe meiner Tochter gesagt: 'Was denkst du sollte ich sagen, falls ich den großen Preis gewinne?', und sie meinte: 'Ich finde, du solltest voll ausflippen und emotional sein.'" Weil Winslet aber nach ihrer Dankesrede bei den Golden Globes gerade ihrer emotionalen Ader wegen kritisiert worden war, schlug die Britinn die Anregungen ihrer Tochter in den Wind. Sie lacht: "Ich dachte mir nur: 'Du hast keine Ahnung!'"
Eine große Überraschung war der Sieger in der Kategorie 'Bester Schauspieler': Allen Erwartungen zum Trotz holte Sean Penn für seine Rolle als schwuler Politiker Harvey Milk im Biopic 'Milk' den Oscar. Um sich gebührend zu bedanken, scherzte der als Holywood-Badboy, die Academy sei eine Gruppe von "Waffenfreunden, die Kommunisten und Schwule liebt".
Wie von vielen vorhergesagt bekam hingegen der tote Australier Heath Ledger posthum den Oscar als Bester Nebendarsteller für seine Interpretation des Jokers in 'Batman - The Dark Knight'. Ledger war vor genau 13 Monaten im Alter von 28 Jahren an einer versehentlichen Überdosis Medikamenten und Drogen gestorben, und leblos in seinem New Yorker Appartement aufgefunden worden. Seine Familie nahm den Preis an seiner Stelle entgegen.
In der weiblichen Nebenrolle machte die brünette Star-Spanierin Penelope Cruz das Rennen: Sie bekam für ihre Rolle in Woody Allens Komödie 'Vicky, Cristina, Barcelona' die begehrte Trophäe. Cruz nutzte ihren kurzen Moment auf der Bühne, um allen zu danken. "Ich werde Woody jetzt anrufen. Ich rufe ihn manchmal nur an, um 'Hallo' zu sagen. Ich vergöttere ihn", erklärte Cruz, und ergänzte: "Er ist so witzig und charmant und seltsam und einzigartig. Heute muss ich ihn natürlich anrufen, um mich bei ihm zu bedanken."
Obwohl Brad Pitt mit 'Der seltsame Fall des Benjamin Button' trotz 13 Nominierungen nur drei Oscars in Nebenkategorien gewann, und seine Lebensgefährtin Angelina Jolie mit 'Der fremde Sohn' gänzlich leer ausging, kamen beide zu dem Megaevent.
Auch das gerade erst geoutete Promi-Pärchen Freida Pinto und Dev Patel aus 'Slumdog Millionär'-Pärchen war da, sowie Souldiva Beyonce Knowles und Hollywood-Veteranin Sharon Stone. (mso)
Wichtigste Gewinner der 81. Oscar-Verleihung auf einen Blick:
Bester Film: 'Slumdog Millionär'
Beste Hauptdarstellerin: Kate Winslet, 'Der Vorleser'
Bester Hauptdarsteller: Sean Penn, 'Milk'
Beste Nebendarstellerin: Penelope Cruz, 'Vicky Cristina Barcelona'
Bester Nebendarsteller: Heath Ledger, 'The Dark Knight'
Beste Regie: Danny Boyle, 'Slumdog Millionär'
Bestes Adaptiertes Drehbuch: Simon Beaufoy, 'Slumdog Millionär'
Bestes Original-Drehbuch: Justin Lance Black, 'Milk'