Vom 26. bis 31.Oktober finden in Hof die 44. Filmtage statt. Dann macht die (H)ome (O)f (F)ilms, wie sich die Oberfränkische Stadt bezeichnet, ihrem Namen alle Ehre. Zwischen Würstlbuden und Kinos der malerischen Altstadt werden sich internationale Filmschaffende wieder unter Filmfans und Einheimische mischen.
Cannes, Berlin oder Venedig. Alle schwärmen von den Großen. Dort ist das internationale Staraufgebot groß - speziell das aus Hollywood. Ebenso das Schaulaufen. Doch meist sind die Spielstädten hermetisch abgeriegelt. Von Pressekonferenzen oder Interviews mit Stars wie Leonardo DiCaprio und Co. kriegen Besucher - wenn überhaupt - nur draußen auf Großleinwänden - oder im Fernsehen mit.
Im Oberfränkischen Hof dagegen ist alles anders. Unter den Filmschaffenden und -fans zählen die internationalen Hofer Filmtage zu den wohl persönlichsten und familiärsten Filmfesten. Nicht nur in ganz Deutschland. Wo auch sonst trifft man Wim Wenders nach dem Kino an der Bratwärscht-Bude? Oder kann mit Regisseuren, Schauspielern oder Produzenten über ihre Filme nach der Vorstellung gemütlich fachsimpeln?
Leider gehört Hof mit einer Durchschnittstemperatur von lediglich 6,5°C zu den kälteren Regionen Deutschlands. Auch Nebel zeigt sich gerne, oft und viel außerhalb der üblichen Jahreszeiten. Doch während der sechs Tage des Filmfestes blüht die Stadt regelrecht auf und taucht die regnerischen, grauen Herbsttage in ein buntes Treiben. Das Leben während der Filmtage spielt sich zumeist zwischen den beiden Kinos Scala in der Altstadt und Central in der Fußgängerzone ab, an dessen gut besuchten Würstchen-Bude man sich gerne sehen lässt. Apropos Würstchen: Als eins der Markenzeichen von Hof gilt der sogenannte Wärschtlamo (Würstchen-Mann), der traditionell in der Altstadt steht und direkt aus einem Kessel seine „Wienerla" und „Bauern" anbietet.
Zu verdanken sind die Filmtage drei Initiatoren: Uwe Brandner, Heinz Badewitz und Werner Weinelt. Allesamt Mitglieder der Hofer „Jazz Group". In den Sechzigern lebten Badewitz (bis heute der Festivalleiter der Filmtage) und Brandner in der Bayerischen Landeshauptstadt München und drehten Kurzfilme. Allerdings gestaltete es sich schwierig, dort auch Spielstätten zu finden, die ihre Filme zeigen wollten. Eine Alternative musste also her: Dank der guten Kontakte von Badewitz zu den Kinobetreibern seiner Heimatstadt Hof, wurde im Jahr 1967 das erste Hofer Kurzfilmfestival ermöglicht, aus denen die heutigen Hofer Filmtage entstanden sind.
Seitdem geben sich dort deutsche Filmgrößen wie Werner Herzog, Doris Dörrie, Werner Achternbusch oder auch der kürzlich verstorbene Christoph Schlingensief die Klinke in die Hand. Doch auch internationale Regisseure wie Peter Jackson („King Kong", „Herr der Ringe") haben die Filmtage bereits mit ihrer Anwesenheit beehrt.
Hof besticht durch eine wilde Film-Mischung quer durch alle Genres. Ob Dokumentationen, Low-Budget-Filme oder Hochglanzproduktionen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Oftmals finden die dort gezeigten cineastischen Perlen ihren Weg sogar in das reguläre deutsche Kinoprogramm: Filme „13 Semester", „Sin Nombre", „Mademoiselle Chambon" oder „Der fantastische Mr. Fox" waren 2009 Festivalteilnehmer.
Eines der Spektakel, der die Filmtage als Rahmenprogramm begleitet, ist das traditionelle Fußballspiel zwischen der FC Filmwelt (eine von Badewitz eigens zusammengestellte Auswahl an Produzenten, Schauspielern und Regisseuren) und dem FC Hofer Filmtage (bestehend aus Mitwirkenden und Fans). Dieses Jahr findet das Spiel am Samstag, den 30. Oktober, um 10.30h auf dem Platz der "Freien Turnerschaft" am Theresienstein statt.
Während der Filmtage werden auch renommierte Preise verliehen. Neben dem „Filmpreis der Stadt Hof" oder dem „Preis für das beste Szenenbild" wartet auf die Teilnehmer auch der „Eastman Förderpreis für Nachwuchstalente" oder der „Förderpreis Deutscher Film" von der HypoVereinsbank, BavariaFilm und Bayerisches Fernsehen.
Die diesjährige Retrospektive ist Regisseur Bob Rafelson („Wenn der Postmann zweimal klingelt") gewidmet, die er vor Ort präsentieren wird. Neben zahlreichen deutschen Filmen wie das Erstlingwerk „Das Lied in mir" (Eröffnungsfilm) oder "Der Mann, der über Autos sprang" mit Robert Stadlober und Jessica Schwarz, ist auch der europäische Film stark vertreten: Gleich sieben Filme, darunter "Tournée" von Matthieu Amalric, kommen aus dem Nachbarland Frankreich. Aber im Programm findet man auch Filme aus Österreich (Peter Kerns "King Kongs Tränen"), Großbritannien (unter anderem "Brillant Love"), Schweiz ("Sounds and Silence" von Norbert Wiedmer) und sogar Grönland ("Nuummioq").
Das internationale Programm bietet des Weiteren Filme aus Australien ("Matching Jack"), Hong Kong ("Guang Ban / Sun Spots"), Neuseeland ("After the Waterfall" von Simone Harrocks), Peru ("De Ollas y Sueños / Cooking up Dreams") und USA (Beach-Party-Film "Vacation!").
2010 wartet auf Filmfans also wieder ein buntes Potpourri aus der internationalen Filmwelt. Und bestimmt auch ein paar Wärschtla aus dem heißen Kessel...
Weitere Informationen: www.hofer-filmtage.de