"That’s all!": Dieser Ausspruch der bitterbösen Magazinchefin Meryl Streep ist das Signal für schlotternde Lakaien, schleunigst das Weite zu suchen: Ihre Assistentin Anne Hathaway soll für sie das Unmögliche möglich machen.
"Der Teufel trägt Prada" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Lauren Weisberger, die mit dem Roman ihre eigenen Erfahrungen als Assistentin der berüchtigten Chefredakteurin der amerikanischen 'Vogue', Anna Wintour, zu Papier gebracht hat.
Die 56-jährige Wintour hat sich ihren Ruf in der Modebranche redlich verdient. Bereits zu ihrer Schulzeit in England fiel sie wegen ihres extremen Stilempfindens auf: Angeblich soll sie, vor die Wahl gestellt, die Länge ihres Rockes den Gepflogenheiten einer britischen Privatschule anzupassen oder nicht mehr wiederzukommen, die höhere Bildung an den Nagel gehängt haben.
Reelles Miranda-Vorbild
Wintour zog den Job in einem Londoner Designerladen vor. Als Spross einer gut situierten Amerikanerin und des einflussreichen „Evening Standard“-Chefredakteurs Charles Wintour musste sich Anna um ihre Zukunft wenig Gedanken machen. Papa sorgte dafür, dass seine Tochter beim „Harpers & Queen“-Magazin unterkam. Condé Nasts damaliger Creative Director Alexander Lieberman wird schließlich auf die junge Redakteurin aufmerksam und lädt sie zu einem Gespräch mit der „Vogue“-Chefredakteurin Grace Mirabella ein. Als diese die Bewerberin fragt, welchen Posten sie bei dem Magazin anstrebe, gibt die nur zurück: „Ihren.“
Auch “Sex and the City"-Regisseur David Frankel kennt das reelle Miranda-Vorbild und hat sich bei der filmischen Umsetzung des Weisberger-Buches an seine Erfahrung aus dem wirklichen Leben in der Modestadt New York gehalten. Seine Handschrift ist bei der Verfilmung von “der Teufel trägt Prada” unverkennbar: Wie bei seiner Erfolgsserie inszeniert er den Big Apple als “Arena der Eitelkeiten”, in der es vor allem auf das richtige Label ankommt und das abwertende Lippenkräuseln einer diabolisch süffisanten Meryl Streep, stellvertretend für einen abwärts gerichteten Daumen, gesellschaftlich über Leben und Tod entscheidet.
Hässliches Entlein wird Modeschwan
Der eigentliche Plot des Films ist nicht wirklich neu: Als graue Maus bekommt Andy Sachs (Anne Hathaway) einen Job als Miranda Priestlys (Meryl Streeps) Assistentin bei “Runway”, DEM Kult-Magazin der New Yorker Fashionszene. Die Arbeit soll ihr die Türen zur Welt ihrer Träume öffnen: Die College-Absolventin möchte eigentlich als seriöse Journalistin Karriere machen. Doch während die superschlanken Fashion-Diven bei “Runway” mit ihren Pfennigabsätzen durch die Hallen des Hauptquartiers der Zeitschrift in Manhattan klappern, fühlt sie sich zuerst ziemlich fehl am Platze.
Außerdem ahnt Andy, als sie den Job, für den Millionen Frauen morden würden, bekommt, noch nicht, welche Hölle ihr bevorstehen wird: Mirandas Assistentin zu sein bedeutet vierundzwanzig Stunden am Tag für sie da sein, ihre Launen ertragen zu müssen und ihre kaum zu bewältigenden Aufgaben erledigen müssen (zum Beispiel das noch nicht erschienene “Harry Potter”-Buch zu besorgen oder trotz Hurricane einen Rückflug für Miranda zu organisieren).
Doch langsam gelingt es der naiven Andy, sich Respekt zu verschaffen: Sie verwandelt sich, mit der Hilfe des Magazin-Stylisten Nigel (Stanley Tucci), vom drögen Aschenputtel in eine strahlende Modeikone. Sie lernt es, Smalltalk zu halten, und trägt teure Designerkleidung. Doch je mehr sie das Leben mit Mirandas Augen sieht, um so mehr begreift sie, dass Mirandas Welt zwar eine fantastische, aber vor allem äußerst einsame ist. Sie muss sich entscheiden, auf was es ihr im Leben wirklich ankommt.
Streep in Topform
Schon zu Beginn, wenn Miranda aus funkelnden Augen der armen Andrea beim Vorstellungsgespräch einen Blick zuwirft, der eine Mischung aus Mitleid, frostiger Arroganz und Verachtung ist, schafft es Meryl Streep mit dieser einen Geste, den Charakter der Chefredakteurin vollständig und treffend zu erklären. Es gelingt ihr, die Magazin-Chefin selbst in einer Situation, als diese ungeschminkt und am Ende ihrer Kräfte ist, sie dennoch gleichsam gefasst, berechnend und Furcht einflößend wirken zu lassen.
Meryl Streep ist der unangefochtene Star des Films. Neben ihr verblasst die eigentliche Protagonistin Anne Hathaway (“Plötzlich Prinzessin”) und tritt in den Hintergrund: Die 0815-Hollywood-Geschichte bildet lediglich den Rahmen für die schauspielerische Leistung einer Meryl Streep in Topform. Schon allein deshalb ist “der Teufel trägt Prada” einen Kinobesuch wert. Aber auch Fans der in bewährter “Sex and the City”-Manier zusammengestellten Patricia-Field-Outfits dürften dank unzähliger Kombinationen und Entwürfe, die die 62-jährige Stylisten für den Film abgeliefert hat, auf ihre Kosten kommen. “That’s all!”