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Bushido klopft Sprüche - und Hunderttausende fallen drauf rein

30.09.2008NEUE VORBILDER?

Bushido klopft Sprüche - und Hunderttausende wollen sie hören

Ganze 430 Seiten hat Ansi Mohammed Ferchichi alias Bushido zusammen mit seinem PR-Berater Lars Amend mit Prahlereien gefüllt. Denn schließlich ist Bushido Deutschlands erfogreichster Rapper. Doch nicht immer haben Erfolgsmeldungen ihn bekannt gemacht: Sehr oft sogar trat er wegen negativer Schlagzeilen in den Blick der Öffentlichkeit. So landeten auch mehrere seiner Alben 2006 wegen Sexismus, Rassismus und Gewaltverherrlichung auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.

Bushido ist Deutsch-Tunesier und stammt aus Berlins Problembezirk Tempelhof. Er war in minderjährigem Alter bereits als Drogenhändler tätig. Ein Richter ersparte ihm jedoch die Haftstrafe und schickte ihn in ein Heim, um dort eine Malerlehre zu absolvieren.

Seine Memoiren beginnen mit „Für Mama" und enden mit den Worten „Danke, Mama!" Bushidos Mutter konvertierte mit 19 Jahren zum Islam und heiratete einen Diplomaten aus Tunesien, der dann trank und sie verprügelte. Als Bushido vier Jahre alt war, trennte seine Mutter sich schließlich vom Vater. Als der spätere Rapper 14 war, spendierte sie ihm 450 D-Mark für den Drogenhandel und finanzierte später seine Rap-Karriere mit. Man könnte sie als alleinerziehende Unterschichtsmutter bezeichnen.

Ist es womöglich dies, was die Menschen so fasziniert: Wie aus einem ehemaligen Straftäter ein mehrfacher Millionär geworden ist? Seine Literatur, wenn man das eher schlecht geschriebene Buch so nennen möchte, ist durchzogen von Gewalt, Sex, Geprahle und Abrechnungen. Es wird versucht, mit ehemaligen Klassenkameraden und Frauen, die ihn abservierten, abzurechnen. Dabei hat man eher den Eindruck, es handle sich um das hektische Flattern eines verletzten Hahnes, als um einen Mann.

Die Frauen in Bushidos Buch werden offenbar zwei Lagern zugeteilt. Auf der einen Seite stehen die Schlampen, auf der anderen die Heiligen, wie etwa seine Mutter. Für Zwischentöne bleibt kein Raum. Da wagt man zu fragen, was denn aus dem Land der Dichter und Denker geworden ist, wenn solch eine Schrift auf Platz 1 der Bestsellerliste landet.

Letzte Woche wurden bereits 70 000 Exemplare verkauft. Im Zeitalter des Voyeurismus sieht mancher sich vielleicht gerne die Abgründe und die Dummheit anderer an. Außerdem ist Bushido eine öffentlichkeitswirksame Person, die auffällt. Es ist natürlich auch möglich, dass hier ein Modell vorgezeichnet wird, wie eine kriminelle Person aus der Unterschicht es schaffen konnte, mehrfacher Millionär zu werden, indem er gegen jegliche zwischenmenschlichen Regeln verstieß. Hier wird ein patriarchaler Möchtegern-Heros dargestellt, der sich nimmt, was ihm die Gesellschaft vorenthält: Sex, Geld und Spaß.

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Seine Lebensphilsophie kommt am besten in seinen eigenen Worten zur Geltung: "Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen, warum so wenige Menschen die Eier haben, zu ihrer Meinung zu stehen, auch öffentlich. Man kann über Dieter Bohlen denken, was man will, aber er ist einer der wenigen, die wirklich sagen, was sie denken. Dafür bekommt er meinen vollsten Respekt." (lkl)

Bushido mit Lars Amend Bushido. Riva Verlag, münchen 2008. 430 S., 19,90 Euro.

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