Ein britischer Verlag hat gegen den Willen Natascha Kampuschs eine Biografie über das Entführungsopfer geschrieben. Das Buch „Girl in the Cellar“ („Das Mädchen im Keller“) ging am Donnerstag zum ersten Mal über die Ladentheke. „Das...
Ein britischer Verlag hat gegen den Willen Natascha Kampuschs eine Biografie über das Entführungsopfer geschrieben. Das Buch „Girl in the Cellar“ („Das Mädchen im Keller“) ging am Donnerstag zum ersten Mal über die Ladentheke.
„Das ist eigentlich nur ein müder Abklatsch“ sagte Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger zu dem Buch. Es gebe das Leben seiner Mandantin nicht einmal entfernt wieder: „Wir haben klipp und klar gesagt, dass sich Frau Kampusch mit diesen Unwahrheiten und Gerüchten nicht abfinden wird“ kommentierte er eine Veröffentlichung von Auszügen in der Online-Ausgabe der Londoner „Times“.
Auch Kampuschs Sprecher, Stefan Bachleitner, betonte die Verärgerung der inzwischen 18-jährigen Natascha: „Sie war schon einigermaßen verärgert, dass sich jemand anmaßt, ein Buch über sie zu schreiben“ beschrieb er die Reaktion auf das Buch – und vor allem die Reaktion auf die zwei Autoren, die Journalisten Michael Leidig und Alan Hall. Sie hätten zu keinem Zeitpunkt auch nur eine Interview-Anfrage gestellt.
Natascha Kampusch war mit zehn Jahren auf dem Schulweg entführt und mehr als acht Jahre von ihrem Entführer, Wolfgang Priklopil, in einem Keller gefangengehalten worden. Im August 2006 gelang ihr schließlich die Flucht. Die junge Frau engagiert sich seitdem für benachteiligte Kinder und will unter anderem auch selbst ein Buch über ihre Entführung schreiben.
Doch das Berühmtsein ist Natascha Kampusch trotzdem mehr als unrecht. „Sie will nicht irgendwo angehimmelt oder bewundert werden – sie will ganz einfach ihre Ruhe haben und in Ruhe ihr neues Leben organisieren“, berichtete ihr Anwalt. Das eben erschienene Buch sei für Kampusch deshalb eine große Belastung, „aber zurückwerfen lässt sich Frau Kampusch von diesem Machtwerk sicher nicht.“ (jul)