Der Schriftsteller Alan Moore ist mit seinem neuen Werk 'Lost Girls' offenbar in eine neue Dimension des Comic-Genres vorgestossen: Fast 18 Jahre arbeitete der Brite zusammen mit einer Zeichnerin an der erotischen Grafiknovelle - bis er die Malerin ehelichte. Der Autor sieht in seinem pikanten Werk eine Neuerfindung der Pornografie - Kritiker hingegen loben ihn, betrachten den Comic als sagenhaften Durchbruch und schwelgen in höchsten Tönen.
Der Engländer Alan Moore hat eine perfekte Liebesgeschichte kreiert, und ist dafür am vergangenen Sonntag beim Comicfestival in Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis gewürdigt worden. Fast 18 Jahre lang arbeitete der Dichter und Anarchist an seiner pornographischen Novelle. Im Jahre 2006 erschien dann seine Kreation pünktlich zur Comicmesse in San Diego. Die Startauflage hatte einen großen Erfolg und war innerhalb von wenigen Tagen komplett vergriffen. Nun können auch in Deutschland die Leser das Meisterwerk endlich genießen. Die Erstauflage ist für schlappe 75 Euro im Handel erhältlich.
Die Geschichte der 'Lost Girls' spielt am Vorabend des Ersten Weltkriegs. In einem Berghotel in Österreich begegnet der Leser den zentralen Figuren: Es handelt sich um drei Frauen, die, wie sich nach und nach herausstellt, die Prototypen dreier berühmter englischer Kinderbücher darstellen. Die weißhaarige Lady Fairchild ist Alice aus Lewis Carrolls Wunderland. Dottie Gale ist Dorothy aus dem 'Zauberer von Oz', und Mrs. Harold Potter, die überhaupt nicht mit dem berühmten Kinderbuchhelden verwandt ist, erinnert irgendwie an Wendy aus der 'Peter Pan'-Geschichte. Wie der Autor selbst erklärt, handelt es sich in 'Lost Girls' bei der dargestellten Pornografie um Fiktionen. "Nur Fiktionen, sie sind nicht verunreinigt durch Wirkung und Konsequenz", gibt sich der Comicautor kryptisch.
Moores Frau, die Künstlerin Melinda Gebbie, hat die entsprechenden Bilder zu 'Lost Girls' gezeichnet - jedes Bild ist ein wahres Kunstwerk. Die Zeichnerin setzte unter anderem auch erotische Bildelemente aus Aubrey Beardsley oder Egon Schiele in die Geschichte ein, die insgesamt an die amerikanische 'Wimmens Comix'-Richtung der 70er-Jahre erinnert. Die gemeinsame Arbeit brachte die beiden Künstler zusammen, sie verliebten sich in einander. Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Buches gaben sich die beiden eifrigen Team-Mitglieder das Ja-Wort.