Die Welt (Berlin):
"Hillary Clintons Konterangriff in den Staaten Indiana und North Carolina ist gescheitert. Clinton wollte dort die Wucht der Obama-Bewegung brechen, was misslang. Obama führt jetzt bei allen wichtigen Vergleichszahlen - Delegierte, Wählerstimmen, gewonnene Bundesstaaten. Er ist auf dem Wahlparteitag Ende August weniger als 200 Delegiertenstimmen von der Nominierung entfernt. Einen Teil davon wird er in den kommenden vier Wochen bei den restlichen sechs Urwahlen gewinnen. Den Rest besorgen bislang zögernde Funktionäre und Mandatsträger, die ihn als Superdelegierte über die magische Schwelle von 2.025 Stimmen heben können."
Rheinische Post (Düsseldorf):
"Das Rennen ist gelaufen. Offiziell ist das alles noch nicht, doch im Grunde ist er entschieden, der überlange Wettstreit um die Nominierung der Demokraten. Der Präsidentschaftskandidat heißt Barack Obama. Was die nächsten Tage bestimmt, ist das Spekulieren darüber, wann Hillary Clinton das Unvermeidliche einsieht und das Handtuch wirft. All ihre Hoffnung ruht auf den Superdelegierten. Allein sie können dem Prinzen die Krone verweigern. Zumindest theoretisch, das Praktische steht auf einem anderen Blatt. Sie werden sich dreimal überlegen, ob sie den Willen der Basis ignorieren und die Unterlegene eines demokratischen Verfahrens per Palastputsch auf den Thron hieven."
Frankfurter Rundschau (Frankfurt):
"Hillary Clinton will weitermachen und kann es auch. Nach dem Zittersieg bei der Vorwahl in Indiana steht ihr dieses Recht zu. Eine realistische Chance auf die Präsidentschaftskandidatur aber besitzt sie nicht mehr. Nicht rechnerisch, nicht politisch. Zu groß ist der Abstand, mit dem Barack Obama nach seinem klaren Sieg in North Carolina im Kampf um Delegierte enteilt ist. Zu wenig Grund haben die Parteifunktionäre, dem Sieger der Vorwahlen die Kandidatur zu entreißen. Dafür hat Obama nach wochenlangen Querelen seine Durststrecke zu eindrucksvoll beendet. Am Dienstag gewann er mehr Stimmen, mehr Delegierte. Mit Abstand. Warum dann kein schnelles Ende? Weil die Partei den Clintons einen würdigen Abgang schuldet."
Der Tagesanzeiger (Zürich):
"Noch ist es nicht zu spät, Obama zum Hoffnungsträger aller Demokraten zu machen - und vieler Amerikaner jenseits der Parteigrenzen. Nach acht Jahren Finsternis mit Krieg und Folter wünschen sie sich, dass jemand die Hoffnung nach Washington zurückbringt. Das kann am ehesten Obama."
El Mundo (Madrid):
"Man versteht es immer weniger, dass die frühere First Lady das Rennen nicht aufgibt. Der Kandidat der Republikaner McCain reibt sich angesichts des Zweikampfs bei den Demokraten die Hände. Hillary Clintons Ehrgeiz wird zunehmend zu einem reinen Egoismus, der die Chancen der Demokraten auf einen Wahlsieg trübt."
Der Standard (Wien):
"Man darf vermuten, dass sie es auch auf einen Rechtsstreit ankommen lassen würde, um die Stimmen der vom Nominierungskongress im August ausgeschlossenen Delegierten aus Michigan und Florida doch noch zu bekommen. 'Das Problem ist, dass Hillary einen Killerinstinkt hat und Obama nicht', heißt es unter Demokraten. Das kann gut sein, bloß, dass sie diesmal womöglich ihre eigene Partei killt."