Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Die ersten VW-Aktien kaufte Porsche vor drei Jahren für 35 Euro. Früh sicherte sich der kleine Sportwagenhersteller die günstigen Aktienpreise, indem er mit Banken Kurssicherungsgeschäfte abschloss. Als die Optionen in Stufen aufgelöst wurden, konnte Porsche den deutlich größeren Hersteller Volkswagen zu den frühzeitig gesicherten Festpreisen schrittweise übernehmen. Das Geschrei über das Geschäftsgebaren von Porsche ist wohl dort am größten, wo die Verluste besonders schmerzen. Immer wieder wetten Hedge-Fonds auf den Absturz der VW-Aktie - und verbrennen sich die Finger. Ähnlich ergeht es Banken, die ihre Positionen aus Termingeschäften nicht abgesichert haben. Solche Verluste muss man nicht bedauern."
Die Welt (Berlin):
"Für ein solches Durcheinander reichen ein paar Spekulanten, die sich schlicht verzockt haben. Sie hatten darauf gewettet, dass der VW-Kurs fällt, und geliehene Aktien der Wolfsburger in der Hoffnung verkauft, sie vor der Rückgabe zu einem günstigeren Kurs wieder kaufen zu können. Auslöser war der Großaktionär Porsche. Als der ankündigte, dass er direkt und indirekt bereits auf 74 Prozent der VW-Aktien Zugriff hat, wurde plötzlich allen klar, dass inklusive der 20 Prozent, die das Land Niedersachsen hält, bereits 94 Prozent der Aktien in festen Händen sind. Das Spiel ging nicht mehr auf. Die Jagd auf die wenigen noch im Umlauf befindlichen Stücke war eröffnet. Schließlich mussten die Zocker die geliehenen Papiere wieder zurückgeben - ganz gleich, zu welchem Preis. Der Kurs stieg in ungeahnte Höhen und verzerrte den Dax."
Braunschweiger Zeitung (Braunschweig):
"Porsche hat ein finanztechnisches Husarenstück hingelegt, das seinesgleichen sucht - wenn es denn gelingt, und wenn alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Was das Ganze soll? Am plausibelsten ist der Gedanke, dass Porsche den VW-Kurs in die Höhe treibt, um dann mit den Optionen Milliarden zu kassieren. Damit hätten dann Investment-Banker und Hedge-Fonds in den Stuttgarter Finanzakrobaten ihre Meister gefunden."
Stuttgarter Nachrichten (Stuttgart):
"Würde das Land Niedersachsen sein VW-Paket Stück für Stück bei diesen Preisen verkaufen, könnte es etwa drei Viertel seiner Schulden tilgen. Eine verführerische Idee. Die Landesregierung will jedoch am Engagement bei VW festhalten, obwohl das VW-Gesetz nach normalem Ermessen bald fallen wird. Da der Kurs der VW-Aktie auf absehbare Zeit wieder einbrechen wird, kann sich die Landesregierung schon jetzt auf bohrende Nachfragen einstellen, warum sie das Geld und die finanziellen Zukunftschancen Niedersachsens so leichtfertig verspielt."
Ostsee-Zeitung (Rostock):
"Die Regierung muss den Mut haben, die Schleusen für die Börsen-Hasardeure einzudämmen und den Schröder-Erlass von 2004 revidieren. Damals wurden in Deutschland Hedgefonds zugelassen, die mit Leerverkäufen und Derivaten jonglieren. Finanzinstrumente, die selbst der Amerikaner Warren Buffett, reichster Mann der Welt, als das bezeichnete, was sie sind: 'moderne Massenvernichtungswaffen'."