Frankfurter Rundschau (Frankfurt):
"Die USA greifen zum alten Mittel: Sie schicken mehr Soldaten an den Hindukusch. Bis zu 60.000 GIs, doppelt so viele wie jetzt, sollen in Afghanistan die Taliban bekämpfen. Das ist ein Signal. Ein Alarmsignal. Der Feldzug im Süden ist praktisch gescheitert. Was wird aus Afghanistan? Eine Hölle, wenn sich die USA und mit ihr die Nato nicht sehr schnell darauf besinnen, dass eine Gesamtstrategie nötig ist: In Afghanistan siegt, wer die Köpfe der Menschen für sich gewinnt. Sonst ist alles verloren."
Die Welt (Berlin):
"Kriegsziel der Nato ist das selbsttragende Gleichgewicht, in dem die Afghanen für ihre eigene Sicherheit sorgen können. Aber es ist seit dem Jahr 2001 nicht näher gerückt. Denn es ist eine Sache, in schnellem Vorstoß, aus der Luft gedeckt, ein Territorium zu durchqueren, und eine ganz andere, ein solches Territorium dauerhaft zu halten und zu befrieden. Erst wenn das geschieht und das Ganze nach Verlässlichkeit aussieht, besteht die Chance, Herz und Verstand der Bewohner zu gewinnen. Denn die wissen eines: Die Taliban werden immer da sein, die fremden Truppen aber gehen irgendwann, und dann wird abgerechnet."
Neue Osnabrücker Zeitung (Osnabrück):
"Von den künftig rund 80.000 Einsatzkräften werden die USA also etwa 60.000 stellen, Großbritannien 10.000. Während die Taliban der NATO das Schicksal der Sowjetarmee prophezeien, befürchten viele im Westen ein zweites Vietnam. Der künftige US-Präsident Obama wird auf die Gemütslagen in Europa jedoch keine Rücksicht nehmen, sondern auf eine bessere Strategie setzen. Als Vorbild dient dabei die Stabilisierung des Irak. Mehr Bodentruppen, um Räume zu halten. Mehr Ausbilder, um Polizei und Militär zu stärken. Und mehr Bündnisse mit Stammesführern, um Misstrauen abzubauen. Wiederaufbauhilfen und Geld werden sich dabei als wertvolle Waffen erweisen. Die Lage ist extrem schwierig, aber nicht hoffnungslos."