Milliyet (Istanbul):
"Die Komandoaktion war der erste US-Angriff gegen Syrien. Es handelte sich nicht wie in anderen Fällen um einen Luftangriff, der anschließend damit entschuldigt wird, dass bei der Verfolgung von Terroristen 'versehentlich' Bomben auf fremdes Territorium abgeworfen wurden. Diesmal kamen Spezialeinsatzkommandos mit Hubschraubern, drangen zehn Kilometer tief nach Syrien hinein, zerstörten ein Haus in einem Dorf und töteten dort mehrere Menschen. Das ist für Damaskus ein Schock. Washington und Bagdad hatten Syrien immer wieder beschuldigt, Aktionen von Terrorgruppen im Grenzgebiet tatenlos zuzuschauen. Dass die Amerikaner die Sache nun selbst in die Hand nehmen, könnte ernste Auswirkungen haben - und das in einer Zeit, in der sich Syrien der Welt zu öffen beginnt."
Rzezspospolita (Warschau):
"Die Bush-Administration will mit Bagdad so schnell wie möglich eine Verlängerung des US-Militäreinsatzes im Irak vereinbaren. Der entsprechende Vertrag wurde bislang aber von irakischen Gruppierungen blockiert, die sehr gute Kontakte nach Damaskus haben. Jetzt versucht Washington offenbar, die syrische Regierung militärisch dazu zu zwingen, die irakischen Parteien zu einer Unterzeichnung zu bewegen. Ein schneller Kompromiss soll dabei offenbar noch kurz vor der US-Präsidentschaftswahl die Chancen des republikanischen Kandidaten McCain erhöhen. Die Botschaft soll ausgesendet werden: Es sind die Republikaner - und nicht die Demokraten -, die zu schwierigen Entscheidungen fähig sind."
Kommersant (Moskau):
"Die Militäroperation sollte Damaskus und den in Syrien ansässigen islamischen Extremisten vermutlich zeigen, dass Washington entschlossen ist, an jedem beliebigen Punkt dieser Erde gegen Terroristen zu kämpfen, ungeachtet aller Staatsgrenzen. Sicher ist auch nicht ausgeschlossen, dass sich das amerikanische Militär möglicherweise geirrt hat und dass sich in dem angegriffenen Dorf gar keine Kämpfer aufhielten. Doch bis zu den Präsidentschaftswahlen wird es kaum gelingen, dies zu überprüfen."
Information (Kopenhagen):
"Das Schlimmste an dem Angriff ist, dass die Amerikaner im Irak - ebenso wie das türkische Militär in den kurdischen Gebieten - in ihrer Jagd auf Terroristen nationale Grenzen ignorieren. Die Selbstjustiz ist zur Gewohnheit geworden; die internationale Rechtsordnung wird ausgesetzt. Das ist deprimierend für das internationale Staatenrecht - und für uns Bürger."
Arab News (Dschidda):
"Viele Menschen fragen sich: Warum dieser Angriff am Ende der Amtszeit von George Bush? Die Antwort ist einfach: Solche Aktionen sind schlicht und einfach in der Natur der Bush-Administration begründet. Diese hat immer wieder bewiesen, dass sie gut im Handeln und schlecht im Einschätzen ist. Der Angriff ist ebenso wie die jüngsten US-Vorstöße auf pakistanisches Territorium ein weiteres Beispiel für die arrogante Politik Washingtons, mit rauchenden Colts dorthin zu eilen, wo man eigentlich nichts zu suchen hat."
Washington Post (Washington):
"In der Logik des syrischen Diktators Bashar al-Assad ist es offenbar legitim, Mörder, den illegalen Waffenhandel, das Einsickern von Terroristen und Selbstmordanschläge in Nachbarländern zu unterstützen. Gleichzeitig geht er davon aus, dass ihn die Skrupel der demokratischen Staten vor Geltungsmaßnahmen schon bewahren werden. US-Generäle und irakische Offizielle haben immer und immer wieder auf die Infiltration von El-Kaida-Kämpfern über den Flughafen in Damaskus und über die syrisch-irakische Grenze hingewiesen sowie auf die Tatsache, dass Syrien keine Maßnahmen dagegen ergreift. Ziel der Militäraktion am Sonntag war ein ranghohes El-Kaida-Mitglied. Doch sollte der Vorstoß auch nur jenen Nutzen gebracht haben, dass Assad nun weiss, dass die USA die Souveränität eines kriminellen Regimes nicht mehr respektieren - dann hätte sich diese Kommando-Aktion bereits gelohnt."