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StartseiteDealsPressestimme: Raufen sich Israel und Hamas doch noch zusammen?
Raufen sich Israel und Hamas doch noch zusammen?

8. Januar 2009 Raufen sich Israel und Hamas doch noch zusammen?

Die Welt hofft auf einen Waffenstillstand

Libération (Paris):

"Es ist kein Zufall, dass sich in Gaza nach dem israelischen Beschuss einer UNO-Schule mit mindestens 40 Opfern eine Hoffnung auf Frieden abzeichnet. Die allgemeine Empörung hat gewiss dazu beigetragen. Israel hat den Grundzügen eines Planes zur Beendigung der Krise zugestimmt, den der ägyptische Präsident Mubarak nach seinem Treffen mit Frankreichs Präsident Sarkozy angekündigt hat. Die Geschichte der Region gibt Anlass zur Skepsis. Doch der vorgeschlagene Plan könnte schrittweise dazu führen, dass die Waffen zum Schweigen gebracht werden."

Haaretz (Tel Aviv):

"Am besten betrachtet man Mubaraks Vorstoß als Versuch, die Wünsche und Vorschläge der beteiligten Gruppen gegeneinander abzuwägen. Israel verlangt zu Recht ein Ende des Beschusses durch die Kassam-Raketen militanter Palästinenser. Die Hamas will zuallererst ihre Rolle in Gaza festigen und eine Öffnung der Grenzen erreichen, um das Leid der Zivilbevölkerung zu lindern. Der ägyptisch-französische Vorschlag bietet die Chance, den Interessen beider Seiten gerecht zu werden."

Jordan Times (Amman):

"Zwölf Tage nach dem Beginn der israelischen Offensive gibt es erste diplomatische Erfolge. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die Kämpfe bereits abflauten. Im Gegenteil: Lange und bittere Erfahrungen lassen vermuten, dass Israel die letzten Tagen der Operation für harte militärische Schläge nutzen wird. Immerhin deuten sich die Grundzüge für eine Waffenruhe an. Beide Seiten beenden die Gewalt, Israel wird seine Truppen zurückziehen. Ein Grenzabschnitt zum Gazastreifen wird geöffnet - zunächst für humanitäre Hilfe, später auch für den Handel. Das hätte man eigentlich schon früher haben können."

Sabah (Istanbul):

"Die ersten Feuerpausen sind schon da. Unklar bleibt, ob Israel seine Ziele erreicht hat. Vielleicht hat die Hamas einen militärischen Rückschlag erlitten, doch politisch sind Einfluss und Legitimität der Organisation größer geworden. Zudem hat die israelische Armee alle Gebäude zerstört, die zum Regieren des Gazastreifens nötig sind. Wenn also morgen ein Waffenstillstand kommen sollte, wird es nicht möglich sein, eineinhalb Millionen Menschen zu regieren. Das entstehende Chaos könnte eine noch größere Gewaltwelle auslösen."

Sydsvenska Dagbladet (Malmö):

"Wenn es Israel gelänge, die Hamas zu besiegen, wäre man im Besitz eines Territoriums, für das man keine Verantwortung tragen will. Jerusalem möchte einen Waffenstillstand unter der Bedingung, dass die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten international kontrolliert wird. Dies wäre jedoch eine klare Niederlage für die Hamas, denn dort bestehen unzählige Tunnel, durch die Palästinenser ihre Waffen und andere Waren in den Gazastreifen schmuggeln. Noch ist es zu früh für Jubel."

New York Times (New York):

"Seit 2005 haben die von militanten Palästinensern abgefeuerten Kassam-Raketen 20 Israelis getötet. Es muss eine Reaktion auf die Hamas geben, aber die gegenwärtige Antwort ist die falsche. Die israelische Führung sollte ihr Volk nicht täuschen und behaupten, man könne Frieden schaffen, ohne die Realitäten im Nahen Osten zu akzeptieren. Und die heißen nunmal auch Hamas und Hisbollah."

Frankfurter Rundschau (Frankfurt):

"Atemholen zwischen Gefechten: Mit der dreistündigen Einstellung aller Kampfhandlungen in Gaza war es am Mittwoch schnell vorbei. Trotzdem könnte die Pause im Krieg zu mehr gut sein, als der geschundenen palästinensischen Zivilbevölkerung Linderung zu verschaffen. Sie war ein erster Test, um zu sehen, ob sich beide Seiten, Israel wie die Hamas, an Abmachungen halten. Das ist gelungen. Während der verabredeten Zeit flogen weder Raketen in den Negev noch Geschosse nach Gaza. Ein Fortschritt ist auch, dass erstmals Waffenstillstandsvorschläge kursieren, die Israel im Prinzip für akzeptabel hält. Zu einer dauerhaften Befriedung wird es aber erst kommen, wenn dem Waffenschmuggel vom Sinai nach Gaza ein Ende gemacht wird. Das ist essenziell, weil sich damit der militärische Flügel der Hamas austrocknen lässt."

Süddeutsche Zeitung (München):

"Israel wird an der Gaza-Grenze zu Ägypten eine nationale oder internationale Friedenstruppe nach dem libanesischen Unifil- Modell sehen wollen. Die könnte sicherstellen, dass keine Schächte mehr gegraben werden. Kairo hat damit ein gewichtiges Wort bei der Waffenstillstands-Formel mitzureden. Selbst wenn eine Sicherheitszone auf palästinensischem Boden geschaffen würde, in der internationale Truppen operieren, müssten Friedenssoldaten auch auf dem ägyptischen Sinai oder in Israel selbst stationiert werden: In Gaza bleiben könnten sie wegen der Sicherheitsrisiken kaum."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):

"Ohne Mitwirkung Ägyptens, womöglich unter internationaler Aufsicht, ist der Waffenschmuggel über die Grenze nicht zu verhindern. Israel will den Gazastreifen nicht neuerlich besetzen. Es ist aber unklar, ob Hamas ohne bewaffneten Arm - die Grenze zu den sogenannten Sicherheitskräften ist fließend - Gaza überhaupt noch kontrollieren kann. Die Frage, wie schwer die Niederlage für Hamas sein muss, um nahöstliche Terrororganisationen künftig abzuschrecken, ist eher psychologischer als militärischer Natur. Und eine politische Alternative zu Hamas im Gazastreifen ist auch nicht zu sehen. Die Rückkehr der Fatah des Palästinenser-Präsidenten Abbas ist kaum vorstellbar: Ihr Regime ist in Gaza abgewählt worden, und eine Rückkehr auf den Spitzen israelischer Bajonette würde der Fatah jegliche Restlegitimität rauben."

Tagesspiegel (Berlin):

"Einen 'sauberen Krieg' gibt es nicht, auch keine 'chirurgi- schen Luftschläge', wie israelische Militärvideos weismachen wollen. In einer der am dichtesten bevölkerten Regionen der Welt kommen durch fast jede Rakete oder Panzergranate unweigerlich unbeteiligte Zivilisten um - in der vorvergangenen Nacht Dut- zende Frauen und Kinder, die in einer UNO-Schule Schutz ge- sucht haben. Auch die gesamte öffentliche Infrastruktur in Ga- za wird systematisch zerstört - Moscheen, Tanklager, Kranken- häuser, Regierungsgebäude, sogar eine Universität. Zwischen den Fronten stehen 1,5 Millionen Menschen, die nirgendwo hin fliehen können."