Le Figaro (Paris):
"Die knapp unterlegene Ségolène Royal wird die Sozialisten nicht verlassen, weil die Partei für sie lebensnotwendig ist - auch wenn sie in den Führungsinstanzen in der Minderheit ist. Es zeichnet sich keine Spaltung der Partei ab, aber eine Art Teilung. Man kann sich darauf verlassen, dass Royal die neue Vorsitzende Martine Aubry und ihr Team jeden Tag daran erinnern wird, dass sie nur eines von zwei Parteimitgliedern repräsentieren."
L'Alsace (Mülhausen):
"Ségolène Royal hat verloren. Aber dies bedeutet nicht, dass sie damit aus dem Rennen um die Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl im Jahre 2012 ist. Ganz im Gegenteil. Sie muss bis dahin nicht die Bürde der Partei tragen, sondern hat die Hände frei. Und die Hoffnungen ihrer Gegner, dass sich in der Partei eine Anti-Royal-Front durchsetzt, sind zerstört. Bei einem Vorsprung für Aubry von rund 100 Stimmen ist Royals Legitimität nicht geringer als die der Siegerin."
Le Soir (Brüssel):
"Es ist schlimmer als erwartet. Die Szenen, die man am Wochenende bei der sozialistischen Partei beobachten konnte, werden in die düsteren Annalen der politischen Geschichte eingehen. Nach 'den dümmsten Rechten', gibt es hier 'die verrücktesten Linken der Welt', die einem die Politik verleiden, während sie behaupten, sie erneuern zu wollen. Das ist die Höhe! ... Die französischen Linken brauchten alles, nur das nicht. Als Lionel Jospin vor sechs Jahren von [dem Rechtspopulisten] Jean-Marie Le Pen aus dem Präsidentschaftswahlen verdrängt wurde, wurden sie ins Herz getroffen. Von dieser Verletzung haben sie sich nicht erholt. Vielleicht, weil sie aus dieser beschämenden Niederlage keine Lehre gezogen haben. Hier ist also die zweigeteilte sozialistische Partei - mit zwei Lagern, die sich hassen und nur aus einem einzigen Grund unter einem Dach bleiben: Sie sind derzeit zu schwach, um den regierenden Rechten die Macht streitig zu machen."
The Independent (London):
"Kein Kampf zwischen den Linken und den Rechten ist mit mehr Beschimpfungen und schmutzigen Tricks geführt worden als dieser Kampf zwischen Mitte-Links und Mitte-Rechts. Der giftige Hass zwischen den beiden Lagern war schon lange sichtbar, bevor sich die Stimmen der Mitglieder der Sozialistischen Partei am Freitagabend fast genau 50 zu 50 spalteten. Das Problem sind weder die knappe Abstimmung noch die Beweise von Wahlverstößen. Solche Praktiken haben Frankreichs 'alternative Regierungspartei' lange geplagt. Das wirkliche Problem ist, dass die persönlichen Beziehungen zwischen den Lagern so vergiftet sind, dass eine De-facto-Spaltung unvermeidlich scheint. Eine formale Spaltung in zwei Mitte-Links-Parteien ist kurzfristig unwahrscheinlich. Aber sie ist nicht mehr unvorstellbar. Es ist immer gesagt worden, Frankreich habe 'die dümmste Rechte der Welt'. In dieser Tradition zumindest hat sich Frankreich deutlich nach links bewegt."
La Repubblica (Rom):
"Der Krieg zwischen den beiden sozialistischen Damen, zwischen der strengen Martine Aubry und der untypischen, zu glamourösen Ségolène Royal, hat in diesen Stunden nur einen Sieger: den Präsidenten der Rechten, Nicolas Sarkozy. Er sieht sich mit einer linken Opposition in einer tiefen Krise konfrontiert, die von internen Konflikten verwüstet ist, die nur schwer zu lösen sind - auch mit Hinblick auf 2012, wenn sein eigenes Mandat ausläuft. Alles dreht sich um dieses Datum. Die Partei hat sich gegen Ségolène Royal verschworen, um ihr nicht noch einmal die Möglichkeit der Kandidatur zu geben. Mit Martine Aubry bleibt der Posten frei. Leidenschaft und Rivalität bewegen die Partei und helfen ihr nicht, den politischen Gipfel der Präsidentschaft einzunehmen. Aber sie bleibt eine alte, traditionelle Formation, die die Verantwortlichen nicht wie ein sinkendes Schiff verlassen."