Tages-Anzeiger (Zürich):
"Das Vertrauen der Investoren ist stark angeschlagen, nicht einmal die Banker trauen einander noch über den Weg. Dies erklärt, warum eine Rettung des Traditionshauses Lehman Brothers so schwierig ist und warum die 158 Jahre alte Bank wahrscheinlich liquidiert werden muss. Die Finanzkrise ist das Produkt einer langen Phase des extremen Laisser-faire in der Politik und der viel zu lockeren Geldpolitik eines Alan Greenspan. Es wird nicht Wochen oder Monate dauern, bis die Trümmer dieser Ära weggeräumt sind."
Information (Kopenhagen):
"US-Finanzminister Hank Paulson hatte kaum die Papiere zur Verstaatlichung der Hypothenbanken Fannie Mae und Freddie Mac unterschrieben, als dasselbe Klagelied bei der bekannteren Investmentbank Lehman Brothers losging. Das Eingreifen Paulsons im ersten Fall war notwendig. Über 80 Prozent der privaten Immobilienkredite waren hier aufgenommen. Aber es gibt Grenzen für das, was eine Regierung tun kann und soll. Es ist ja nicht das erste Mal, und dadurch ist eine Erwartungshaltung entstanden. Der Staat kann nicht in jedem Fall ein Sicherheitsnetz spannen, wenn Finanzeinrichtungen in Not geraten."
La Tribune (Paris):
"Die Paulson-Methode stößt klar an ihre Grenzen. Zuerst verlegte er sich auf die Verschärfung der Regeln. Doch die können vielleicht die kommende Krise abwenden, aber nicht die aktuelle. Dann hat Henry Paulson vom Rettungsplan für die Bank 'Bear Stearns' angefangen bis heute auf die Regelung jedes Einzelfalls gesetzt. Das hat zwar verhindert, dass eine spektakuläre Insolvenz zu einer ganzen Systemkrise führt.Doch das ersetzt keine Politik. Die Finanzwelt kann darauf aber nicht bis zur US-Wahl am 4. November warten."
Die Presse (Wien):
"Wenn sich die US-Regierung zurückhielte, erhöhte das die Chancen, dass die Bank zerschlagen und an private Investoren verkauft wird, deutlich. Die Banker würden im Falle ihres Scheitern zwar weiterhin mit ein paar Millionen Abfindung in der Tasche nach Hause geschickt -aber es geht auch nicht so sehr darum, die Schuldigen zu bestrafen. Sondern um ein klares Signal an die Bankenwelt, dass verheerende Fehler auch ernste Konsequenzen haben. Volkswirtschaftlich gesehen ist die Sache so oder so in höchstem Maße schmerzhaft."
Star (Istanbul):
"Der Trend ist derzeit, kurzfristig Dollar zu kaufen, um sie danach schnell wieder zu verkaufen. Zur Zeit dreht sich alles um die US-Währung. An den internationalen Finanzmärkten werden große Strategien entwickelt. Das hat zwei Gründe: Der erste ist, dass wegen der Kreditkrise in Amerika große Unsicherheit entstanden ist. Aber wie es scheint, kann man damit auch gute Geschäfte machen. Der zweite Grund ist die in der US- Wirtschaft erwartete Rezession. Interessant ist auch, dass Ereignisse zum Beispiel in Europa oder Asien, die mit der US-Wirtschaft nicht im geringsten etwas zu tun haben, gleich zu Bewegungen beim Dollar führen."