Die Welt (Berlin):
"Kurt Beck verabschiedet sich. Man möchte ihm ein 'Endlich' hinterherrufen. Wer noch bis gestern von den Gaben des SPD- Vorsitzenden überzeugt war, der musste spätestens nach dem weinerlichen Auftritt des Pfälzers vor der Presse einräumen: Hier geht ein Parteichef, dem die Fähigkeit zur Führung fehlt. Wer an die Spitze einer Volkspartei berufen wird, der muss kanzlerfähig sein, also führen können. Er muss mit sparsamer Gestik und sanftem Ton Macht ausüben, und wenn das nicht reicht, zuschlagen. Er darf nicht über die Presse jammern und über Intrigen 'aus der zweiten Reihe' klagen, sondern hat sich die Früchtchen hinter den Kulissen vorzunehmen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Auch wenn die Personalfrage geklärt ist - der Richtungsstreit in der SPD ist es nicht. Steinmeier und Müntefering können schon froh sein, wenn es ihnen unter Verweis auf die bevorstehende Wahl gelingt, aus der Reform-SPD und der Rückwärts-SPD wieder eine halbwegs schlagkräftige Formation zu schmieden, die nicht jedesmal zusammenfährt, wenn Lafontaine 'buh' sagt."
Nordsee-Zeitung (Bremerhaven):
"Auf Kurt Beck ist Verlass. Auch nach seinem bitteren Ende als SPD-Chef bleibt er sich treu: Man weiß nicht, was er meint. Das war bei seinem Schlingerkurs in Sachen Linkspartei so und zeigte sich auch bei seinen nebulösen Begründungen für seinen Rücktritt. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, zeigt Beck - zum wievielten Mal eigentlich? -, dass er einfach nicht auf die große Politbühne passt. Souveränität sieht anders aus."
Thüringer Allgemeine (Erfurt):
"Beck ist weg und die Umfragewerte steigen. Einen rationalen Grund dafür gibt es nicht - es ist die pure Laune der Befragten und ein großer Berg Vorschusslorbeeren. Die SPD von Seeheim bis Nahles zu lenken ohne anzustoßen bedarf beinahe einer Persönlichkeitsspaltung. Müntefering soll nun die Klammer sein, die alle Flügel beisammen hält. Noch hält der Jubel an, groß war die Sehnsucht nach 'Heißem Herz und klarer Kante'. Man darf gespannt sein, wann die klare Kante zu ersten blauen Flecken führt."
tageszeitung (Berlin):
"Die SPD wird unter Steinmeier und Müntefering in die Mitte rücken. Sie wird auf Wirtschaftswachstum und Bildung setzen. Und damit Steinmeier überhaupt den Hauch einer Chance hat, Kanzler einer Ampelregierung zu werden, wird die SPD der FDP ein paar Avancen machen müssen."
Allgemeine Zeitung (Mainz):
"Beck zurück in Rheinland-Pfalz, angeschlagen, aber keineswegs geschlagen. Er freut sich über tausende von Solidaritätsadressen und darauf, wieder öfter mit Bürgern in Kontakt zu kommen. Solches als provinziell zu bezeichnen, ist arrogant. Wenn die Wunden vernarbt sind, kann Beck mit Steinmeier, vielleicht irgendwann sogar wieder mit Müntefering vernünftig zusammenarbeiten. Das ist keine schlechte Perspektive für die SPD."